Krim: Putin will Vergeltung - Verkehr steht für Wochen still

    Verkehr für Wochen unterbrochen:Krim-Brücke: Putin droht mit Vergeltung

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    Die Krim-Brücke ist erneut angegriffen worden. Ein Teilstück wurde stark beschädigt - der Verkehr wird für Wochen unterbrochen sein. Moskau droht mit einer militärischen Antwort.

    Der russische Präsident Wladimir Putin hat der Ukraine militärische Vergeltung für einen Angriff auf die Brücke zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim angedroht. Der Kremlchef sagte bei einer Beratung der russischen Führung am Montagabend in Moskau:

    Natürlich wird es von Seiten Russlands eine Antwort geben.

    Wladimir Putin, Präsident Russland

    Das Verteidigungsministerium bereite Vorschläge dafür vor, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass den Präsidenten.

    Autoverkehr für Wochen über Brücke unterbrochen

    Derweil bleibt der Autoverkehr über die strategisch wichtige Brücke für mehrere Wochen ausgesetzt - und zwar bis Mitte September. Dann werde der Verkehr in eine Richtung wieder freigegeben, erklärte Vize-Ministerpräsident Marat Chusnullin. Bis zum 1. November seien wieder beide Richtungen befahrbar. Chusnullin sagte, dass das Fundament der Brücke nicht beschädigt sei. Putin bezeichnete das als "gute Nachricht".
    Karte: Krim-Brücke (17.07.2023)
    Die Krim-Brücke verbindet das russische Festland mit der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim.
    Quelle: ZDF

    Die Zugstrecke wurde den russischen Angaben zufolge bei dem Angriff nicht beschädigt. Über die Brücke liefert Russland einen großen Teil des Nachschubs für seine Truppen in der von ihnen größtenteils besetzten südukrainischen Region Cherson. 

    Putin: Sicherheitsmaßnahmen für Brücke verstärken

    Putin verlangt, dass die Sicherheitsmaßnahmen an der Brücke vom russischen Festland auf die 2014 annektierte ukrainische Halbinsel verstärkt werden. Es sei nach Oktober 2022 der zweite Anschlag auf das "strategisch wichtige Verkehrsobjekt".
    Am Morgen zeigten Bilder in sozialen Netzwerken ein eingestürztes Brückenteil und ein beschädigtes Zivilfahrzeug, Anwohner berichteten von Explosionen. Zwei Menschen seien ums Leben gekommen.

    Ukrainische Medien: Angriff "Sonderoperation" Kiews

    Moskau macht unterdessen den ukrainische Geheimdienste für den Angriff auf die Brücke verantwortlich. Aus Kiew gab es zunächst keine Bestätigung für eine Beteiligung an dem Vorfall.
    Dagegen berichten die ukrainische Nachrichtenagentur RBC und die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Quellen im ukrainischen Geheimdienst SBU, der Angriff auf die Brücke sei eine "Sonderoperation" des SBU und der Marine der Ukraine gewesen. RBC zitiert die Quelle:

    Die Brücke wurde mit Hilfe von Überwasserdrohnen angegriffen. Es war schwierig, die Brücke zu erreichen, aber am Ende war es möglich.

    Natalja Humenjuk, ukrainische Militärsprecherin, sagte, bei den Explosionen auf der Brücke könnte es sich um eine russische Provokation gehalten haben. 
    Andrij Jussow, Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdiensts, wollte das Geschehen zunächst nicht kommentieren. Er sagte aber, dass die Krim für die Russen große Bedeutung dabei habe, Truppen und Ausrüstung "weit in das Staatsgebiet der Ukraine hinein zu bewegen. Natürlich sind jegliche logistische Probleme zusätzliche Komplikationen für die Besatzer."
    Twitter-Video der beschädigten Brücke, gefilmt aus einem parallel fahrenden Zug:
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    Experte: Mit Angriff auf die Brücke war zu rechnen

    Ein Video, das vom Kanal "tvcrimea24" am Morgen bei Telegram veröffentlicht und bei Twitter geteilt wurde, zeigt die stark beschädigte Brücke - es wurde offenbar von einem Zug aus aufgenommen, der auf der parallel verlaufenden Bahnstrecke unterwegs war. "Ein Segment der Brücke ist beschädigt und zur Seite weggekippt", schreibt Militärexperte Nico Lange bei Twitter und postet dazu diverse Fotos:
    Militärexperte Nico Lange bei Twitter
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    Lange erklärte auf Anfrage von ZDFheute, er habe mit Attacken auf die Brücke im Rahmen der Gegenoffensive gerechnet:

    Angriffe auf die Zugänge zur Krim erschweren die Logistik für die russischen Truppen, den Süden der Ukraine besetzt halten.

    Militärexperte Nico Lange

    Die Taktik nenne sich "slice and starve" - es gehe also um das Abschneiden russischer Truppen von der Logistik und das langsame "Aushungern" bei Munition und Treibstoff - die Ukraine habe damit im Kriegsverlauf schon mehrfach Erfolge gehabt, so Lange.
    Die rund 19 Kilometer lange Kertsch-Brücke auf die Krim war im Oktober 2022 bei einer Explosion schwer beschädigt worden, wurde aber wieder repariert. Ende Mai räumte der ukrainische Geheimdienst erstmals eine Beteiligung an der Explosion ein.
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    Quelle: dpa, Reuters, AP
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