Großbritannien: Braverman feuern? Druck auf Sunak wächst

    Britische Innenministerin:Braverman feuern? Druck auf Sunak wächst

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    Die britische Innenministerin ist umstritten. Ein Gastbeitrag von Braverman zur angeblichen Ungleichbehandlung von Demonstranten erhöht den Druck auf Premier Sunak, sie zu feuern.

    Britische Innenministerin Suella Braverman und Premierminister Rishi Sunak
    Politische Gefährten oder Rivalen? Innenministerin Suella Braverman und Premier Rishi Sunak.
    Quelle: Reuters

    Der britische Premierminister Rishi Sunak ist am Freitag noch stärker unter Druck geraten, Innenministerin Suella Braverman zu entlassen.
    Die Politikerin, die als Galionsfigur des ultrarechten Tory-Lagers gilt, hatte tags zuvor mit einem Gastbeitrag in der "Times" zum Umgang der Polizei mit propalästinensischen Protesten eine Kontroverse ausgelöst. Rechtsbrüche von propalästinensischen Demonstranten würden weitgehend geduldet, behauptete sie, während gegen rechtsgerichtete und nationalistische Aktivisten mit harter Hand vorgegangen werde.

    Heftige Kritik an Braverman aus eigener Partei

    Der frühere Chefjustiziar der britischen Regierung, der konservative Politiker Dominic Grieve, bezeichnete unterdessen Bravermans Äußerungen als inakzeptabel. Die Innenministerin habe die Regierung ins Chaos gestürzt, sagte er der BBC.
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    Der konservative Abgeordnete und Vorsitzende des Justizausschusses, Bob Neil, sagte, Bravermans Position in der Regierung sei unhaltbar.

    Opposition: Innenministerin untergräbt Polizei

    Kritik kam aber auch von der Opposition. Braverman befeuere Spannungen in einer Zeit, in der Spannungen abgebaut werden sollten, und untergrabe die Polizei, sagte der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Keir Starmer, vor Journalisten. "Sie macht genau das Gegenteil von dem, was die meisten Leute in diesem Land als Rolle der Innenministerin sehen würden", so der Oppositionschef weiter und fügte hinzu:

    Das wird verschlimmert durch die Tatsache, dass wir einen Premierminister haben, der zu schwach ist, um etwas dagegen zu tun.

    Keir Starmer, britischer Oppositionsführer

    Sprecher: Sunak hat "vollstes Vertrauen" in Bravermann

    Ein Sprecher Sunaks hatte am Donnerstag bestätigt, dass Bravermans Text nicht mit dem Regierungssitz 10 Downing Street abgestimmt war. Trotzdem habe der Regierungschef "volles Vertrauen" in die konservative Parteifreundin, so der Sprecher.
    Bildungsstaatssekretär Robert Halfton wollte das in einem Gespräch mit dem Nachrichtensender Sky News am Freitag jedoch nicht noch einmal wiederholen.

    Bewusste Strategie der Konservativen?

    Der 43-Jährigen werden seit geraumer Zeit Ambitionen nachgesagt, sich für eine künftige Kandidatur um den Parteivorsitz der Tories positionieren zu wollen. Andere politische Beobachter sahen hinter ihren Äußerungen eine bewusste Strategie der Konservativen, um vor den nächsten Parlamentswahlen rechte Wähler anzusprechen. 

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    :London: Sunak wegen Ministerin unter Druck

    Großbritanniens Innenministerin Braverman sorgt für Aufsehen mit Aussagen zum Umgang der britischen Polizei mit propalästinensischen Protesten. Premier Sunak gerät unter Druck.
    Demonstranten versammeln sich am 04.11.2023 in London auf dem Trafalgar Square.
    Quelle: dpa, AFP

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