Ukrainischer Minister tot: Unglück mit politischen Folgen

    Tod von ukrainischem Minister:Ein Absturz mit vielen offenen Fragen

    von Thomas Dudek
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    Der Hubschrauberabsturz, bei dem der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj starb, sorgt nicht nur für offene Fragen. Er ist auch ein Schlag für die ukrainische Regierung.

    Nach dem Tod des ukrainischen Innenministers Denys Monastyrskyj und 13 weiterer Menschen bei einem Hubschrauber-Absturz über der Kleinstadt Browary sind die Hintergründe noch immer unklar. Alle zehn Insassen der Maschine, darunter der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj, sein Stellvertreter Jewhenij Jenin und ein Staatssekretär, kamen um. Drei Erwachsene und ein Kind starben am Boden. 25 weitere Personen, davon elf Kinder, wurden verletzt.
    Ukrainischer Innenminister Denys Monastyrskyj, aufgenommen am 16.07.2021
    Denys Monastyrskyj (Archivfoto)
    Quelle: Imago

    Welche Ausmaße der Absturz des Airbus-Hubschraubers hatte, offenbaren Videos und Fotos, die am Unglücksort entstanden und in den sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden.
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    [Anm. der Redaktion: Bei dem Unglück habe es mindestens 14 Tote gegeben, teilte der Zivilschutz am Mittwochnachmittag mit. Zwischenzeitlich war von 18 Toten die Rede gewesen.]

    Ursache für Absturz unklar

    Unklar ist, was zu dem Hubschrauberabsturz geführt haben könnte. Hinweise auf einen Abschuss gibt es derzeit nicht. Laut einigen Zeugenberichten soll der Hubschrauber bereits in der Luft gebrannt haben.

    Der Hubschrauber kreiste, brannte und flog in diese Richtung.

    Anwohnerin gegenüber ukrainischen Medien

    Auf Videos aus den sozialen Netzwerken, die den Hubschrauber kurz vor dem Absturz zeigen sollen, ist von einem Feuer nichts zu sehen. Stattdessen sieht man einen Hubschrauber, der bei Nebel im Tiefflug über die Stadt fliegt.

    Maschinen schon länger in der Kritik

    Für negative Schlagzeilen sorgte in der Vergangenheit aber auch der von Airbus Helicopters hergestellte H225, der in Browary abstürzte. Vor zehn Jahren wurden an der Nordsee eingesetzte Maschinen des Typs 2012/2013 zeitweise stillgelegt, weil es zu zwei Notlandungen kam.
    Im Juni 2016 verhängte die Europäische Agentur für Flugsicherheit ein vorläufiges Flugverbot. Grund war der Absturz einer H225 in Norwegen, bei dem 13 Menschen ums Leben kamen. Die Unglücksmaschine von Browary selbst wurde der Ukraine 2020 von Frankreich übergeben, wo sie bereits zuvor im Dienst war.
    All dies sind jedoch Spekulationen, an denen sich der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU, der die Ermittlungen übernommen hat, nicht beteiligt. Seitens ukrainischer Behörden heißt es, man ziehe drei Ursachen für den Absturz in Betracht: Pilotenfehler, technische Probleme und Sabotage.

    Ziel des Flugs mit Politikern: Charkiw

    In den ersten Stunden nach dem Absturz war auch unklar, wohin genau der Hubschrauber mit Innenminister Monastyrskyj und seinem Vize Jenin fliegen sollte. Zuerst hieß es lediglich, dass der Tross auf dem Weg zu einem "Brennpunkt" an der Front gewesen sei.
    Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass der Hubschrauber in das ostukrainische Charkiw fliegen sollte. Von dort war eine Weiterfahrt mit dem Auto nach Bachmut geplant. Um die in der Donezk-Region gelegene Bergbaustadt liefern sich ukrainische und russische Truppen seit Wochen erbitterte Kämpfe.

    Tod der beiden Politiker schwerer Schlag für Regierung

    Bisher unbeantwortet ist die Frage, warum sich mit Monastyrskyj, der erst 2019 in die Politik kam und im Juni 2021 den langjährigen wie umstrittenen Arsen Awakow als Innenminister ablöste, auch sein Stellvertreter Jenin an Bord der Unglücksmaschine befand.
    Für die Regierung ist der Tod der beiden Politiker jedenfalls ein schwerer Schlag, auch wenn das Innenministerium vier weitere stellvertretende Minister hat, welche die Leitung des Ressorts zumindest theoretisch hätten übernehmen können. Doch offenbar wurde keinem dieser Vizeminister die Führung des wichtigen Hauses zugetraut.
    Auch deshalb, weil einige dieser Vizeminister bereits unter Monastyrskyjs Vorgänger Awakow ins Amt kamen und daher eher als Altlasten gelten. Daher soll zumindest vorerst der bisherige Polizeichef Ihor Klymenko das Innenministerium kommissarisch leiten.
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