Klima-Nischen: Es wird eng

    Studie zum Klimawandel:Klima-Nischen: Es wird eng

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    Menschen siedeln sich am liebsten in Regionen an, in denen die Durchschnittstemperatur zwischen 11 und 15 Grad Celsius liegt. Doch diese Klima-Nischen sind bedroht.

    Sahara
    Vor allem in Regionen wie der Sahara könnten sich durch den fortschreitenden Klimawandel die Lebensbedingungen für Menschen weiter stark verschlechtern, ergab eine neue Studie.

    Weltweit könnte am Ende des Jahrhunderts ein Drittel aller Menschen in Regionen leben, die sich außerhalb der so genannten menschlichen Klima-Nische befinden - also dem Temperaturbereich, in dem Menschen historisch bevorzugt siedeln. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die im Fachjournal "Nature Sustainability" erschienen ist.

    Szenario: Ein Drittel lebt außerhalb der Klima-Nische

    Fest steht: Der Klimawandel stellt die gewohnten Lebensbedingungen in Frage. Während Deutschland möglicherweise genug Geld hat, um sich auf Starkregen, Hitzewellen und Dürreperioden einzustellen, dürfte das in anderen Teilen der Welt fast unmöglich sein.
    Auf den niederländischen Antillen steigt der Meeresspiegel mit dem Klimawandel immer weiter an. Besonders bedroht ist die Insel Bonaire. Mangroven sollen nun helfen, indem sie den Sand zusammenhalten und die Wellen brechen.10.05.2023 | 2:13 min
    Die Studie geht jedenfalls davon aus, dass wegen des Klimawandels immer weniger Menschen weltweit in der Lage sein werden, in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Leben zu führen.
    Nach den Berechnungen könnten weltweit am Ende des Jahrhunderts ein Drittel aller Menschen in Regionen leben, die sich außerhalb der so genannten menschlichen Klima-Nische befinden - also dem Temperaturbereich, in dem Menschen historisch bevorzugt siedeln.

    Länder in Afrika und Asien besonders betroffen

    Wie das in Köln ansässige Wissenschaftsportal Science Media Center berichtet, untersuchten die Wissenschaftler die Auswirkungen eines Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur um 2,7 Grad - so wie es bei der aktuellen Klimapolitik erwartbar sei.
    Außerdem gehen sie von einem Bevölkerungsanstieg auf 9,5 Milliarden Menschen bis 2070 bei anschließendem Rückgang aus.
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    Würde die Erwärmung auf 1,5 Grad beschränkt, wären laut Studie "nur" 14 Prozent aller Menschen von dieser Entwicklung betroffen.
    Laut Studie wären beim 2,7-Grad-Modell besonders viele Menschen in Indien, Nigeria und Indonesien in Mitleidenschaft gezogen. Besonders große Flächenanteile eines Landes wären in Burkina Faso, Mali und Katar betroffen, die nahezu komplett außerhalb der Klima-Nische liegen würden.

    600 Millionen Menschen leben nicht in Klima-Nischen

    Die Forscher betonen, dass die Folgen des Klimawandels häufig vor allem in wirtschaftlichen Kategorien - als Kosten - beschrieben würden. Zunehmend gebe es jedoch Bemühungen, mit der "menschlichen Klima-Nische" eine neue Größe zu etablieren. Sie beschreibt die Regionen der Erde, in denen Menschen in der Vergangenheit dank günstiger klimatischer Bedingungen bevorzugt lebten.
    Die optimale Jahresmitteltemperatur dieser Nische liegt bei etwa 11 bis 15 Grad Celsius. Aktuell leben laut Studie bereits über 600 Millionen Menschen außerhalb derartiger Gebiete.
    Ozeane nehmen einen großen Teil der globalen Erwärmung auf. Im April lagen die mittleren Oberflächentemperaturen durchgehend über 21 Grad.03.05.2023 | 0:41 min
    Das Zeitfenster für die Sicherung eines lebenswerten Lebens schließe sich, mahnte die Bonner Entwicklungsgeografin Lisa Schipper in einer ersten Reaktion auf die Studie. Die Möglichkeiten, sich an veränderte Klimabedingungen anzupassen, seien begrenzt: Insbesondere bei Extremereignissen hätten viele Menschen kaum Chancen, sich vorzubereiten.

    Wissenschaftlerin: Betroffene wollen umsiedlen

    Aus Sicht von Schipper ist es wahrscheinlich, dass Betroffene versuchen werden, umzusiedeln. "Die internationale Klima- und Entwicklungspolitik sollte diesen Prozess unterstützen, aber nicht die Finanzierung der Orte einstellen, die nicht in die menschliche Klima-Nische fallen."
    Der Calderone in den Abruzzen ist der südlichste Gletscherkörper Europas und seit Jahren sehr empfindlicher Indikator für den Klimawandel. Er droht immer stärker zu verschwinden.11.05.2022 | 1:40 min
    Der Stockholmer Klimaforscher Richard J.T. Klein verwies darauf, dass neben den Temperaturen weitere Faktoren für ein menschenwürdiges Leben wichtig seien - etwa Wasser, Luftfeuchtigkeit und Lebensbedingungen der für die Ernährung gehaltenen Tiere und angebauten Pflanzen. Er betont:

    Was diese Studie sehr gut zeigt, ist das direkte menschliche Leid, das der Klimawandel verursachen könnte.

    Richard J.T. Klein, Klimaforscher

    Klein sagt weiter: "Das Leben außerhalb der Nische bedeutet Leiden aufgrund eines unerträglich heißen und möglicherweise feuchten Klimas." Technisch gesehen, könnten sich manche Regionen an die neuen Lebensbedingungen anpassen, so Klein. "Die Menschen können die meiste Zeit ihres Lebens in klimatisierten Gebäuden verbringen und ihre Lebensmittel von anderswo importieren, sofern sie die Mittel dazu haben."
    Für viele sei dies jedoch keine Option. Der Klimawandel werde deshalb vermutlich zu stärkeren Flüchtlingsbewegungen und Konflikten führen.
    Quelle: Christoph Arens, KNA

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