Warum wird Deutschland ständig Letzter beim ESC?

    FAQ

    Eurovision Song Contest:Warum wird Deutschland ständig Letzter?

    Dominik Rzepka
    von Dominik Rzepka, Liverpool
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    Deutschland wird beim ESC in Liverpool Letzter, schon wieder. Seit Jahren kommt Deutschland auf keinen grünen Zweig beim ESC. Warum ist das so? Was macht Deutschland falsch?

    Von wem bekommt Deutschland überhaupt Punkte?

    Der ESC in Liverpool ist wieder einmal ein Reinfall für Deutschland. Die Hamburger Rockband "Lord of the Lost" bekommt nur drei Punkte von den professionellen Jurys - zwei davon aus Island, einen aus Tschechien.
    Vom Publikum gibt es 15 Punkte. Sechs bekommt Deutschland von den Anrufern aus Österreich, fünf aus Finnland und vier aus der Schweiz. Mit insgesamt 18 Punkten wird Deutschland Letzter. Der Vorletzte, das Vereinigte Königreich, bekommt 24.
    Bei den letzten acht Teilnahmen wurde Deutschland viermal Letzter und dreimal Vorletzter.

    War Deutschland wirklich so schlecht?

    Um ehrlich zu sein: Ja. Dem Song "Blood and glitter" fehlt eine gute "Hook". Erinnern Sie sich an den Refrain? "Blood and glitter, sweet and bitter, we're so happy we could die" - das ist für den ESC nicht eingängig genug.
    Dabei sind "Lord of the Lost" eine gute Band. Sie belegten bereits Platz 1 der deutschen Albumcharts.
    Der ESC ist aber ein eigenes Genre. Erfolgreiche Songs müssen für die große Bühne geschrieben werden, einen guten Refrain und eine besondere Songidee haben. Beispiel: "Calm after the storm" von den Common Linnets. Mit diesem wunderschönen und makellos komponierten Popsong wurden die Niederlande 2014 Zweiter.

    Aber es gab doch noch schlechtere Songs

    Jein. Der Ethno-Pop von Moldau mit Flöte und Trommel war sicherlich kein ESC-Höhepunkt. Allerdings bleibt so etwas hängen und das ist wichtig. Die Zuschauer in Rumänien und Italien zum Beispiel haben Moldau jeweils zwölf Punkte gegeben.

    Keiner mag uns in Europa, richtig?

    Nein. Das ist nicht der Grund. Deutschlands Ansehen in der Welt zum Beispiel hat sicherlich nichts damit zu tun, dass "Lord of the Lost" Letzte geworden sind. Ihr Song hat einfach nicht funktioniert. Das Publikum in der Halle in Liverpool ist erkennbar unberührt geblieben. Die Band hat an der Halle vorbei gesungen.
    Wenn Deutschland gute Songs schickt, läuft es schließlich besser. Michael Schulte konnte 2018 Vierter werden mit dem wirklich eingängigen Song "You let me walk alone". Das war ein emotionaler und authentischer Auftritt.
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    Quelle:


    Was macht Deutschland falsch?

    Der deutsche Misserfolg der vergangenen Jahre hat viel mit dem schwachen Vorentscheid zu tun. Die Songs der vergangenen Jahre waren allesamt wenig ESC-tauglich. Eine schlechte Songauswahl im Vorfeld führt zu schlechten Ergebnissen.
    Die Frage, ob der verantwortliche Sender NDR auch weiterhin die Federführung für den ESC innerhalb der ARD haben sollte, lässt ein Sprecher unbeantwortet. Etwas vage sagt Andreas Gerling:

    Der Diskussion und Überlegung, warum auch dieser Titel beim ESC nicht verfangen hat, müssen und werden wir uns jetzt stellen.

    Andreas Gerling, NDR

    Deutlicher wird dafür NDR-Redakteur Thomas Mohr. Er fordert personelle Konsequenzen im eigenen Sender. Vielleicht sollten den ESC künftig Menschen machen, deren Herz dafür schlägt, sagt er eurovision.de.

    Warum gewinnt immer Schweden?

    Anders als in Deutschland gibt es in Schweden einen sehr erfolgreichen Vorentscheid, der an sechs aufeinanderfolgenden Samstagabenden ausgestrahlt wird. Das Interesse an diesen TV-Shows ist riesig.
    Vor allem aber produziert Schweden Songs extra für den Wettbewerb - nach allen Regeln der ESC-Kunst. Beteiligt sind jedes Jahr Songwriter, die sich auf das Genre ESC spezialisiert haben. Der Co-Komponist des diesjährigen Siegersongs, Thomas G:son, war auch schon an Loreens Hit "Euphoria" aus dem Jahr 2012 beteiligt.

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    :Schweden gewinnt, Deutschland wieder Letzter

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    von Dominik Rzepka, Liverpool
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