WHO alarmiert: Kämpfer kontrollieren Medizinlabor im Sudan

    WHO alarmiert:Sudan: Kämpfer kontrollieren Medizinlabor

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    Der Waffenstillstand im Sudan entpuppt sich als brüchig. Vor allem in Khartum wird weiter gekämpft. Nun haben Kämpfer ein Medizinlabor unter ihrer Kontrolle. Die WHO schlägt Alarm.

    Labor im Sudan
    Das besetzte Labor im Sudan (Archivbild).
    Quelle: reuters

    Trotz der Verlängerung eines ohnehin brüchigen Waffenstillstandes zwischen den Konfliktparteien im Sudan sind die Kämpfe in dem nordostafrikanischen Land weitergegangen. Die Waffenruhe war unter Vermittlung der USA und Saudi-Arabiens zustande gekommen, sie hatte die Evakuierung von Ausländern aus dem Kampfgebiet ermöglichen sollen, wie der Chef des sudanesischen Ärzteverbandes, Atija Abdalla Atija, vermutete.

    Waffenruhe wieder gebrochen

    Versicherungen von Militärbefehlshaber Abdel Fattah Burhan und des mit ihm rivalisierenden Kommandeurs der paramilitärischen Gruppe RSF, Mohammed Hamdan Dagalo, sich daran zu halten, hatten am Dienstag nicht lange Bestand. Die Kämpfe zwischen dem Militär und der RSF toben seit dem 15. April.
    Sorge herrschte am Mittwoch vor allem mit Blick auf ein medizinisches Labor in der Hauptstadt Khartum, das Kämpfer nach UN-Angaben unter ihre Kontrolle brachten. In dem Labor werde biologisches Material gelagert, es handele sich um eine "extrem gefährliche" Entwicklung. Nima Saeed Abid, der Repräsentant der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Sudan, erklärte, "eine der kämpfenden Parteien" habe die Kontrolle in dem Zentrallabor in Khartum übernommen und "alle Techniker hinausgeworfen". Welche der beiden Konfliktparteien er dafür verantwortlich machte, sagte er nicht.

    Das ist sehr, sehr gefährlich.

    Dr. Nima Saeed Abid, WHO

    In dem Labor befänden sich Polio-Erreger, Masern-Erreger und Cholera-Erreger, offenbarte der WHO-Repräsentant Teilnehmern einer UN-Sitzung in Genf bei einem Videoanruf. "Die Besetzung des zentralen Gesundheitslabors in Khartum durch eine der kämpfenden Parteien birgt ein großes biologisches Risiko."

    WHO warnt: Labor nicht zu verwalten

    Die WHO erklärte, die Vertreibung von Mitarbeitern des Labors und Stromausfälle bedeuteten, dass es nicht möglich sei, die im Labor für medizinische Zwecke gelagerten biologischen Materialien ordnungsgemäß zu verwalten. Das Labor liegt im Zentrum der sudanesischen Hauptstadt, unweit von Brennpunkten der Kämpfe.
    ZDF-Korrespondent Luc Walpot zur Lage im Sudan.25.04.2023 | 1:20 min
    Was könnte passieren, wenn die Wafffenruhe komplett wegbricht? ZDF-Korrespondent Luc Walpot schätzt die Situation ein:
    Aufsehen erregte auch der gewaltsame Tod eines bekannten sudanesisch-amerikanischen Mediziners. Dr. Bushra Ibnauf Sulieman war Leiter der Medizinischen Fakultät an der Universität von Khartum. Er wurde vor seinem Haus erstochen, wie der sudanesische Ärzteverband am Dienstag mitteilte. Er hatte lange in den USA gearbeitet, wo seine Kinder leben, war jedoch in den Sudan zurückgekehrt, um Ärzte auszubilden. Kollegen sagten, er habe in den vergangenen Tagen Menschen behandelt, die bei den Kämpfen verletzt worden seien.

    Unicef bittet Russland um Hilfe

    Unterdessen richtete das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) nach russischen Angaben einen Hilferuf an Moskau. Außenminister Sergej Lawrow erklärte, Unicef habe um Hilfe bei der Unterbringung von in Khartum ansässigen Mitarbeitern gebeten. Unicef lehnte es ab, sich zu dem Vorgang zu äußern. Themen im Zusammenhang mit der Sicherheit von Mitarbeitern würden standardmäßig nicht kommentiert, hieß es.
    Ausländische Staaten versuchen, ihre Bürger in Sicherheit zu bringen, auch Deutschland.25.04.2023 | 1:50 min
    Die Evakuierungen aus Deutschalnd sind erstmal abgeschlossen:
    Das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR hatte zuvor angesichts der Kämpfe vor weiteren Vertreibungen gewarnt. Man bereite sich auf Zehntausende Menschen vor, die in Nachbarländer flüchten könnten, hieß es. Zugleich drohte eine weitere Zuspitzung der humanitären Situation. In dem Land, in dem bereits ein Drittel der Bevölkerung von etwa 46 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfen angewiesen war, haben zahlreiche Hilfsorganisationen angesichts der gefährlichen Situation die Arbeit eingestellt.
    Quelle: AP
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