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Leben mit Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom gilt als abgeschwächte Form des Autismus. Autismus ist eine komplexe und vielgestaltige neurologische Entwicklungsstörung. Circa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung, so schätzen Experten, sind davon betroffen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.01.2020

Häufig bezeichnet man Autismus beziehungsweise Autismus-Spektrum-Störungen auch als Störungen der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die sich auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und des Verhaltensrepertoires auswirken. Auf den ersten Blick sind Asperger-Autisten nicht erkennbar. Betroffene sehen normal aus, zeigen jedoch „sonderbare“ Verhaltensweisen. Typisch sind Beeinträchtigungen des Interaktionsverhaltens, mangelndes Einfühlungsvermögen, starres Festhalten an Gewohnheiten, motorische Auffälligkeiten sowie ausgeprägte Spezialinteressen. Aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten stoßen betroffene Kinder auf Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen und Erwachsenen, auch den eigenen Eltern.

Asperger in der Kindheit

Im Vorschulalter beschäftigen sich Kinder mit Asperger-Syndrom am liebsten alleine. Rollenspiele mit anderen Kindern finden nicht statt. Sie bekommen leicht Wutanfälle, wenn von alltäglichen Routinen abgewichen wird. Sie wirken auffallend ungeschickt. Mitunter ist ihre Sprache geprägt von umständlichen Formulierungen. In der Schule fällt es Kindern mit dem Asperger-Syndrom schwer, sich an Regeln zu halten. Sie sind oft auch distanzlos. In Teilbereichen wie der Mathematik beeindrucken sie mit Detailwissen; in anderen Bereichen fehlen ihnen die Grundlagen. Ihre Ungeschicklichkeit führt im Sportunterricht zu Schwierigkeiten. Sie haben wenige oder keine Kontakte zu Gleichaltrigen. Freundschaften entstehen meist nicht, weil das Kind sehr ich-bezogen handelt und seiner Umgebung mit seinem Spezialinteresse (meistens in technischen Bereichen) und ständigen Wiederholungen auf die Nerven gehen kann.

Mimiken und Gestiken können sie nicht deuten, auch Sprachfloskeln wie „Dann hauen wir uns mal eine Runde aufs Ohr“ verstehen sie nicht und nehmen sie stattdessen wortwörtlich. Das mangelnde Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen und die kommunikativen Defizite führen zu Schwierigkeiten im sozialen Bereich.

Betreuung durch Einzelfallhelfer in der Schule

Aufgrund ihrer Defizite in der sozialen Interaktion, werden Asperger-Autisten in der Schule als Störenfriede und Besserwisser wahrgenommen. Sie fahren anderen über den Mund, korrigieren Lehrer und Mitschüler, ohne es böse zu meinen. Trotzdem macht dieses Verhalten die Beschulung von Asperger-Kindern an einer normalen Schule oft unmöglich. Darum ist eine „Eins zu eins-Betreuung“ durch Einzelfallhelfer ganz wichtig, damit auch sie die bestmöglichen Startchancen ins Leben bekommen. Er begleitet das autistische Kind täglich durch den Schulalltag und sitzt im Unterricht neben ihm. Er fungiert dabei als Sozialtrainer und Vermittler. Das heißt, der Einzelfallhelfer bremst zum Beispiel das Kind in seinem Mittelungsdrang aus, erklärt und trainiert mit ihm wichtige Verhaltensregeln und vermittelt in der Interaktion mit Lehrern und Mitschülern.

„Wenn der Autist so früh wie möglich diese Hilfe an die Seite gestellt bekommt, dann nimmt das auch einen sehr positiven Einfluss auf seine Entwicklung. Er versteht frühzeitig, was die Leute von ihm wollen, er versteht frühzeitig, wie er sich zu verhalten hat, um nicht anzustoßen oder anzuecken und kann das frühestmöglich in seinen Entwicklungsprozess einfließen lassen“, so Alexander Haase, Ergotherapeut und Einzelfallhelfer, Autismus-Zentrum Chemnitz.

Unterstützung im Beruf

Durch intensives Training können Betroffene erlernen, Mimik und Gestik richtig zu verstehen, alltägliche Situationen zu bewältigen und in Gesprächen situationsangemessen zu reagieren. Und das ist auch für die berufliche Integration von großer Bedeutung. Dennoch fällt es vielen Asperger-Autisten schwer, beruflich Fuß zu fassen, obwohl sie fachlich kompetent sind. Für die Leiterin des Chemnitzer Autismuszentrums Bärbel Klapper, liegt das vor allem daran, dass es immer noch zu viel Unwissenheit und zu große Berührungsängste auf der Arbeitgeberseite gibt. Dr. Bärbel Klapper, Leiterin des Autismus-Zentrums in Chemnitz: „Bei guter Begleitung, Unterstützung und viel Verständnis ist das ein Gewinn für jeden. Weil es sind sehr, sehr wertvolle Menschen, sehr ehrliche Menschen und sehr fleißige und ehrgeizige Menschen.“

Asperger-Autisten haben ein großes Konzentrationsvermögen, sind ausdauernd und akribisch, sie legen Wert auf Detailgenauigkeit und haben eine besondere Art, logisch zu denken – doch meistens sind es die sozialen Aspekte, die sie überfordern. Ohne gewisse soziale Fähigkeiten kommt man im Allgemeinen nicht mal durch das Vorstellungsgespräch. Die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Asperger-Syndrom ist daher sehr hoch – geschätzt wird, dass nur circa 15 Prozent der Menschen mit dem Asperger-Syndrom eine Vollzeitstelle haben. Um im Berufsleben Fuß zu fassen, brauchen viele Asperger-Autisten auch im Erwachsenalter meistens eine Art Betreuer, der zwischen ihnen, den Kollegen und den Chefs vermittelt. In den letzten Jahren hat sich diesbezüglich viel getan. Durch das Bundesteilhabegesetz haben Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung Anspruch auf Leistungen, die es ihnen ermöglichen, einen Beruf zu erlernen und auf dem ersten Arbeitsmarkt auszuüben oder ein Studium an einer Hochschule bzw. Universität zu absolvieren.

Weiterführende Informationen dazu gibt es beim Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus.

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