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Nach Salazar-Sperre: Fragen werden nicht weniger

Nach jahrelangen Ermittlungen hat die US-amerikanische Anti-Doping-Behörde Leichtathletik-Trainer Alberto Salazar nun gesperrt. Im Elite-Camp des Chefcoachs trainiert auch Konstanze Klosterhalfen. Nach der Sperre Salazars werden die kritischen Fragen an sie wohl nicht weniger.

Leichtathletik-Trainer Alberto Salazar
Leichtathletik-Trainer Alberto Salazar (Archivfoto)
Quelle: imago

Der Zeitpunkt mag überraschend sein, die Meldung an sich ist es nicht: "Star-Coach Alberto Salazar für vier Jahre gesperrt."

Mehrere Jahre hat die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA gegen den Leiter der elitären Weltklasseläufer-Schmiede mit Namen "Nike Oregon Project" ermittelt, die Ergebnisse sind nun in einer 134-seitigen Anklageschrift nachzulesen.

Salazar habe seinen Athleten demnach verbotene Infusionen verabreicht, mit Testosteron gehandelt und im Zusammenhang mit Doping-Kontrollen Daten vertuscht. Das volle Programm also, um Sportler mit verbotenen Mitteln und Methoden noch ein bisschen erfolgreicher zu machen.

Grundlage der erfolgreichen Ermittlungen waren die Aussagen von Kronzeugen, von einst in das Projekt integrierten Athleten.

Salazars WM-Akkreditierung entzogen

Travis Tygart, der Chef der USADA, hat schon Radsport-Legende Lance Armstrong zu Fall gebracht. Nun hat er auch bei Alberto Salazar nicht aufgegeben, bis er die Verdächtigungen beweisen konnte. Salazar bestreitet die Anschuldigungen und will rechtlich dagegen vorgehen.

Die Leichtathletik-WM in Doha ist für den 61-Jährigen allerdings vorbei. Die Sperre wurde mit sofortiger Wirkung ausgesprochen, die IAAF entzog Salazar daraufhin umgehend seine Akkreditierung.

Seinen Schützling Sifan Hassan konnte der ehemalige Marathon-Läufer am Samstag bei ihrem Sieg in Doha über 10.000 Meter noch begleiten, die Niederländerin trainiert seit Ende 2016 unter Salazar beim Nike Oregon Project. Sie sagte in Doha nach Bekanntwerden der Sperre gegen ihren Coach: "Ich bin geschockt. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass sich die Untersuchungen auf einen Zeitraum beziehen, als ich noch nicht beim Nike Oregon Project war."

Klosterhalfen-Management: "Überrascht und geschockt"

"Überrascht und ein Stück weit geschockt“ gab sich auch das Management von Konstanze Klosterhalfen, dem deutschen Super-Talent auf den Mittelstrecken. Die Leverkusenerin trainiert seit Ende des vergangenen Jahres in dem Nike Oregon Project in Portland. Jedoch nicht direkt unter Salazar, sondern unter dessen Assistent Pete Julian.

Am Mittwoch startet die 22-Jährige in Doha über 5000 Meter. Ihr wird der Gewinn einer Medaille zugetraut, da sie ihre Leistungen in dieser Saison enorm verbessert hat.

Klosterhalfen stellt sich kritischen Fragen

Konstanze Klosterhalfen hat von den Verdächtigungen und Ermittlungen gegen Salazar gewusst, als sie sich dem Elite-Camp anschloss. Für eine Schockstarre besteht also kein Anlass.

Sie hat die Zweifel bewusst in Kauf genommen und wird seither mit kritischen Fragen überhäuft. Ihrem mädchenhaften Lächeln konnte das bislang nichts anhaben. Salazar sei nicht verurteilt, sie sei sauber und werde es auch bleiben, die Trainingsbedingungen in Portland seien einfach unwiderstehlich – so und ähnlich lauteten bislang immer wieder ihre Antworten.

Das Nike Oregon Project gibt es seit 2001, ausgewählte Athleten haben dort am Sitz des Sportartikelherstellers die Möglichkeit, sich unter allerbesten Bedingungen ganz auf das Laufen zu konzentrieren.

Sportlich hat sich Wechsel in Elite-Camp ausgezahlt

Ziel der horrenden Ausgaben von Nike ist es natürlich, Olympiasieger und Weltmeister zu formen. Bislang erfolgreichster Projekt-Teilnehmer ist der Brite Mo Farah, viermaliger Olympiasieger und sechsmaliger Weltmeister. Er trainiert seit 2017 nicht mehr bei Salazar, die ewigen Fragen und Verdächtigungen waren ihm wohl zu viel geworden. Nike dagegen hielt an dem umstrittenen Cheftrainer für sein Prestige-Projekt fest. Und Konstanze Klostehalfen wagte also bewusst den Spagat: Hier die superoptimalen Trainingsbedingungen, dort die dunklen Wolken des Dopingverdachts.

Sportlich hat ihre Entscheidung sich ausgezahlt. Die 22-Jährige rennt in diesem Jahr so schnell wie nie. Bei einer Athletin mit ihrem Talent und in ihrem Alter muss das nicht zwangsläufig ein Hinweis auf Doping sein. Ein erhöhtes Trainingspensum, professionelle Konzentration und veränderte Trainingsmethoden können auch ganz legal zu einer Leistungssteigerung führen. Aber nach der Sperre Salazars wird Klosterhalfen damit leben müssen, dass die kritischen Fragen nicht weniger werden.

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