Mehr Geld, mehr Macht - das System Infantino und die FIFA

    Bolzplatz by Manu Thiele:Mehr Geld, mehr Macht - das System Infantino

    von Ralf Lorenzen
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    An der Wiederwahl Gianni Infantinos zum FIFA-Präsidenten kommende Woche gibt es keine Zweifel. Er sichert sich die Macht vor allem über höhere Zuwendungen an die ärmeren Verbände.

    FIFA-Präsident Gianni Infantino.
    Gianni Infantino hat den Fußball-Weltverband FIFA fest im Griff. Sportjournalist Manu Thiele über das System Infantino und was das für den europäischen Fußball zu bedeuten hat.09.03.2023 | 15:57 min
    Einen Vorteil hat das Ausscheiden von Borussia Dortmund aus der Champions League für die Spieler - sie können rechtzeitig den Weihnachtsurlaub planen und müssen auf keinen Fall an der Klub-WM teilnehmen, die bis zum 22. Dezember in Saudi-Arabien stattfindet.
    "Die erlebe ich Gott sei Dank nicht mehr", sagte Ex-Nationalspieler Toni Kroos, dessen Karriere sich dem Ende neigt und der mit Real Madrid die Klub-WM im Februar in Marokko gewonnen hat, über die Pläne der FIFA, das Turnier 2025 sogar mit 32 Klubs statt bislang sieben Klubs stattfinden zu lassen. Die Klub-WM soll zur neuen Cash-Cow der FIFA werden, nachdem deren Boss Gianni Infantino vorerst mit seinen Plänen abgeschmettert ist, die Fußball-WM alle zwei Jahre auszutragen.

    Mehr Geld für die FIFA bedeutet mehr Macht für Infantino

    Ausgestaltung und der Austragungsort des neuen Mammut-Turniers Klub-WM liegen zwar noch im Dunkeln. Klar ist aber schon jetzt, dass sie ein Baustein des Systems ist, mit dem Infantino nicht nur seine Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten beim Kongress in Kigali kommende Woche, sondern langfristig seine Macht sichert.
    "Je mehr Geld die FIFA einnimmt, desto mehr Macht hat der Präsident", sagt der ehemalige Vorsitzende der FIFA-Governance-Kommission Miguel Maduro in der aktuellen Sendung "Bolzplatz by Manu Thiele".

    Infantino nutzt das zur Kontrolle und er kauft sich die Unterstützung der nationalen Verbände.

    Ex-Vorsitzender der FIFA-Governance-Kommission Miguel Maduro

    Ärmere Verbände profitieren von FIFA-Plänen

    Im vergangenen WM-Zyklus hat die FIFA ein Rekordergebnis von 7,25 Milliarden Euro erzielt, von denen ein Großteil an die Nationen verteilt wird.
    Kleinere und ärmere Verbände - die bei der Präsidentenwahl das gleiche Stimmrecht wie die großen haben - profitieren besonders von der FIFA-Entwicklungshilfe, deren Verdoppelung Infantino bei seinem Amtsantritt 2016 versprochen hatte. Und sie profitieren direkt von der Vergrößerung der WM und der Klub-WM, da es mehr Startplätze für sie gibt. Der ehemalige UEFA-Funktionär Georg Pangl sagt im "Bolzplatz" dazu:

    Sie haben in Gianni Infantino einen Befürworter, einen Helden, der ihnen hilft, den Fußball zu entwickeln.

    Ehemaliger UEFA-Funktionär Georg Pangl

    Was Infantinos Versprechen von 2016 an sie angeht, sind diese nicht nur bei den Entwicklungshilfezahlungen übererfüllt. Die WM 2026 wird nicht nur mit 40, sondern mit 48 Teilnehmern stattfinden.

    Überbietungswettkampf von FIFA und UEFA

    Problematisch daran ist zum einen der Überbietungswettkampf von FIFA und UEFA, wer aus welchem Wettbewerb das meiste Geld presst - die Champions League wurde ebenfalls aufgeblasen. Zum anderen sind bei den FIFA-Entwicklungszahlungen die Kontrollen unzureichend, wie viel davon nicht nur in Ausbildungszentren und Trainerstäben, sondern in die Privattaschen der Funktionäre landet.

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    FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf
    Wenn Infantino tatsächlich einen Masterplan haben sollte, wie einige Experten vermuten, wird dieser in seinem spektakulärsten und vorerst gescheiterten Projekt deutlich. Laut FIFA-Rats-Mitgliedern soll er bei der Council-Sitzung im März 2018 in Bogotá ein Milliardenangebot für den Verkauf von Veranstaltungen präsentiert haben, dessen Inhalt er wegen einer Verschwiegenheits-Vereinbarung aber nicht nennen wollte.
    Die TV-Rechte, Digitalrechte, Marketing-Rechte und und und: Es wäre der komplette Ausverkauf der FIFA gewesen“, sagt Manu Thiele im Bolzplatz mit Verweis auf eine Recherche der Süddeutschen Zeitung. Das Council soll wegen der Geheimverhandlung konsterniert gewesen sein und das Angebot abgelehnt haben.

    Eigentlich darf ein FIFA-Präsident maximal zwölf Jahre im Amt sein, das entspricht drei Amtszeiten. Infantino erklärte, "dass ich mich in meiner ersten Amtszeit befinde". Demnach zählen seine ersten rund dreieinhalb Jahre als Präsident von Anfang 2016 bis Sommer 2019 nicht als Amtszeit, weil er die Präsidentschaft des im Mai 2015 gewählten und kurz darauf zurückgetretenen Joseph Blatter übernahm. Demnach könnte er 2027 noch einmal bis 2031 gewählt werden.

    DFB noch unentschlossen

    Für Infantinos Wiederwahl in der kommenden Woche haben die Kontinentalverbände aus Südamerika, Asien, Afrika und Ozeanien bereits ihre Unterstützung signalisiert. Der während der WM in Katar spürbare Gegenwind der UEFA hat noch nicht einmal für die Benennung eines Gegenkandidaten gereicht. Der DFB will erst kurz vor der Abstimmung entscheiden, ob DFB-Präsident Bernd Neuendorf Infantino die Stimme gibt.
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