Braille: Wo in Deutschland die Blindenschrift noch fehlt
Kritik vom Verbandschef:Wo in Deutschland noch Blindenschrift fehlt
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Im Hotel, an der SB-Kasse und an der Kaffeemaschine fehlt häufig die Blindenschrift. Und der Chef des Blinden- und Sehbehindertenverbandes sieht noch mehr Nachholbedarf.
Die Blindenschrift Braille ist in Deutschland immer verbreiteter. Doch es gibt noch Verbesserungsbedarf.
Quelle: dpa
Blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland beklagen nach Ansicht ihres Interessenverbands vielfach Hürden im Alltag - trotz vieler Fortschritte. "Es tut sich viel, aber es könnte noch mehr gemacht werden", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Andreas Bethke.
Ob eine Tür im Restaurant zur Herrentoilette, Damentoilette oder zur Küche führt, ist in der Regel für blinde Menschen nicht erkennbar.
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Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes
Erleichterung im Alltag für blinde und sehbehinderte Menschen brachte die Erfindung der Blindenschrift - auch Brailleschrift oder Braille genannt - vor 200 Jahren.
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Sie gebe es inzwischen viel in Zügen der Deutschen Bahn, sagte Bethke. Er nannte als Beispiel die Platznummern. "So kann man auch als blinder Mensch ohne fremde Hilfe seinen reservierten Platz finden." Auch viele Fahrstühle haben seinen Angaben zufolge ein Bedienfeld mit Braille.
Verband sieht Nachholbedarf in Hotels, an Kaffeemaschinen und Selbstbedienungskassen
Bethke sieht allerdings noch Nachholbedarf: In Hotelzimmern gebe es viele Hinweise und Informationen, etwa zum WLAN-Zugang. "Da ist in der Regel nichts in Braille verfügbar", sagte er. Und weiter: "Verpackungen aller Art könnten eine Braille-Beschriftung haben, und bei Straßenschildern könnte man sie am Mast anbringen."
Türen in öffentlichen Gebäuden sollten mit Braille beschriftet sein. "Automaten sollten mit Braille besser bedienbar gemacht werden, genauso Fernbedienungen, Kaffeemaschinen, Selbstbedienungskassen."
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Nach Schätzungen des Verbands können bundesweit etwa 20.000 Menschen diese Schrift lesen. Sie zu erlernen, sei einfach, sagte Bethke. Die Brailleschrift werde meist bereits in der Grundschule im Biologie-Unterricht thematisiert. Für blinde Kinder werde das Lesenlernen in Braille organisiert.
"Allerdings gibt es in Deutschland zu wenig qualifizierte Blindenlehrkräfte, sodass viele Kinder nicht ausreichend beim Braille-Lernen unterstützt werden", sagte er.
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Auch Ältere können Brailleschrift noch lernen
Aus Sicht des Verbands ist es wichtig, dass auch Ältere die Blindenschrift erlernen. Augenkrankheiten wie der Grüne Star treten demnach vor allem bei Menschen über 60 Jahren häufiger auf. "Leider ist die Meinung verbreitet, dass man als erwachsener Mensch Braille nicht mehr erlernen kann", sagte der Verbandschef.
Wer zum ersten Mal Braille anfasst, denkt: Das ist doch Raufasertapete. Das schreckt die Menschen ab.
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Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes
Allerdings könne man den Tastsinn trainieren und auch mit 70 oder 80 Jahren noch Braille lernen, sagte Bethke. "Viele kommen dabei nicht mehr auf die Lesegeschwindigkeit, um dicke Bücher zu lesen." Aber für den Braille-Druck auf Medikamentenpackungen, Beschriftungen im öffentlichen Raum, private Notizen oder Beschriftungen im Wohnumfeld reiche es meist.
Quelle: dpa
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