Fußball-EM: Italiens Offenbarungseid gegen die Schweiz
Titelverteidiger ist bei EM raus:Ein italienischer Offenbarungseid
von Claudio Palmieri, Berlin
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Der blutleere Auftritt von Titelverteidiger Italien im EM-Achtelfinale gegen die Schweiz macht Mannschaft und Fans sprachlos. Die Eidgenossen träumen dagegen von mehr.
Tristesse bei der Squadra Azzurra: Titelverteidiger Italien ist bei der Fußball-EM im Achtelfinale ausgeschieden.
Quelle: IMAGO / NurPhoto
Dass Italien bei der Fußball-EM 2024 nicht zur Riege der Top-Favoriten zählen würde, war schon nach dem 0:1 gegen Spanien im zweiten Spiel der Gruppe B offenkundig. Die Art und Weise, in der die Squadra Azzurra beim 0:2 (0:1) gegen die Schweiz im Berliner Olympiastadion ausschied, ließ jedoch selbst die schärfsten Kritiker sprachlos zurück.
Sang- und klangloser hätte sich der Titelverteidiger nicht verabschieden können. Galt das Achtelfinale vorab als Stunde der Wahrheit, blieb nach Abpfiff festzuhalten: Die Rückkehr nach Berlin - der Ort des WM-Triumphs 2006 - kam einem Offenbarungseid gleich.
Präsenz in den Zweikämpfen, Passsicherheit, Tempo, Torgefahr: Die Elf von Trainer Luciano Spalletti ließ alles vermissen, was es gebraucht hätte, um es mit Granit Xhaka und Co. aufnehmen zu können. "Unter dem Aspekt der Intensität waren wir unterlegen. Die Schweiz hat sich zu Recht qualifiziert", hielt Italiens Coach hinterher fest.
Trainer Spalletti übernimmt Verantwortung
Der 65-Jährige hatte Mühe, keine Ausreden zu bedienen. Den Umstand, dass er die Nationalelf im Spätsommer 2023 mitten in der heißen Phase der EM-Qualifikation übernommen hatte, konnte Spalletti jedoch schwer leugnen:
Alle anderen Trainer hatten 20 Spiele, manch einer 30, bevor er so ein Turnier spielen konnte. Ich hatte zehn Spiele und das Gewehr war sofort auf uns gerichtet.
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Luciano Spalletti, Trainer Italien
Auch diverse Ausfälle rief Spalletti, der sein Team "auf einem Pfad" sieht, in Erinnerung. "Die Verantwortung für das, was passiert ist, liegt aber bei mir", betonte er mehrfach.
Kein Gedanke an Rücktritt bei Spalletti
Rücktrittsgedanken schob Italiens Trainer beiseite: "Nach der Erfahrung, die ich jetzt gemacht habe, ist aber klar, dass ich etwas ändern muss."
In seinem EM-Fazit wollte Spalletti gleichwohl nicht alles schwarzmalen: "Ich bin nicht glücklich mit dem, was wir heute und gegen Spanien gezeigt haben. Ich bin zum Teil zufrieden mit dem, was wir in den anderen zwei Spielen gezeigt haben."
Squadra Azzurra wieder nach wenigen Sekunden erwischt
Hätte es noch einen Beweis dafür gebraucht, dass Spallettis Team nie wirklich ins Turnier gefunden hat: Die 46. Minute am frühen Samstagabend lieferte ihn. Nur 27 Sekunden nach Wiederanpfiff traf Ruben Vargas per Schlenzer zum 2:0-Endstand.
Die Szene weckte symbolträchtige Erinnerungen an Italiens EM-Auftakt. Beim 2:1-Sieg gegen Albanien hatte sich der Ex-Champion nach nur 22 Sekunden das schnellste Tor der Turnierhistorie gefangen.
Italiener behäbig im Aufbauspiel
Eine ernstzunehmende Reaktion blieb diesmal aus. Zu lahm gestaltete sich das Aufbauspiel der Spalletti-Elf, die sich mit unzähligen Ballverlusten das Leben wieder einmal selbst schwermachte.
Serie-A-Legionär Remo Freuler hatte in Minute 37 die überfällige 1:0-Führung für die drückend überlegenen Eidgenossen erzielt. Für den Anschluss hätte die Schweiz beinahe selbst gesorgt: Ein Rettungsversuch von Fabian Schär, der vom Pfosten abprallte, blieb Italiens größte Chance (51.).
Schweiz feiert und will jetzt mehr
Während die Azzurri, die ohne den gesperrten Abwehr-Shootingstar Riccardo Calafiori und den verletzten Federico Dimarco auch defensiv konfus wirkten, die Heimreise antreten müssen, ließen sich die Schweizer völlig zu Recht vor der proppenvollen Westkurve des Olympiastadions feiern.
Die Elf von Murat Yakin muss in dieser Form niemanden fürchten - auch nicht den Sieger des Achtelfinalpartie England gegen Slowakei am Sonntag. Die Frage, ob sein Team jetzt zu den Geheimfavoriten gehöre, umschiffte der Ex-Bundesliga-Profi:
Wir haben heute Großes geleistet und gegen eine große Nation gewonnen. Die Art und Weise macht uns stolz.
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Murat Yakin
Einen Türspalt zum Träumen ließ der 49-Jährige indes offen: "Wir haben uns das erarbeitet und verdient, aber die Reise ist noch nicht fertig. Ich hoffe, wir können noch weitere Geschichten schreiben."
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