Champions League: Idol Maldini will mit Milan ins Halbfinale

    Paolo Maldini:Klub-Ikone will mit Milan ins Halbfinale

    von Claudio Palmieri
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    Alle schwärmen von der SSC Neapel - dabei ist die AC Mailand kurz davor, Napoli aus der Königsklasse zu schießen. Das Halbfinale wäre für Paolo Maldini der vorläufige Höhepunkt.

    Paolo Maldini
    Technischer Direktor bei der AC Mailand: Paolo Maldini
    Quelle: Imago

    Die AC Mailand steckt in der Serie A in einer Ergebniskrise. Selbst das 4:0 beim Tabellenführer aus Neapel vor zwei Wochen hat dem Klub nicht dazu verholfen, diese abzuschütteln. Am vergangenen Samstag kam Milan auch beim FC Bologna nur zu einem 1:1. Von acht Pflichtspielen seit Anfang März gewann der Tabellenvierte nur zwei - dafür aber zwei ganz besondere Partien.
    Die SSC Neapel beginnt beim AC Mailand dominant, verpasst aber die Führung. Milan kommt langsam besser ins Spiel und gewinnt dank eines Treffers von Bennacer mit 1:0.12.04.2023 | 2:58 min
    Besagtes 4:0 in Neapel - und den 1:0-Heimsieg gegen den designierten Serie-A-Meister im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals am vergangenen Mittwoch. Dazwischen lieferte Italiens Champion schwache Heimauftritte gegen Salernitana (1:1) und Empoli (0:0) ab und kassierte Niederlagen gegen Florenz (1:2) und Udine (1:3).

    Für Milan geht's ums erste Halbfinale seit 2007

    Im Viertelfinal-Rückspiel am Dienstag (21 Uhr) will sich Milan nun zum dritten Mal binnen 16 Tagen gegen Napoli behaupten. Für die Rossoneri geht es im Stadio Diego Armando Maradona um das erste Halbfinale in der Königsklasse seit 2007, als Milan den Henkelpott zum siebten und bisher letzten Mal holte.

    Geboren am 26. Juni 1968 in Mailand.
    Ab 1978 Jugendspieler der AC Mailand. Von 1984 bis 2009 Milan-Profi, ab 1997 Kapitän, Serie-A-Debüt im Januar 1985

    Größte Erfolge:
    Sieben Meisterschaften (1988, 1992, 1993, 1994, 1996, 1999, 2004)
    Einmal Pokalsieger (2003)
    Fünf Champions-League-Titel (1989, 1990, 1994, 2003, 2007)

    Nationalmannschaft:
    126 Länderspiele für Italien (74 als Kapitän) zwischen 1988 und 2002
    Vize-Weltmeister 1994, Vize-Europameister 2000

    Damals revanchierten sich Trainer Carlo Ancelotti und Kapitän Paolo Maldini beim FC Liverpool für die traumatische Niederlage im Endspiel von Istanbul 2005, als die Mailänder binnen sechs Minuten eine 3:0-Pausenführung verspielten und schließlich im Elfmeterschießen verloren.

    Erinnerung an das Finale 2005 dient als Motivation

    Die Erinnerung daran ist in diesem Jahr ein besonderer Antrieb: Auch das Finale 2023 wird im Atatürk-Stadion in Istanbul steigen. Ancelotti, heute Trainer bei Real Madrid, wies Maldini, der seit 2019 als Technischer Direktor die Geschicke bei der AC leitet, vor kurzem offenbar explizit darauf hin, wie der 54-Jährige in der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" andeutete.
    "Wisst ihr, was das Problem ist? Dass auch Ancelotti noch eine Rechnung mit Istanbul offen hat. Gleich nach der Auslosung hat er mich angerufen: 'Wir sehen uns in Istanbul, ja?'", wird Maldini zitiert.

    Maldini leitet Weg in Milans Zukunft persönlich ein

    Ein Wiedersehen in Istanbul am 10. Juni - Ancelottis Geburtstag - würde der AC vor Augen führen, dass seit den letzten großen Erfolgen viel Zeit vergangen ist. 2007 schickte sich Milan an, Real als Champions-League-Rekordsieger abzulösen. Nach fünf Titeln zwischen 2014 und 2022 stehen die Madrilenen bei 14 Erfolgen. Die Rot-Schwarzen waren zwischen 2014 und 2021 gar nicht in der Königsklasse vertreten. Den Weg in die Zukunft hat jedoch Milan-Ikone Maldini höchstpersönlich geebnet.
    Als Direktor für sportstrategische Entwicklung kehrte das Urgestein 2018 zurück zu seinem Heimatverein, der nach dem schrittweisen Rückzug des langjährigen Klubbesitzers Silvio Berlusconi ins Mittelmaß abgerutscht war. Ein Jahr später wurde Maldini Technischer Direktor - und verantwortete Transfers wie jene von Theo Hernández und Rafael Leao, die heute zu den Top-Stars im Milan-Kader zählen.

    Mentalitätswandel durch Zlatan Ibrahimovic

    Mit entschlossenem Handeln sorgte der frühere Weltklasse-Abwehrspieler für Ruhe. Die Rückkehr von Altstar Zlatan Ibrahimovic Anfang 2020 wurde kritisch beäugt - zog aber einen Mentalitätswandel nach sich. "Ibra" wurde zum Sprachrohr zwischen der Mannschaft und Trainer Stefano Pioli, der seit Oktober 2019 im Amt ist.
    Stars wie Gianluigi Donnarumma, Hakan Calhanoglu und Franck Kessié verließen Milan ablösefrei, weil sich Maldini nicht auf deren Forderungen einließ. Die harte Linie, die er dabei vertrat, brachte der 54-jährigen Klublegende landesweite Anerkennung ein. Zumal Maldini mit Mike Maignan einen mehr als ebenbürtigen Ersatz für Keeper Donnarumma aus dem Hut zauberte.
    Selbst das wenig höfliche "Che cazzo vuoi?" (sehr freundlich übersetzt: "Was zum Henker willst du?"), das Maldini Napolis Trainer Luciano Spalletti in der Halbzeit des Ligaspiels an den Kopf warf, nahm ihm niemand jenseits des Vesuvs übel. Im Gegenteil: Auf Paolo Maldini, den Gentleman des Calcio, kann sich Fußball-Italien immer noch einigen. Wie damals, 2007.
    Die wichtigsten Spiele gibt es immer mittwochs ab 23 Uhr bei sportstudio.de und bei ZDFheute im Video.

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