Presse zum Trump-Urteil: "Schlechte Nachrichten beste Waffe"

    Pressestimmen zum Trump-Urteil:"Schlechte Nachrichten Trumps beste Waffe"

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    Donald Trump ist wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Pressestimmen sehen darin einen Meilenstein, äußern aber auch Zweifel, ob es ihm schadet.

    Ex-US-Präsident Trump ist in einem Zivilprozess zu einem Schmerzensgeld in Millionenhöhe verurteilt worden. 10.05.2023 | 2:00 min
    Der ehemalige US-Präsident Donald Trump ist in New York wegen sexueller Nötigung verurteilt worden. Die Geschworenen beim Bundesgericht in Manhatten sahen es am Dienstag als erwiesen an, dass Trump die ehemalige Kolumnistin des Modemagazins "Elle", E. Jean Carroll, missbraucht hat. Den Vorwurf der Vergewaltigung wies die Jury zurück.
    Die Pressestimmen zum Urteil:

    USA

    Washington Post: "Der stärkste Zeuge gegen Trump war jedoch Trump selbst. Er erschien nicht zur Verhandlung - seine Anwälte riefen keine Zeugen auf - wie sollten sie auch? Aber seine auf Video aufgezeichnete Aussage, von der Teile den Geschworenen gezeigt wurden, war belastend. [...] Wird dieses Urteil ihn aufhalten können? Vermutlich nicht. Trump hätte E. Jean Carroll mitten auf der Fifth Avenue vergewaltigen können, und seinen treuen Anhängern wäre das egal gewesen."
    CNN: "Auch wenn Carrolls Sieg bedauerlicherweise wenig bis gar keine Auswirkungen auf die Präsidentschaftskandidatur von "Teflon Don" haben wird, so ist er doch ein Beweis dafür, dass die #MeToo-Bewegung unauslöschliche Spuren in unserem Rechtssystem hinterlassen hat und zu mehr zivilrechtlichen Siegen und strafrechtlichen Verurteilungen wegen sexueller Gewalt führen wird. Und das bedeutet mehr Gerechtigkeit für Überlebende."
    Die US-Autorin E. Jean Carroll wirft Donald Trump vor, sie in den 90er Jahren vergewaltigt zu haben. 27.04.2023 | 0:24 min

    Großbritannien

    BBC: "Das Urteil zum sexuellen Missbrauch und zur Verleumdung könnte Trumps republikanischen Gegnern jedoch Angriffsfläche bieten. Wenn es ihnen gelingt, ihn so aus dem Konzept zu bringen, wie es die Anwältin von Carroll getan hat, und ihn zu einer defensiven Haltung zwingt, könnte dies einen Kandidaten, der seine Partei scheinbar unter Kontrolle hat, dazu bringen, weitere unerzwungene Fehler zu begehen."

    Spanien

    El País: "Ob er die Entscheidung der Geschworenen zu seinen Gunsten nutzen wird, wie er es im April mit der Anklage - der ersten in der Geschichte eines US-Präsidenten - getan hat, hängt nur von den Widersprüchen eines Politikers ab, der bisher immer ungeschoren und fast siegreich aus Rückschlägen hervorgegangen ist, die jeden seiner Gegner zu Fall gebracht hätten. Schlechte Nachrichten sind in Trumps Fall die beste aller Waffen."

    Deutschland

    Süddeutsche Zeitung: "So absurd die Frage klingt, so berechtigt ist sie: Könnte es für Donald Trump sogar nützlich sein, dass er nun vor einem Gericht in New York wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung zu Schadensersatzzahlungen in Höhe von fünf Millionen Dollar verurteilt worden ist? Könnte es sein, dass seine Unterstützer sämtliche Vorwürfe gegen ihn ohnehin für politisch motiviert halten und sich daher umso geschlossener hinter ihn stellen? Seit Trump Anfang des vergangenen Monats in New York wegen Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin angeklagt wurde, klingeln bei ihm die Kassen. Dutzende Millionen Dollar an Wahlkampfspenden hat er seither eingenommen, weil seine Anhänger offenbar denken: jetzt erst recht. In den jüngsten Umfragen steht er so gut da wie lange nicht mehr."

    Italien

    La Reppublica: "Im Jahr 2019 machte Carroll den Vorfall selbst in ihren Memoiren öffentlich, in denen sie detailliert die "schrecklichen" Männer beschrieb, die sie misshandelt und belästigt hatten (neben Trump auch Leslie Moonves, den CEO von CBS, der 2018 zum Rücktritt gezwungen wurde). Ihre Freundin Lisa Birnbach hatte sicherlich nicht vergessen, was The Donald, inzwischen Präsident der Vereinigten Staaten, ihr angetan hatte. Und sie hat nicht klein beigegeben. Sie erklärte sich bereit, als die Person identifiziert zu werden, die unmittelbar nach der schockierenden Gewalttat angerufen wurde, um vor Gericht in seinem Namen auszusagen."

    Frankreich

    Le Monde: "Die neun Geschworenen mussten sich zu zehn Fragen äußern. Die einzige Frage, die sie mit "Nein" beantworteten, betraf die Vergewaltigung. Nein, so befanden sie, Donald Trump habe E. Jean Carroll nicht vergewaltigt, was eine Penetration voraussetzt. Aber in allen anderen Punkten wurde das Opfer in seiner Erzählung bestärkt und anerkannt. Ja, sie hat einen sexuellen Übergriff erlitten. Ja, Herr Trump hat sie gewaltsam berührt, sie verletzt und dabei ihre Rechte nach bestem Wissen und Gewissen missachtet. Ja, schließlich hat sich Donald Trump 2019 der Verleumdung schuldig gemacht, indem er E. Carrolls Ruf und Ehre schädigte."
    Quelle: ZDF

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