Frühgeburt: So erhalten Eltern von Frühchen Hilfe

    Herausforderung Frühgeburt:Wo Eltern von Frühchen Hilfe finden

    von Susanne Gentsch
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    Die Geburt des eigenen Kindes ist für die meisten Eltern der schönste Tag im Leben. Doch kommt das Baby zu früh, beginnt eine Zeit voller Sorgen und Ängste. Was Eltern helfen kann.

    Frühchen im Krankenhaus
    Die Anfangszeit ist für viele Eltern von Frühchen die schwerste. Sie sind dem Stress auf der Intensivstation ausgesetzt, wie auch Hakan und Desiree mit Sohn Mikail. Nicole und Steven Treash sind mit Frühchen Liam seit eineinhalb Jahren zu Hause.17.11.2023 | 5:34 min
    Normalerweise dauert eine Schwangerschaft etwa 40 Wochen. Wenn ein Baby vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren wird, ist es ein sogenanntes Frühgeborenes.
    Die meisten Frühgeborenen wiegen bei ihrer Geburt weniger als 2.500 Gramm. In seltenen Fällen wiegen die Kinder anfangs sogar weniger als 1.000 Gramm. Dann spricht man von Extrem-Frühchen. Sie werden in der Regel vor der 29. Schwangerschaftswoche geboren.

    • etwa 750.000 Geburten pro Jahr in Deutschland
    • davon etwa 65.000 Frühgeburten
    • knapp 10.000 Frühgeborene kommen bereits vor der 29. SSW
    • Versorgung in sogenannten Perinatalzentren
    • aktuell 163 Perinatalzentren in Deutschland

    Hilfsangebote im Krankenhaus

    Ein Aufenthalt im Krankenhaus während der Schwangerschaft oder nach der Entbindung kann mit Freude und Hoffnung einhergehen, aber gerade für Frühchen-Eltern auch mit Sorgen und Ängsten verbunden sein. In den ersten Wochen der Kleinen geht es ums Überleben. In dieser Zeit sind entsprechende Hilfsangebote in den Kliniken besonders wichtig.
    Das weiß auch Steffen Kunzmann, Chefarzt der Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am Bürgerhospital in Frankfurt am Main:

    Wir haben zum Beispiel ein psychosoziales Team, bestehend aus einer Seelsorgerin und einem Psychologen.

    Prof. Dr. Steffen Kunzmann, Chefarzt der Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am Bürgerhospital in Frankfurt am Main

    Für die Eltern ein Gesprächsangebot, das sie annehmen können. Zusätzlich seien Angebote wie Musik- oder Kunsttherapie besonders wichtig, denn "[…] die Eltern und auch die Geschwisterkinder sollen irgendwas anderes zusammen machen, das nicht nur medizinisch ist", erklärt Kunzmann.

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    Frühchen: Was geschieht nach der Geburt?

    Ist die kritische Phase direkt nach der Geburt überstanden, steht die Entlassung an. Um auf die Zeit zu Hause gut vorbereitet zu sein, übernehmen Eltern noch im Krankenhaus unter Anleitung der Pflegekräfte schrittweise immer mehr die Versorgung ihres Kindes. Zum Beispiel ergänzen sie die Muttermilch mit wichtigen Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. Calcium, Vitamin D, Eisen).

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    Vorbereitungen auf die Zeit zu Hause

    Manche Krankenhäuser verfügen außerdem über das sogenannte Rooming-In-Prinzip. Die Eltern haben dabei die Möglichkeit, die letzten Tage vor der Entlassung in einem Zimmer mit ihrem Baby zu schlafen. Dadurch sollen sie sich mit dem Rhythmus und den besonderen Bedürfnissen des Babys vertraut machen. Zum Beispiel sollte das Stillen oder Füttern mit dem Fläschchen so gut eingespielt sein, dass es zu Hause stressfrei funktioniert.



    Ruhe und Routine in der ersten Zeit

    Eltern sollten sich in der ersten Zeit zu Hause besonders viel Zeit für ihr Kind nehmen. Der Schock der zu frühen Geburt kann so überwunden und eine feste Bindung aufgebaut werden. Viel Körperkontakt kann hierbei helfen. Auf viel Besuch sollten die Eltern zunächst verzichten. Ruhe ist angesagt, denn Frühchen haben eine besonders niedrige Reizschwelle.

    Nachsorge für Extremfrühchen

    Gerade Extremfrühchen sind immer wieder, auch Jahre später, mit medizinischen Herausforderungen konfrontiert. Durch die unterentwickelten Organe bei der Geburt können Spätfolgen, wie etwa Entwicklungsstörungen, auftreten.
    Eine gute Nachsorge und Früherkennung sind daher wichtig. Das Kind sollte vor allem in den ersten Lebensmonaten engmaschig vom Kinderarzt untersucht werden, damit eventuelle Defizite rechtzeitig erkannt und behandelt werden können.



    Weitere Unterstützung

    Neben professioneller Unterstützung kann für Eltern eines Frühchens der Austausch mit anderen Eltern hilfreich sein, zum Beispiel schon in der Klinik. Für längerfristige Unterstützung über die Klinikzeit hinaus können Elterninitiativen sorgen. So etwa die Initiative "NeoEltern" am Bürgerhospital Frankfurt:

    Wir haben gemerkt, dass Eltern, die dasselbe schon mal durchgemacht haben, das viel besser rüberbringen können. Das hilft den Eltern sehr viel.

    Prof. Dr. Steffen Kunzmann, Chefarzt der Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am Bürgerhospital in Frankfurt am Main

    Der Austausch findet hier unter anderem digital über einen Messenger-Dienst statt. Dabei werden auch kleinere Fragen geklärt, zum Beispiel zur Wahl der Windeln oder Fläschchen. Für die Eltern von zu früh geborenen Kindern beginnt so eine Zeit mit vielen Herausforderungen, die sie aber nicht allein meistern müssen.
    Trixi (29) und Jonas (34) sitzen hinter der Fensterscheibe auf der Fensterbank und schauen nachdenklich in die Kamera. Zwischen ihnen die Reflektion eines Blitzlichtes.
    Trixi und Jonas freuen sich darauf, endlich Eltern zu werden. Dann kam der dunkelste Tag ihres Lebens.29.10.2023 | 27:27 min

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