US-Wahlkampf: Wie die Demokraten noch eine Chance hätten
Interview
Experte über US-Wahlkampf:Wie die Demokraten noch eine Chance hätten
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Die US-Demokraten schmieden wohl Alternativ-Pläne zur Kandidatur von Joe Biden. Was die Chancen auf einen Sieg gegen Trump erhöhen würde, hat Experte Michael Werz analysiert.
Für Trump wäre der Weg ins Weiße Haus mit einem jüngeren demokratischen Team schwerer, so Politikwissenschaftler Michael Werz. 19.07.2024 | 16:10 min
Kein Tag vergeht ohne neue Spekulationen um die erneute Präsidentschaftskandidatur von Joe Biden. Auch in der Führungsriege der Demokratischen Partei wachsen die Zweifel. Längst arbeitet die offenbar an einem Plan B.
Aber wie kann ein solcher Plan aussehen? Bei welchem Szenario haben die Demokraten überhaupt noch eine Chance, den scheinbar klaren Vorsprung von Donald Trump aufzuholen und auch nach der Wahl noch den wichtigsten Posten im Land zu besetzen?
Bei ZDFheute live schätzte Politikwissenschaftler Michael Werz die aktuellen Entwicklungen in den USA ein. Seine Analyse: Die Demokraten haben noch eine Chance auf den Wahlsieg.
Sehen Sie das gesamte Gespräch oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Das sagte Werz über ...
... die Chancen der Demokraten auf den Wahlsieg
"Natürlich gibt es da eine Chance für die Demokraten", so der Politikwissenschaftler, "insbesondere, wenn Joe Biden Platz macht für eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten". Er warnte davor, aus der aktuellen Stimmung nach dem Parteitag der Republikaner voreilige Schlüsse zu ziehen. "Der Wahlkampf wird nicht auf Parteitagen entschieden", sagte er.
Diese Parteitage haben eine besondere Bedeutung für die Parteibasis, aber relativ wenig Einfluss auf die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten insgesamt.
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Michael Werz, Politikwissenschaftler
Die Demokraten hätten nun die Chance, im Gegensatz zu ihren Kontrahenten politische Themen in den Vordergrund zu stellen. Die Republikaner hätten sich "nicht hinter einem politischen Programm, nicht hinter politischen Themen und nicht hinter einer Frage - wie gestalten wir die amerikanische Zukunft? - geeint, sondern hinter einer Person".
Da ergeben sich natürlich auch Möglichkeiten für die Demokraten, genau dort anzusetzen und zu sagen: Es geht nicht um eine Person, es geht um die Zukunft dieser Gesellschaft.
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Michael Werz, Politikwissenschaftler
... die Frage, ob Biden weitermacht oder zurückzieht
Der Experte war sich sicher: "Mein Eindruck ist, auch nach Gesprächen mit Freunden im Weißen Haus, dass diese Entscheidung spätestens in der vergangenen Nacht Washingtoner Zeit gefallen ist."
Joe Biden wird nicht kandidieren.
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Michael Werz, Politikwissenschaftler
US- Präsident Joe Biden hat immer noch Corona und schließt laut "New York Times" einen Rückzug aus dem Rennen nicht mehr kategorisch aus. USA-Experte Julius van de Laar hält einen "offenen Schlagabtausch" bei den Demokraten für denkbar. 19.07.2024 | 4:27 min
Eine andere Frage sei, ob Biden auch die Präsidentschaft aufgebe. Das hielt Werz für "unwahrscheinlich". Die Diskussionen in Washington drehten sich mittlerweile längst um die Fragen: "Wie gestaltet man den Prozess, welche Mannschaft ist die beste, um in das Rennen zu gehen und vor allen Dingen auch: Was macht man mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Biden-Kampagne und wie kann man diese Kampagne verbreitern, verjüngen und vergrößern?"
... mögliche demokratische Ersatzkandidaten
Die Frage nach möglichen Ersatzkandidaten sei "zum großen Teil Spekulation". Aber: "Der Prozess innerhalb des Democratic National Committee, der Parteiführung der Demokraten, ist relativ klar."
Kamala Harris hat in gewisser Weise das Vorgriffsrecht, sollte sie entscheiden, kandidieren zu wollen.
Im Umfeld von Biden werde nach Berichten überlegt, wie der Wahlkampf möglichst stark weitergeführt werden könne, so ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus Milwaukee.19.07.2024 | 8:29 min
Zwar komme es dann auch auf mögliche Kandidaten für die Vizepräsidentschaft an, entscheidend sei aber etwas anderes: Die Vereinigung der Demokratischen Partei gegen Trump und Vance als republikanisches Kandidatenduo. Das sei das "wichtigste Bindemittel". Gegen dieses Duo Wahlkampf zu führen, sei einfach - nämlich als "Lagerwahlkampf mit ganz klaren politischen Positionen".
Insofern stehen die Chancen dann vielleicht nicht mehr so schlecht wie noch vor einer Woche.
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Michael Werz, Politikwissenschaftler
Auf die Vizepräsidentschaftskandidatur würden sich derzeit gleich mehrere Gouverneurinnen und Gouverneure Hoffnung machen, gerade aus den Swing States, um die dortigen Chancen der Demokraten zu erhöhen. Wer letztlich antrete, sei aber nicht ausschlaggebend. "Das Wichtige ist, dass es jüngere Leute sind, dass sie sagen können: Donald Trump ist eigentlich zu alt für dieses Amt."
Ich meine, dass für einen Präsidentschaftskandidaten Trump der Weg ins Weiße Haus gegen ein neues und verjüngtes demokratisches Präsidentschaftsticket wahrscheinlich eher schwieriger als leichter wird.
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Michael Werz, Politikwissenschaftler
Die Demokraten hätten den Republikanern ausreichend sachpolitische Argumente entgegenzusetzen.
Das Interview führte ZDF-Moderator Philip Wortmann. Zusammengefasst hat es ZDF-Redakteur Torben Heine.
Quelle: dpa
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