Süchtig nach Computerspielen

Wenn das Internet zur Falle wird

Politik | Frontal 21 - Süchtig nach Computerspielen

Immer mehr Menschen verlieren die Kontrolle über ihre Computerspiele- und Internetnutzung. Das zeigt eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.12.2017, 11:00

Besonders gefährdet sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die vor allem von Computerspielen im Internet fasziniert sind. Doch exzessives Spielen kann krank und süchtig machen. Wie der jetzt veröffentlichte Report "Game over" der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Süchtfragen zeigt, erfüllt in der Altersgruppe der 12- bis 25-Jährigen jeder zwölfte Junge oder junge Mann die Kriterien für eine Abhängigkeit. Der Anteil der betroffenen Mädchen und jungen Frauen liegt deutlich niedriger.

Allein in der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE), dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen, werden jährlich 300 bis 400 junge Patienten mit einer Internetsucht ambulant oder stationär behandelt, Tendenz steigend. Internetsucht entwickle sich nicht von heute auf morgen, so der UKE-Suchtexperte Professor Rainer Thomasius, sondern in einem längeren Prozess.

Interview mit Prof. Rainer Thomasius, Suchtexperte, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Das wichtigste Kriterium einer Computerspiele- und Internetsucht ist Experten zufolge der Kontrollverlust. Die betroffenen Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsenen spielen stundenlang am Computer, wie auch die aktuelle DAK-Studie zeigt: Gerade bei den 12- bis 17-Jährigen, und hier vor allem bei den Jungen, sind es bis zu vier Stunden täglich. Weitere Kriterien sind die Umkehrung des Tag-Nacht-Rhythmus, die Vernachlässigung von Familie, Schule oder Ausbildung, Verlust von Freunden und die Aufgabe von Hobbys. Ein normales, sozial integriertes Leben findet nicht mehr statt.

Doch Internetsucht ist heilbar, deutlich besser heilbar als stoffliche Abhängigkeiten im Jugendalter wie Drogensucht. Experten fordern nun einen umfassenden Ausbau frühzeitiger Präventionsprogramme für Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagogen. Darüber hinaus sollten verbindliche Regelungen bei Computerspielen politisch festgelegt werden wie Jugendschutz und Mindestalter – auch Beratungsstellen sowie stationäre und ambulante Behandlungsmöglichkeiten müssten ausgebaut werden. Denn in Deutschland gibt es bisher nur wenige Behandlungszentren.

„Frontal 21“ hat mit jungen Menschen gesprochen, für die das Computerspielen im Internet zur Falle wurde.

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