Urlaub für Bildung

So profitieren Sie von Angeboten zur Weiterbildung

Verbraucher | Volle Kanne - Urlaub für Bildung

In den meisten Bundesländern haben Arbeitnehmer Anspruch auf Bildungsurlaub. Norbert Wichmann vom DGB erklärt, wie man ihn beantragt und worauf man dabei sonst noch achten sollte.

Beitragslänge:
7 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.01.2017, 10:06

Nur ein bis drei Prozent aller Arbeitnehmer reichen ihn ein: Bildungsurlaub. Kaum jemand nutzt also die Möglichkeit, anstatt arbeiten zu gehen, etwas für die eigene Bildung zu tun. „Volle Kanne“ zeigt, wie viel Bildungsurlaub Sie für sich beanspruchen und welche Angebote Sie nutzen können.

Der Anspruch auf Bildungsurlaub ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Bundesländer, die entsprechende Gesetze verabschiedet haben, bieten Arbeitnehmern die Möglichkeit, sich von der Arbeit freistellen zu lassen, um sich beruflich oder politisch weiterzubilden – und weiterhin Gehalt zu bekommen. „Dabei ist der Begriff ‚Bildungsurlaub‘ leicht irreführend“, sagt Norbert Wichmann vom DGB-Bildungswerk. „Ich finde die Begrifflichkeit aus Baden-Württemberg zutreffender. Dort spricht man von ‚Bildungszeit‘. Es geht also um Weiterbildung und nicht um Urlaub oder Freizeit.“

Im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen, wo die Regeln für den Bildungsurlaub mit den Sozialpartnern diskutiert und abgestimmt wurden, tun sich Bundesländer wie Bayern und Sachsen nach wie vor mit einer Regelung beim Bildungsurlaub schwer. „In Nordrhein-Westfalen gibt es eine gute Tradition, Probleme im Konsens zu lösen. So geschehen auch bei der letzten Novellierung des Arbeitnehmerweiterbildungsgesetzes, wie das Gesetz zum Bildungsurlaub in Nordrhein-Westfalen heißt“, erklärt Wichmann.

Fünf Tage im Jahr

Die Dauer des Bildungsurlaubs beträgt in der Regel fünf Tage im Kalenderjahr für Vollzeitbeschäftigte. Der Anspruch von zwei Kalenderjahren kann beispielsweise in Nordrhein-Westfalen zusammengefasst werden. „Es gibt aber auch abweichende Regelungen, etwa im Saarland. Dort geht man von drei Tagen im Jahr aus. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Also, es ist alles sehr heterogen“, sagt Wichmann. Er rät für weitere Informationen, einen Blick ins Internet zu werfen. Auch Weiterbildungsanbieter stünden Interessenten beratend zur Seite.

Der Freistellungsanspruch ist durch die gesetzliche Grundlage geregelt. In der Regel bezahlt der Arbeitnehmer die Schulungskosten selbst. Handelt es sich um eine berufliche Fortbildung, die vielleicht auch im Interesse des Betriebes liegt, kann es sich lohnen, beim Chef nachzufragen. Das Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz in Nordrhein-Westfalen besagt, dass ein Bildungsurlaubsangebot maximal im Umkreis von 500 km von Nordrhein-Westfalen durchgeführt werden kann.

Insbesondere berufliche Weiterbildungen können steuerlich abgesetzt werden. Wenn es öffentliche Zuschüsse gibt, weiß das in der Regel auch der Weiterbildungsanbieter. So gibt es in Nordrhein-Westfalen etwa den sogenannten Bildungsscheck. „Hier müssen die Anspruchsvoraussetzungen geklärt werden. Ich finde aber einen gewissen Eigenbeitrag nicht verkehrt. So gilt der Grundsatz, was nichts kostet, ist auch nichts wert“, sagt Wichmann.

Schlechtes Gewissen, hoher Arbeitsdruck

Es gebe verschiedene Gründe, warum Bildungsurlaub nur so selten genommen werde. Norbert Wichmann: „Manchmal spielen die Chefs nicht mit. Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Viele wissen auch gar nicht, dass sie einen Anspruch haben. Viele Arbeitnehmer haben aber auch eine Schere im Kopf und ein schlechtes Gewissen gegenüber Kollegen. Und letztlich hat der Arbeitsdruck zugenommen“, resümiert der Experte die möglichen Probleme.

Dabei wird er nicht müde, die Vorzüge des Bildungsurlaubs zu betonen: „Wir stehen an der Schwelle zur sogenannten ‚Industrie 4.0‘. Es wird eine Überlebensfrage werden, sich kontinuierlich fortzubilden“, sagt Wichmann. Gemeint sei damit aber nicht nur die berufliche Qualifizierung: „Wir müssen uns auch mit den gesellschaftlichen Auswirkungen und den damit verbunden politischen und sozialen Fragen intensiv beschäftigen. Das ist zwar nicht neu, aber die Dynamik der Prozesse wird sich deutlich beschleunigen.“

Besondere Möglichkeiten für Azubis

Auch Auszubildende in Nordrhein-Westfalen haben inzwischen einen Anspruch auf Bildungsurlaub. Ein wesentlicher Unterschied zu Arbeitnehmern ist allerdings, dass dieser nicht für die berufliche, sondern für die politische Weiterbildung gilt. Während ihrer Berufsausbildung können die Azubis fünf Tage Bildungsurlaub für Projekte zur politischen Bildung nehmen. „Wir möchten gerne, dass möglichst viele Jugendliche die Möglichkeit nutzen, um zum Beispiel an einer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz teilzunehmen“, sagt Norbert Wichmann.

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