Aufarbeitung der Pandemie: "Wir schulden den Kindern viel"

    Aufarbeitung der Pandemie:Lauterbach: "Wir schulden den Kindern viel"

    Dominik Rzepka
    von Dominik Rzepka
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    Der Bundestag bemüht sich um eine Aufarbeitung der Corona-Pandemie. Kinder hätten die meisten Opfer erbracht, sagt Minister Lauterbach - und verspricht mehr Psychotherapieplätze.

    Corona: Unsichtbare Folgen für Kinder
    Elias ist 16, als seine Schule das erste Mal in den Lockdown geht. Nur noch Homeschooling, keine Freunde mehr treffen. Elias leidet unter der Vereinsamung: "Die soziale Anbindung hat gefehlt", sagt er. Zwei, drei seiner Freunde seien depressiv geworden, hätten unter Panikattacken gelitten. Elias sagt:

    Da ist ganz viel verloren gegangen.

    Elias, Schüler aus NRW

    Rund drei Jahre nach dem ersten Lockdown hat der Bundestag am heutigen Freitag über die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche debattiert. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) räumt ein:

    Von allen, die Opfer in der Pandemie erbracht haben, haben die Kinder die meisten Opfer erbracht.

    Karl Lauterbach, SPD

    Die Pandemie hat viele Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen: manche sichtbar, viele unsichtbar. Besonders die Situation von Kindern und Jugendlichen legt offen, dass neben der physischen auch die psychische Gesundheit wichtig ist.21.04.2023 | 2:27 min

    Lauterbach verspricht mehr Therapieplätze

    Kinder hätten unter den Corona-Maßnamen gelitten. Sie seien zum Teil zu streng gewesen. "Die Schulschließungen hätte man in dieser Länge nicht machen müssen", sagt Lauterbach. Und kündigt einen Vier-Punkte-Plan für die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen an.
    Kinderkliniken müssten gestärkt, Lieferengpässe bei Medikamenten für Kinder beseitigt werden. Deutschland brauche mehr Kinderärzte sowie mehr Thearapieplätze. Die Versorgung mit Psychotherapeuten werde deutlich verbessert, daran werde intensiv gearbeitet.

    Die Kinder sind in psychischer Not. Da kann es nicht sein, dass Kinder ein Jahr lang auf einen Therapieplatz warten.

    Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

    FDP kritisiert Lauterbach

    Laut einem Bericht über die Folgen von Corona für Jüngere haben psychische Erkrankungen deutlich zugenommen: "Kinder und Jugendliche wiesen während der Schulschließungen zu 75 Prozent häufiger Depressionssymptome auf als vor der Pandemie." Schulschließungen und Depressionen stehen demnach in unmittelbarem Zusammenhang.
    Sehen Sie hier ein Interview mit Kinder- und Jugendmediziner Prof. Dr. Jörg Dötsch.25.11.2022 | 6:41 min
    Gerade diesen Zusammenhang habe Minister Lauterbach lange negiert, kritisiert die FDP-Abgeordnete Katja Adler. Psychische Störungen seien aber sehr wohl wegen der Schulschließungen angestiegen.
    Adler fordert eine Aufarbeitung der Pandemie und einen Blick nach vorn. Corona sei sicher nicht die letzte Pandemie. Und so müssten künftig neben epidemiologischen Gesichtspunkten auch psychologische berücksichtigt werden. Einschränkungen wie Schulschließungen dürfe es nicht mehr geben.

    Und was wird aus der Kindergrundsicherung?

    Zurückhaltender äußert sich der SPD-Abgeordnete Sönke Rix. Er sagt, auch in Schweden seien psychische Erkrankungen angestiegen, obwohl es dort keinen harten Lockdown gegeben habe. Den Zusammenhang zwischen Depressionen und Schulschließungen relativiert Rix:

    Hören Sie auf zu glauben, dass ausschließlich der Lockdown dafür verantwotlich ist, das es Kindern gerade nicht so gut geht.

    Sönke Rix, SPD

    70 Minuten dauert die Debatte im Bundestag. Die AfD kritisiert, die Bundesregierung verschweige Corona-Impfschäden. Die Linke wirft der Ampel vor, zu wenig für Kinder zu tun. Gesundheitsminister Lauterbach schließt seine Rede dann mit einem Plädoyer für die Kindergrundsicherung. Die ganze Ampel-Regierung stehe dazu, denn: "Wir schulden den Kindern viel."

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