Kriminalstatistik: Mehr Verbrechen in 2022

    Erster Anstieg seit fünf Jahren:Kriminalstatistik: Wieder mehr Verbrechen

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    Erstmals seit fünf Jahren steigt die Zahl der Straftaten wieder - besonders bei Diebstahl, Raub oder dem Aufenthaltsrecht. Grund ist auch das Ende der Corona-Maßnahmen.

    Symbobild: Zeigt einen Taschendiebstahl in Aktion
    Kriminalstatistik: Wieder mehr Diebstahl (Archiv)
    Quelle: dpa

    Die Polizeibehörden von Bund und Ländern haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Straftaten registriert als in den Jahren zuvor. Damit kehrt sich der positive Trend der zurückliegenden Jahre um.

    Weniger Straftaten aufgeklärt

    Nachdem die Zahl der Straftaten in den fünf Jahren zuvor jeweils niedriger gewesen war als im Vorjahr, stieg sie im Jahr 2022 um 11,5 Prozent auf bundesweit rund 5,63 Millionen Fälle an. Die Aufklärungsquote sank im gleichen Zeitraum um 1,4 Prozentpunkte auf 57,3 Prozent.
    Die Daten für 2022 zeigten, dass die Arbeit für die deutschen Sicherheitsbehörden gewaltig gestiegen sei, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jochen Kopelke. Angesichts von Personallücken, Ausstattungsdefiziten und einer immer noch sehr schleppend verlaufenden digitalen Vernetzung bestehe dringender Handlungsbedarf.
    Instagram ist eines der erfolgreichsten sozialen Netzwerke der Welt. Das wissen auch Kriminelle und nutzen die Plattform weitgehend unbehelligt für ihre dunklen Geschäfte.23.11.2023 | 29:17 min

    Mehr Verstöße auch wegen Wegfall von Corona-Regelungen

    Besonders stark war der Anstieg 2022 unter anderem bei den Delikten Taschendiebstahl, Ladendiebstahl, Wohnungseinbrüchen, Wirtschaftskriminalität und bei den Raubdelikten. Dass die Zahl der strafrechtlich relevanten Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht, das Asyl- und das EU-Freizügigkeitsgesetz zunahm, dürfte mit dem deutlichen Anstieg der Zahl der unerlaubten Einreisen zusammenhängen.
    Hier sowie bei den Eigentumsdelikten spielt auch die Aufhebung von Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie eine Rolle. Diese Maßnahmen hatten irreguläre Grenzübertritte erschwert.
    Zudem hatten die Menschen in Deutschland in den Jahren 2020 und 2021 mehr Zeit als sonst in der heimischen Wohnung verbracht. Dadurch gab es weniger Tatgelegenheiten für Taschendiebe und Einbrecher.

    Deutlich mehr Gewalttaten

    Bei der Gewaltkriminalität stellte die Polizei sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 eine Zunahme fest. Mit rund 197.000 Fällen gab es den Angaben zufolge 2022 fast 20 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr und knapp neun Prozent mehr als 2019.
    Auffällig ist, dass der Anteil der minderjährigen Tatverdächtigen bei der "Verbreitung pornografischer Schriften" mit rund 41 Prozent sehr hoch ist. Hier spielt nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes der Trend eine Rolle, dass Kinder und Jugendliche oft ohne zu wissen, dass dies strafbar ist, in Gruppenchats bei WhatsApp, Instagram, Snapchat oder auf anderen Kanälen unangemessene Bilder teilen.

    Mehr Gewalt gegen Frauen

    Der Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen habe für sie "höchste Priorität", sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser bei der Präsentation der Statistik. Online-Plattformen sollten künftig europaweit in die Pflicht genommen werden. Dazu sei auch ein EU-Zentrum gegen Kindesmissbrauch geplant, bei dem Opfer nachforschen könnten, ob Missbrauchsabbildungen noch im Umlauf sind.
    Auch bei der Gewalt gegen Frauen stiegen den Angaben zufolge die Zahlen. 92,4 Prozent der Opfer von "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" und 80 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt seien Frauen. Straftaten gegen Frauen sollten in künftigen Statistiken genauer erfasst und ausgewertet werden, kündigte Faeser an. Dazu solle es bis Sommer auch ein aktuelles Lagebild geben.

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    :"Was tun wir, um Jugendgewalt zu verhindern?"

    Der Fall der offenbar von zwei Kindern getöteten Luise bringt Forderungen nach einer Senkung des strafmündigen Alters auf. Der Ex-Kriminalbeamte Sebastian Fiedler ist skeptisch.
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    mit Video
    Quelle: dpa, KNA

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