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Machtvoll in der Männerwelt

Heike Ullrich und ihre Rolle beim DFB

Seit Jahresbeginn besetzt Heike Ullrich einen der vier wichtigsten Direktorenposten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Wer ist die Frau, die künftig DFB-Pokal, Dritte Liga, Frauen-Bundesliga und das Schiedsrichterwesen verantwortet?

Heike Ullrich
So weitgehende operative Befugnisse wie Heike Ullrich hatte noch nie eine Frau beim DFB. Quelle: imago

Es war im Herbst vergangenen Jahres, als die Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey & Company wochenlang in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Otto-Fleck-Schneise im Frankfurter Stadtwald ein und aus ging. Und dabei auch viele Befragungen durchführte. Heraus kam schlussendlich eine Empfehlung, die nicht wirklich überraschen konnte: Der Verband mit seinen mittlerweile fast 400 Mitarbeitern und seinen immer vielfältigeren Aufgaben gehört vom Grundsatz her organisatorisch reformiert.

Generalsekretär Friedrich Curtius, ein junges Führungsgesicht im größten Sportverband, war eine treibende Kraft der strukturellen Umwälzung und irgendwie passt es auch, dass der 41-Jährige irgendwann bei Heike Ullrich vorstellig wurde. Um die damalige Direktorin Frauen- und Mädchenfußball zu fragen, ob sie sich die Leitung der vielleicht zweitwichtigsten Organisationseinheit zutraut. Sie erbat sich einen Tag Bedenkzeit. Dann sagte sie zu. „Ich bin ein Mensch, der die Dinge gerne bewusst macht.“

Breites Aufgabenfeld

So wie Oliver Bierhoff seit dem 1. Januar dieses Jahres für sämtliche Nationalmannschaften, den Leistungsbereich und die Fußballentwicklung zuständig ist, verantwortet die 48-Jährige den Bereich Vereine, Verbände und Ligen. Dahinter verbergen sich der komplette Spielbetrieb und das Schiedsrichterwesen. Bei ihr werden alle Belange des Breitensports und des Amateurspitzenfußballs gebündelt. Und auch die Wettbewerbe DFB-Pokal, Dritte Liga oder Frauen-Bundesliga werden von hier aus koordiniert.

So weitgehende operative Befugnisse hatte noch nie eine Frau beim DFB, der sich lange mit dem weiblichen Geschlecht - nicht nur bei der Akzeptanz des Frauenfußballs - schwer tat. Bislang war als Funktionärin allenfalls die DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg aufgefallen. Heike Ullrich hat jedoch künftig ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten. Viele Kollegen freuen sich für die gebürtige Hildesheimerin, die in Fachfragen sicher, im Umgang kompetent, im Wesen sympathisch wirkt. Und jeder schätzt ihren Fleiß und ihr Faible für den Fußball.

„Habe mich nie als Quotenfrau wahrgenommen“

Als sie 1996 beim DFB anfing, war sie für das Teammanagement der Frauen-Nationalmannschaften und den Spielbetrieb Frauen zuständig. Dass sie in die Phalanx einer Männerwelt eindringt, hat sie damals und heute nicht so empfunden. „Ich habe mich nie als Quotenfrau wahrgenommen. Ich hatte nicht eine Situation, in der ich mich unwohl gefühlt habe, weil ich als einzige Frau in einem Raum mit vielen Herren saß.“

Speziell auf Funktionärsebene sind Frauen in Vereinen und Verbänden bis heute stark unterrepräsentiert, und auch ein eigenes DFB-Programm („Leadership“) wird daran so schnell nicht so viel ändern. Statt über Frauenquoten in den (Männer-)Strukturen des deutschen Fußballs zu reden, würde Ullrich indes noch den nächsten Schritt zu mehr Vielfalt gehen. „Es geht auch um das Thema Generationen: Alt kann auch von Jung lernen und umgekehrt. Wir müssen zudem den Bedürfnissen der jungen Endgerät-User gerecht werden und den Fußball für sie auch zukünftig attraktiv gestalten.“

Bei Uefa und Fifa bekannt

Muss sie zum Durchsetzen ihrer Ansichten nicht künftig häufiger die Ellbogen ausfahren? „Es gibt immer wieder inhaltliche Auseinandersetzungen. Immer im richtigen Rahmen, im richtigen Ton und auf die Sache bezogen.“ Letztlich scheue sie sich nicht, „Entscheidungen zu treffen, die nicht populär sind.“ Einen Rat holt sie sich gerne bei Katja Kraus, der ehemaligen Nationaltorhüterin, die zeitweise im Vorstand beim Hamburger SV arbeitete. Ihre zwei Bücher hat Ullrich mit großem Interesse gelesen.

Auf einer Skala von eins bis zehn ihr Selbstbewusstsein verorten? „Ziemlich weit oben. Es ist in den Jahren immer stärker gestiegen“, sagt sie, ohne dabei überheblich zu klingen. Dass sie mit Uefa und Fifa regelmäßigen Austausch gepflegt hat, dürfte einer Funktionärin helfen, die von sich selbst sagt: „Es ist sicher eine Stärke, dass ich im Haupt- und Ehrenamt ganz gut vernetzt bin.“

Stippvisite bei den besten Schiedsrichtern

Und sie drängt nicht in den Vordergrund. Als der DFB vor Rückrundenstart der Bundesliga eine Pressekonferenz zum weiteren Umgang mit dem umstrittenen Videoassistenten veranstaltete, ließ sich Heike Ullrich kurz vorstellen und nahm in der ersten Reihe als stille Zuhörerin Platz.

Das Wort überließ sie allen Protagonisten von DFB und DFL, die seit Jahren sich mit der vertrackten und viel diskutierten Materie beschäftigen. Sie will in solchen Bereichen erst einmal alle Informationen sammeln. Und sich mit den Beteiligten austauschen, ehe sie selbst irgendwelche Ansagen tätigt. Weshalb eine Stippvisite beim Trainingslager der Elite-Schiedsrichter auf Mallorca Anfang des Jahres gleich zu ihren ersten Dienstreisen zählte.

Der deutsche Fußball - wichtige Frauen in Führungspositionen

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