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Kryotherapie in der Medizin

Krypotherapie

Leistungssportler wie Franck Ribéry machen es vor: Kälte soll zur Regeneration nach dem Sport und sogar beim Abnehmen helfen. Eine besondere Form ist die Ganzkörperkältetherapie - sie wird gezielt zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt.

10.09.2018
10.09.2018
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Die Ganzkörperkältetherapie, kurz GKKT ist eine besondere Form der Kältetherapie (auch: Kryotherapie). Der japanische Arzt Toshima Yamauchi führte sie 1980 zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis ein. Die Patienten gehen dabei für kurze Zeit in eine Kältekammer mit Temperaturen um die minus 100 Grad Celsius. Der oberflächliche, aber extreme Kältereiz auf der Haut soll das Nervensystem aktivieren, Schmerzen lindern und das Immunsystem positiv beeinflussen.

Neben entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wird die Behandlung heute für viele andere Krankheitsbilder eingesetzt, wie Fibromyalgie oder Hauterkrankungen, wobei sich die beschriebenen positiven Effekte vor allem von Anwendungsbeobachtungen und kleinen Studien ableiten. Auch im Leistungssport sind Kältekammern zunehmend beliebt, um die Regeneration zu fördern. Einige Sportler erhoffen sich sogar eine Leistungssteigerung.

Wie funktioniert es?

Die Ganzkörperkältetherapie kann Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen. Außerdem soll sie abschwellend wirken und die Durchblutung anregen. Was genau der großflächige, extreme Kältereiz auf zellulärer Ebene bewirkt, ist noch nicht genau erforscht. Es wird vermutet, dass das Nervensystem körpereigene, schmerzlindernde Hormone produziert. Zugleich wird auch die Weiterleitung von Schmerzen an das Gehirn blockiert. Andere Stoffe sorgen dafür, dass weniger entzündungsauslösende Enzyme produziert werden.

Die schmerzlindernde Wirkung tritt sofort nach der Behandlung ein und hält wenige Stunden bis Tage an. Wichtig: Die Therapie ist nicht als einzelne Maßnahme zu betrachten und kann keine Erkrankungen heilen. Sie wird in der Regel zusätzlich zu anderen Therapien angewandt, um beispielsweise Physiotherapien effizienter zu gestalten oder um den Gebrauch von meist nebenwirkungsreichen schmerz- oder entzündungshemmenden Medikamenten zu reduzieren.

Was muss man vor der Anwendung beachten?

Vor der ersten Anwendung wird dringend empfohlen Rücksprache mit einem Arzt zu halten. Patienten können ihren Hausarzt bitten, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung auszustellen. Vor allem Kontraindikationen müssen ausgeschlossen werden.

Gibt es keine ärztlichen Bedenken, gehen die Patienten in Badekleidung in die Ganzkörperkältekammer. Denn für den größtmöglichen Effekt soll möglichst viel Haut unbedeckt bleiben. Hände, Füße, Ohren, Mund und Nase werden aber besonders geschützt. Die Haut darf nicht nass oder feucht sein, da der Flüssigkeitsfilm bei den extremen Minusgraden sonst schnell gefrieren und zu Kälteverbrennungen führen kann. Auch Schmuck, Brillen, Kontaktlinsen oder Pflaster sollen abgelegt werden.

Wie verhält man sich in der Kältekammer?

Kältekammer
Nach zwei bis drei Minuten in der Kältekammer bei über minus 100 Grad ist der Körper weniger schmerzempfindlich.
Quelle: dpa

Unter Aufsicht eines Physiotherapeuten oder Arztes betreten die Patienten die Kältekammer. Modellabhängig gibt es meistens zuerst eine Vorkammer mit minus 60°C, um sich für dort für etwa eine halbe Minute an die Kälte zu gewöhnen. Danach geht der Patient oder die Patientin weiter in die Hauptkammer, wobei die Temperatur darin in der Regel weniger als minus 100°C betragen. Die Patienten gehen in der Kältekammer umher und bewegen sich, um den Kreislauf in Gang zu halten. Einige Ärzte raten dazu, sich auch ab und zu über die Haut zu streichen, um den Kältereiz auf der Haut zusätzlich zu unterstützen.

Die Patienten werden durch Fenster oder Kameras vom Personal beobachtet und erhalten Anweisungen. Sie können die Kammer jederzeit verlassen. Bei der ersten Anwendung wird meistens eine etwas kürzere Anwendungszeit empfohlen. Ansonsten beträgt die Zeit in der Hauptkammer etwa zwei bis maximal drei Minuten.

Was sollte man nach der Kältekammer beachten?

Wenn die Patienten aus der Kammer kommen, stellt sich zunächst oft ein Glücksgefühl ein. Danach ist eine gewisse Müdigkeit möglich. Grundsätzlich kann der Alltag aber normal fortgesetzt werden. Vor allem Rheumapatienten wird empfohlen, sich anschließend zu bewegen.

Günstig ist es, den schmerzärmeren Zustand mit einer Physiotherapie zu kombinieren. Diese kann dann oft effizienter durchgeführt werden, was zu einer verbesserten Beweglichkeit führen kann.

Wie häufig soll man die Therapie anwenden?

Einzelne Anwendungen sind möglich: die Wirkung reicht dann von wenigen Stunden bis Tagen. Je nach Erkrankung werden aber auch Blockbehandlungen in Intervallen empfohlen (zwei Mal täglich für zehn Tage), wodurch die Wirkdauer angeblich bis zu drei Monaten anhalten soll.

Am besten ist die Behandlung bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erforscht. Es fehlen jedoch größere Wirksamkeitsstudien, insbesondere dazu, wie lange die Wirkung anhält.

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Videolänge:
5 min
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