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Analyse
CSU-Klausur:Söder: "Ich bin wieder daheim"
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Zweimal wollte Markus Söder Kanzlerkandidat der Union werden. Zweimal ist er gescheitert. Die große Kritik bleibt aus, stattdessen hofft die CSU auf einen Burgfrieden mit der CDU.
Die Bilder muten grotesk an, etwas altmodisch vielleicht. Zumal für einen Politiker, der Instagram und Tiktok als unverzichtbare Plattform für Seinesgleichen ausgemacht hat. Markus Söder (CSU) schreitet durch das Eingangstor des mächtigen Klosters Banz, die Arme ausgebreitet wie ein Monarch, der die Huldigungen seiner Untertanen entgegennimmt. Die versammelte CSU-Landtagsfraktion ist angetreten, um ihrem Parteivorsitzenden zuzujubeln. Söder, der sich schon zum zweiten Mal gedanklich nach Berlin verabschiedet hatte, kehrt zurück in den Schoß der Partei.
Ich bin wieder daheim.
Markus Söder, CSU-Chef
Als Begründung, warum ihm der Rückzug am Ende nicht ganz so schwer gefallen sei, führt Söder das Verhältnis zwischen ihm und Friedrich Merz (CDU) ins Feld.
Beim Thema Migration ist die Union wieder geeint.
Markus Söder, CSU-Chef
Dies sei der Verdienst von Merz und im Übrigen eine der wichtigsten Voraussetzungen für das weitere gemeinsame Arbeiten. Klar ist aber auch: Merz hat sich als das stärkere Alphatier erwiesen. Und so lässt man die Frage nach dem politischen Preis für Söders Rückzug zumindest im Moment unbeantwortet.
CSU nach K-Entscheidung: "Über Inhalte reden"
Wie dem auch sei: In der CSU-Landtagsfraktion ist man froh darüber, dass der Spuk nun ein Ende hat. "Wir können jetzt wieder über Inhalte reden", konstatiert Fraktionschef Klaus Holetschek auf der heutigen Pressekonferenz.
Manch anderer bemerkt ganz offen, dass sich Söders Fokus in den letzten Monaten auffällig verlagert hatte - von der bayerischen Staatskanzlei in München zum Bundeskanzleramt in Berlin. Und dass dem Parteichef eine gewisse Lustlosigkeit anzumerken gewesen sei.
Nun ist es ja durchaus die Aufgabe eines CSU-Chefs, dem Gewicht seiner Partei im Bund Nachdruck zu verleihen. Söder konnte in der K-Frage auf Umfragewerte verweisen, mit denen er seine unionsinternen Konkurrenten in den Schatten stellte. Selbst von Söders suboptimalen Wahlergebnissen können sich andere Unionspolitiker eine Scheibe abschneiden.
Auf jeden Wüst folgt ein Söder
Und doch gibt es die, die Söders Streben nach Berlin von Anfang an für aussichtslos hielten, um nicht zu sagen, für Zeitverschwendung. Man erkennt es an der Art und Weise, wie sie den Auftritt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) beurteilen. Der Vorsitzende des mächtigen CDU-Landesverbands NRW hatte am Montagabend gesagt, er stünde nicht für die Kanzlerkandidatur zur Verfügung (dem Vernehmen nach hatte ihn keiner gefragt).
Stattdessen stellte sich Wüst bedeutungsschwanger hinter Friedrich Merz und untermalte seine Unterstützung mit subtilen Botschaften über das Alter von Berufspolitikern, grünen Koalitionspartnern und der Zukunft der CDU. Da habe sich Wüst als die klare Nummer zwei der CDU in Stellung gebracht, heißt es aus Teilen der CSU. Botschaft: An mir kommt im Zweifel keiner (und schon gar kein Söder) vorbei. Der ein oder andere in der Landtagsfraktion spricht von einer kalten Dusche für den CSU-Chef.
Söders Umfeld interpretiert die Sache völlig anders: Wüst habe sich mit seinem Auftritt selbst schwer geschadet und sei darüber hinaus irrelevant. Und der CSU-Chef selbst? Der spricht in der Pressekonferenz in Banz vom "Geschnabel drumherum". Und garniert seine Wortschöpfung mit Statistiken, die Bayern um so viel besser da stehen lassen, als Nordrhein-Westfalen. Auf jeden Wüst folgt eben ein Söder.
Nein zu Schwarz-Grün
Mit CDU-Chef Merz dagegen scheint sich Markus Söder arrangiert zu haben. Das liegt auch daran, da Merz beginnt, CSU-Positionen ernst zu nehmen. Beispiel: das Nein zu schwarz-grünen Gedankenspielen. Hatte Merz sehr zum Missfallen Söders Schwarz-Grün lange als Möglichkeit gesehen, sagte er gestern in einem Interview: "Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Es geht nicht."
Keine andere Partei, so Merz, sorge derzeit in der Unionsanhängerschaft für eine solche Ablehnung. Das könnte Markus Söder jetzt eigentlich so stehenlassen. Tut er aber nicht und setzt noch eins drauf:
Schwarz-Grün ist ein No-Go und die CSU wird das auf jeden Fall verhindern.
Markus Söder, CSU-Chef
Zwei Alphas auf der Jagd nach Schagzeilen.
Quelle: dpa
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