Sudan: Konfliktparteien verlängern Waffenstillstand

    Kämpfe und Evakuierungen:Sudan: Konfliktparteien verlängern Feuerpause

    |

    Nach dem sudanesischen Militär hat auch die paramilitärische Einheit RSF einer Verlängerung des Waffenstillstands um drei Tage zugestimmt. Die Evakuierungen gehen unterdes weiter.

    Drohnenvideo zeigt aufsteigenden Rauch über sudanesischer Stadt bei Khartum, aufgenommen am 23.04.2023
    Die Kämpfe im Sudan gehen laut Augenzeugen trotz einer ausgehandelten Waffenruhe weiter. (Archivbild)
    Quelle: AFP

    Die beiden Konfliktparteien im Sudan haben eine Verlängerung ihrer Feuerpause angekündigt. Die Armee und die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces (RSF) gaben eine Fortsetzung um 72 Stunden ab Mitternacht bekannt. Die Waffenruhe war von den USA und Saudi-Arabien vermittelt worden. Sie hatte bisher die Kämpfe nicht völlig gestoppt, aber doch Zehntausenden Zivilisten Gelegenheit gegeben, aus gefährdeten Gebieten zu fliehen.
    Länder wie China und Großbritannien verstärkten indessen ihre Evakuierungsaktionen, auch Griechenland evakuierte Dutzende Menschen aus Khartum, darunter auch einen Deutschen.

    Wird die offizielle Waffenruhe im Sudan verlängert?

    Währenddessen wächst die Furcht vor einer Ausweitung der Kämpfe.
    Der sudanesische Armeechef, General Abdel Fattah al-Burhan, hatte sich bereits am Mittwochabend zu neuen Verhandlungen unter Vermittlung der regionalen afrikanischen Organisation IGAD bereit erklärt.
    Schaltgespräch mit Luc Walpot am 25.04.2023
    ZDF-Korrespondent Luc Walpot erklärt, was nach Ablauf der Waffenruhe passieren könnte.25.04.2023 | 1:20 min
    Wie geht es weiter im Sudan?
    "Burhan dankt der IGAD", teilte die sudanesische Armee denn auch mit Blick auf den IGAD-Vorstoß mit. Er sieht vor, dass sowohl ein Abgesandter der Armee als auch der RSF-Miliz an den Gesprächen in Juba im benachbarten Südsudan teilnehmen.

    USA und Afrikanische Union wollen vermitteln

    Auch die USA und die Afrikanische Union (AU) wollen vermitteln. Nach Angaben des US-Außenministeriums bemühen sich Außenminister Antony Blinken und der Vorsitzende der AU-Kommission, Moussa Faki Mahamat, gemeinsam um ein dauerhaftes Ende der Kämpfe.
    Der UN-Sondergesandte im Sudan, Volker Perthes, hat Gespräche über eine Verlängerung der Waffenruhe um weitere 72 Stunden angekündigt. Der BBC sagte Perthes, die Reaktion der rivalisierenden Rapid Support Forces (RSF) stünde zwar noch aus. Perthes zeigte sich bezüglich einer Teilnahme der RSF an den Verhandlungen aber zuversichtlich.
    Auf diesem vom britischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellten Bild sind britische Staatsangehörige zu sehen, die nach ihrer Evakuierung aus dem Sudan an Bord eines RAF-Flugzeugs gehen.
    Weitere Rettungseinsätze sind nicht ausgeschlossen. 26.04.2023 | 1:32 min
    Hunderte Menschen wurden durch die deutsche Luftwaffe ausgeflogen.

    Deutsche Evakuierungen am Mittwoch beendet

    Europäische Staaten kündigten derweil letzte Evakuierungsflüge an, Deutschland hatte seine Evakuierungen am Mittwoch beendet.
    Die Bundeswehr hat bei der Rückverlegung aus dem Sudan weitere 65 Menschen mit nach Jordanien genommen. Insgesamt seien damit im Rahmen des Evakuierungseinsatzes nun etwa 780 Menschen aus über 40 Nationen aus dem Sudan ausgeflogen worden, darunter 230 deutsche Staatsbürger, teilte das Einsatzführungskommando am Donnerstag mit.
    Die Luftwaffe ist auf der Strecke weiter mit Transportflugzeugen unterwegs, um Soldaten, Waffen und Material von einem Militärflughafen bei Khartum über Jordanien zurück nach Deutschland zu bringen.
    Anouar (rechts), Betreiber des Hotel Sanaa, nimmt uns auf und kocht für unsere Gruppe. Das erste warme Essen nach 7 Tagen. Später riskiert er sein Leben, um uns einen Wagen zu organisieren.
    Am vermeintlich sichersten Ort des Hauses unter dem Treppenhaus während draußen geschossen wird. Verarbeitung der neusten Informationen und Beratungen über das weitere Vorgehen.
    Checken der letzten Nachrichten bei 7tägigem Stromausfall
    Drei Tage vor Beginn der Auseinandersetzungen: Laufen an den Pyramiden von Karima im Norden des Sudans. 

    So kamen Röwekamp und Schauer im Sudan unter

    Anouar (rechts), Chef des Hotel Sanaa, nimmt uns auf und kocht für unsere Gruppe. Das erste warme Essen nach sieben Tagen! Später riskiert er sein Leben, um uns einen Wagen zu organisieren.

    Quelle: Sudan, Mareike Röwekamp und Horst Schauer


    Bundeswehr hatte auch Waffen zur Panzerabwehr dabei

    Die Bundeswehr war nach Angaben des Befehlshabers zur Absicherung ihres Evakuierungseinsatzes in den vergangenen Tagen auch mit Waffen zur Panzerabwehr ausgerüstet. Die Kräfte seien so aufgestellt gewesen, "dass wir jederzeit ein Gefecht hätten aufnehmen und uns hätten verteidigen können und dabei durchhaltefähig gewesen wären", sagte Generalmajor Dirk Faust der "Bild"-Zeitung.

    Wir hatten alle Fähigkeiten, die erforderlich sind, um uns gegen stärkere Feindkräfte vor Ort durchzusetzen - von der Handwaffe bis hin zur Panzerabwehrfähigkeit.

    Dirk Faust, Generalmajor

    Faust schilderte in dem Interview: "Wir mussten nicht aus dem Flughafen raus, da die zu Evakuierenden dorthin kommen sollten. Wir wären dazu aber in der Lage gewesen."
    Der Flughafen liege außerhalb der Stadt. "Daher haben wir von Gefechtshandlungen nichts mitbekommen", sagte der Befehlshaber der Division Schnelle Kräfte, der den Rettungseinsatz führte.
    brand in einer stadt
    Im Sudan wüten brutale Kämpfe, auch internationale Machtansprüche spielen eine Rolle. 26.04.2023 | 6:26 min
    Ein Land im Würgegriff der Kriegsherren:

    Seit zehn Tagen Kämpfe im Sudan

    Seit rund zehn Tagen kämpfen die Armee des Landes im Nordosten Afrikas und die einst mit ihr verbündete paramilitärische Einheit Rapid Support Forces (RSF) um die Macht.
    Bereits kurz nach Ausbruch der Gewalt hatten die Präsidenten aus dem Südsudan, Kenia und Dschibuti Vermittlungen in Khartum angeboten. Diese mussten jedoch aufgrund der Sicherheitslage in der sudanesischen Hauptstadt abgesagt werden.
    Quelle: Reuters, dpa, AFP
    Thema

    Mehr zum Thema: