HIV-Selbsttest

Ab Herbst 2018 in Deutschland frei verkäuflich

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Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gibt es in Deutschland rund 90.000 HIV-Infizierte. Schätzungsweise rund 13.000 von ihnen wissen es nicht. Ein Heimtest, der im Herbst auf den Markt kommen soll, könnte diese Dunkelziffer senken.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
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Video verfügbar bis 03.09.2019, 09:05

Sexuell übertragbare Krankheiten sind noch immer ein Tabuthema. Besonders HIV-Infizierte sind in der Gesellschaft stigmatisiert. Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich nicht gerne beim Arzt auf HIV testen lassen wollen und einen Selbsttest zu Hause bevorzugen. Allerdings ist das in Deutschland bisher nur bedingt möglich. Das soll sich jetzt ändern.

Tabuthema STI

Aids-Schleife
Die rote Aids-Schleife ist weilweites Symbol für Solidarität mit HIV-Infizierten. Trotzdem wird Aids moralisch stigmatisiert. Quelle: Imago / Manngold

Sexuell übertragbare Infektionen, kurz STI genannt, wie z.B. Syphilis, Tripper oder auch Aids (HIV) sind ein Stigma. Sie sind nicht nur lästig, gefährlich oder gar tödlich. Sie führen auch zu moralischer Entrüstung. Und die beginnt schon in den Köpfen, bevor jemand so eine Krankheit überhaupt hat. Denn wer sich auf eine Geschlechtskrankheit testen lässt, löst bei Vorurteilsbehafteten den Eindruck einer hohen sexuellen Aktivität mit vielen verschiedenen Partnern aus.

Die Scham der Menschen vor der Verurteilung anderer führt dazu, dass viele sich gar nicht erst testen lassen. Diese Tatsache aber verhindert speziell bei HIV eine Eindämmung des Virus. Das sagt die Statistik der WHO. Hier gilt die Annahme: wenn sich 90 Prozent der Infizierten testen lassen und davon wiederum 90 Prozent in Behandlung begeben würden, ließe sich die Ansteckung durch Aids eindämmen. Doch die Realität sieht anders aus: Von rund 90.000 Infizierten wissen rund 13.000 nichts davon. (Quelle: RKI) Und es gilt auch: je früher der Virus erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf ein langes Leben. HIV-Infizierte werden durchschnittlich fast genauso alt wie Nicht-Infizierte, vorausgesetzt das Virus wird früh erkannt und richtig behandelt. (Quelle: The Lancet)

Der Selbsttest - die diskrete Variante

Neben der Scham gibt es noch weitere Gründe, warum Menschen nicht gerne für einen HIV-Test zum Arzt gehen - sei es die Angst vor dem Ergebnis oder der zeitliche Aspekt bei Menschen, die sich regelmäßig testen müssen. Ein Selbsttest für zu Hause ermöglicht in jedem Fall eine höhere Quote von durchgeführten HIV-Tests. Er spart Zeit und ist diskret. Doch in Deutschland ist das bisher nicht so einfach.

In anderen Ländern wie z.B. Großbritannien können Patienten sich ohne Kontakt zu einem Arzt Tests auf sexuell übertragbare Infektionen nach Hause schicken und dann von einem Labor untersuchen lassen. Die Krankenkasse zahlt trotzdem. Solche Selbsttests sind in Deutschland bislang per Gesetz nicht erlaubt. Viele nutzen die Möglichkeit, sich solche Tests im Internet aus dem Ausland zu bestellen. Der Zoll kann sie bei Kontrollen beschlagnahmen. Strafbar macht man sich als Käufer aber nicht.

Vorsicht vor Selbsttests aus dem Netz

Diverse Unternehmen haben diese Lücke erkannt und bieten die Tests zum Versand nach Deutschland an. Doch die Anbieter sind nicht immer seriös und die Tests nicht immer zuverlässig. Daher ist hier Vorsicht geboten.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) bieten diese Seiten oft Tests mit CE-Kennzeichen an, Kunden erhalten aber Tests, die nicht auf bewährten Methoden beruhen und unzureichend aussagekräftige Ergebnisse liefern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte dem entgegenwirken und Interessenten in Deutschland sichere Tests zugänglich machen. Die Tests müssen nach der Medizinprodukteverordnung zugelassen sein und den EU-Richtlinien entsprechen. Laut der Deutschen Aids-Hilfe gibt es im Moment drei Tests, die zu empfehlen sind:

- der Autotest VIH
- der Insti-HIV-Heimtest
- der Exacto-Test

HIV-Tests für zuhause in Deutschland bald frei verkäuflich

Damit die Tests in den deutschen Handel kommen können, muss das Fernbehandlungsverbot gelockert werden. Ein entsprechender Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) befindet sich schon in Abstimmung mit den Ländern. Das BMG rechnet damit, dass die neue Verordnung bereits im Herbst in Kraft treten kann. Wenn dann der Bundesrat noch zustimmt, steht dem HIV-Test für zuhause nichts mehr im Weg.

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