Gebrauchtes Fahrrad kaufen: Darauf sollten Sie achten

    Probefahrt und Technik-Check:Gebrauchtes Fahrrad kaufen: Darauf kommt's an

    von Immanuel Hinz
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    Entspannt und abgasfrei durch die Stadt rollen - das geht besonders gut mit dem Fahrrad. Auch ein Gebrauchtes kann gute Dienste tun. Tipps, was man beim Kauf beachten sollte.

    Fahrradfahrer in Berlin.
    Der Markt für Fahrräder ist in den letzten Jahren enorm gewachsen.
    Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

    Fahrradfahren ist im Alltag in Deutschland angekommen: Laut dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr haben über 80 Prozent der Menschen ein Fahrrad und der Markt ist enorm gewachsen. Die Branche verzeichnete 2022 ein Umsatzplus von 32,4 Prozent.
    Angebote für gebrauchte Räder gibt es wie Sand am Meer. Es muss also nicht immer ein neuer Drahtesel sein. Doch wie gut sind gebrauchte Räder, wo kauft man sie am besten und was dürfen sie kosten?
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    Gebraucht-Fahrrad vom Händler oder von privat?

    Am einfachsten ist der Kauf eines gebrauchten Fahrrads beim Fachhändler: Hier werden die angebotenen Fahrräder in der Regel vor dem Verkauf nochmal überprüft und es gibt Beratung. Falls noch ein Teil ausgetauscht werden muss, z. B. Sattel oder Beleuchtung, lässt sich das einfach dazukaufen. Unkompliziert ist hier auch das Probefahren. Alles in allem kann das aber dazu führen, dass der Preis beim Händler höher ist.
    Zahlreiche Angebote von privat gibt es auf verschiedenen Online-Plattformen wie etwa Kleinanzeigen. Allerdings ist bei Angeboten im Internet nicht immer die Möglichkeit gegeben, das Fahrrad zur Probe zu fahren, beispielsweise wenn die Anbieter zu weit weg wohnen. Gerade der Kauf von Privatpersonen kann auch mit Risiken verbunden sein. Die Herkunft des Fahrrads ist schlechter nachprüfbar und auch mögliche Defekte müssen selbst erkannt werden.

    Wie man den Preis eines Gebrauchtrads ermitteln kann

    Steht eine Kaufentscheidung an, müssen einige Grundinformationen mit dem Besitzer abgeklärt werden. Dazu gehören das Alter des Fahrrads, wie viele Kilometer es ungefähr gefahren ist, wann der letzte Service gemacht wurde sowie die Anzahl der Vorbesitzer*innen. Im Idealfall gibt es noch Kaufbelege und Nachweise für Reparaturen.
    Nach diesen Eckdaten lässt sich der Preis grob berechnen: Schon direkt nach dem Kauf verliert das Rad ca. 20 Prozent vom Kaufpreis. Nach zwei Jahren ist es nur noch die Hälfte wert. Danach gilt die Faustregel: Alle vier Jahre halbiert sich der Wert. Wie genau diese Faustregel stimmt, weiß René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC): "Letztlich kommt es auf die Art des Fahrrades und die Nachfrage nach diesem Typ an. Der Zustand des Rads spielt auch eine Rolle."

    Begehrte Räder wie Gravelbikes werden eher mehr kosten als die Formel vorschlägt, ein Citybike eher weniger.

    René Filippek, ADFC

    Auf dem Bild sind ausgestellte Fahrräder auf der Fahrradmesse München zu sehen.
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    Wichtig: Technik-Check und Probefahrt

    Am wichtigsten ist es, vor dem Kauf eine Probefahrt zu machen und dabei selbst das Fahrrad technisch zu überprüfen. Denn eine Überprüfung beim Fachhändler kostet etwa 60 Euro, für E-Bikes ist es noch teurer. Neben dem generellen Fahrgefühl sind folgende Aspekte bei der Probefahrt besonders wichtig:
    • Vorder- und Hinterrad laufen in einer Linie.
    • Rahmen oder der Lenker sollten nicht stark verbogen oder verbeult sein.
    • Schaltung funktioniert ohne zu haken.
    • Bremsen sind funktionstüchtig: Die Reifen blockieren unmittelbar nach Betätigen der Bremse. Dabei sollten sich die Bremsgriffe nicht ganz durchdrücken lassen. Auch der Bremsbelag sollte zumindest über einen Millimeter dick sein.
    • Tretlager haben keine Reibungsverluste.
    • Kette, Ritzel und Bleche sollten weder verrostet noch stark verdreckt sein, um eine zuverlässige Laufleistung überprüfen zu können.
    • Etwaige Lichter oder Federungen sollten zuverlässig funktionieren.
    • Kleine Schäden wie zum Beispiel Kratzer am Rahmen sind in Ordnung, aber nicht große Risse oder starker Rost an den Schweißnähten.
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    Ersatzteile machen ein Gebrauchtrad schnell teuer

    "Grundsätzlich lässt sich alles am Fahrrad reparieren oder austauschen", sagt René Filippek vom ADFC, aber: "Selbst wenn vergleichsweise günstige Teile ausgetauscht werden können, wie Bremsbeläge, Kette oder Sattel, kommt man mit Arbeitslohn schnell auf Beträge, die womöglich über den Kaufpreis hinausgehen, gerade bei sehr günstigen Gebrauchträdern." Sein Tipp:

    Ein Gebrauchtrad sollte höchstens ein oder zwei Defekte aufweisen, die direkt zu erkennen sind.

    René Filippek, ADFC

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    Achtung vor gestohlenen Rädern und Betrug

    Stimmt technisch so weit alles, sollte noch geklärt werden, ob es sich bei dem Rad vielleicht um Diebesgut handelt. Denn 2022 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik 266.000 Räder geklaut. Ob ein Rad als gestohlen gemeldet wurde, kann die Polizei anhand der eingravierten Rahmennummer nachvollziehen. Diese kann online in diversen Diebstahldatenbanken recherchiert werden.
    Am wichtigsten ist der schriftliche Kaufvertrag. Es sollten
    • die Rahmennummer,
    • der Zustand des Rads,
    • der Kaufpreis,
    • Name und Adresse des Verkäufers
    dokumentiert werden.
    Tipp: Am besten alle vorhandenen Originaldokumente mitnehmen wie Garantiekarte, Gebrauchsanweisung, Reparatur- und Serviceheft. Wer ein Fahrrad erworben hat, sollte es auch bei der Polizei registrieren lassen. Denn nur so lässt sich nach einem Diebstahl nachweisen, wem das Rad tatsächlich gehört.

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