Vielen Frauen droht Rente unter 1.000 Euro trotz Vollzeitjob

    Vielen Frauen droht Altersarmut:Unter 1.000 Euro Rente - trotz Vollzeitjob

    |

    40 Jahre arbeiten - trotzdem weniger als 1.000 Euro Rente im Monat. Das droht vielen Frauen in Deutschland. Die Linke warnt vor einer "Rutschbahn in die Altersarmut".

    Ältere Frauen in der Fußgängerzone in Bad Wörishofen, Deutschland, 08.11.2018
    Ältere Frauen in der Fußgängerzone in Bad Wörishofen (Symbolbild)
    Quelle: dpa

    Jeder dritten Frau mit einer Vollzeitarbeit in Deutschland droht auch nach 40 Arbeitsjahren eine Rente weniger als 1.000 Euro pro Monat. Laut Bundesarbeitsministerium verdienen rund 2,7 Millionen vollzeitbeschäftigte Frauen so wenig, dass ihre monatliche Rente auch bei regulärem Renteneintritt nach 40 Jahren unter 1.000 Euro liegen wird.
    Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Linken-Anfrage hervor, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatte das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" berichtet.
    • Bei insgesamt 7,1 Millionen Vollzeit-Arbeitnehmerinnen ist das ein Anteil von rund 38 Prozent, die weniger als 1.000 Euro erhalten.
    • 3,8 Millionen vollzeitbeschäftigte Frauen, also 53 Prozent erhalten demnach später weniger als 1.200 Euro Rente.
    Reich an Kosten, arm an Rendite – was einst als Hoffnungsträger für mehr Rente beworben wurde, hinterlässt bei vielen Deutschen einen bitteren Nachgeschmack.20.08.2021 | 43:00 min

    So viel muss in Deutschland für eine Rente von mehr als 1.000 Euro verdient werden

    Um eine Netto-Rente von 1.000 Euro oder mehr zu kommen, müssen Frauen wie Männer in Deutschland mehr als 2.800 Euro brutto verdienen, heißt es in der Antwort. Im Detail:
    • Für eine Monatsrente von 1.000 Euro netto, müssen Arbeitende derzeit 40 Jahre lang durchgehend 2.844 Euro brutto im Monat verdienen.
    • Für einen Anspruch auf 1.200 Euro Rente brauchen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen 40 Jahre lang einen Bruttomonatslohn von 3.413 Euro.

    Linken-Fraktionschefs: Millionen Frauen droht Altersarmut

    Für Dietmar Bartsch, Fraktionschefs der Linken im Bundestag, der die Anfrage ans Arbeitsministerium gestellt hatte, sind das mit Blick auf die Inflation und schon jetzt hohe Altersarmut unter Frauen "katastrophale Zahlen": Bartsch sagte:

    Mehr als die Hälfte aller Vollzeitarbeitnehmerinnen wird nach 40 Jahren Plackerei weniger als 1.200 Euro erhalten.

    Dietmar Bartsch

    Er sprach von einer Respektlosigkeit gegenüber Frauen. "Für Millionen Frauen droht eine Rutschbahn in die Altersarmut", warnte der Linken-Politiker.

    Renten-Vorbild Österreich?

    Bartsch fordert "ein großes Update" für das deutsche Rentensystem. Dafür sollte die Ampelkoalition sich Österreich zum Vorbild nehmen. "Dort zahlen alle mit ihrem Erwerbseinkommen ein."

    Auch Politiker, Selbstständige, Manager und Beamte. Die Renten sind im Schnitt 800 Euro höher.

    Dietmar Bartsch

    Als ersten Schritt schlug der Fraktionschef vor, alle Bundestagsabgeordneten sollten in die gesetzliche Rente einzahlen. "Das wäre ein wichtiges Zeichen für den Zusammenhalt des Landes in der Krise."

    Kapitalanlagen
    :Neue Rentenreform: Was sie bringen soll

    Die Ampel-Koalition plant eine große Rentenreform noch in diesem Jahr. Mit Anlagen auf dem Kapitalmarkt soll die Altersvorsorge abgesichert werden. Was bringt die Reform?
    Eine Seniorin hält ihren Rentenbescheid in der Hand
    Quelle: epd, KNA