Sie sind hier:

Lichtdesign auf Intensivstationen

Verbraucher | Volle Kanne - Lichtdesign auf Intensivstationen

Wenn Patienten nach einer Narkose Symptome von Angst und Orientierungslosigkeit zeigen, sprechen Experten von einem post-operativen Delir. In der Berliner Charité arbeitete ein Team aus Medizinern und Gestaltern an der Prävention des Symptoms.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.07.2019, 09:05

Knapp ein Viertel der Betroffenen des Symptoms leidet langfristig unter den Spätfolgen und kann nicht mehr in ein normales Leben zurückkehren. Das Phänomen ist wenig erforscht und es gibt bisher auch keine effiziente Therapie. Pionierarbeit zur Prävention wurde nun in der Berliner Charité geleistet: Ein interdisziplinäres Team konzipierte über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren eine Intensivstation mit zwei Zimmern und insgesamt vier Betten komplett neu: Intensivmediziner und Pflegepersonal arbeiten dafür mit Architekten und Mediengestaltern zusammen, ferner wurde das Projekt von Sprachforschern, sowie Licht- und Akustikexperten unterstützt.

„Out of the Box“ denken

Ausgangspunkt des Projekts war, eine möglichst angenehme, angstfreie Umgebung zu schaffen. Prof. Claudia Spies, Initiatorin und Leiterin des Projekts, holte sich bewusst Partner ins Boot, die die übliche Krankenhausarchitektur ganz neu überdenken sollten. Unter Designern und Kreativen spricht man in solchen Fällen vom „out of the box“-Denken - gemeint ist der Blick über den Tellerrand. Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick mehr nach Hotelzimmer als nach Krankenhaus aus: dunkles Holz, Möbelelemente mit abgerundeten Ecken, und als Kernstück ein vier Quadratmeter großer Lichthimmel, der sich über dem Krankenbett wölbt.

Biodynamisches Licht reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus

Gesunder Schlaf fördert die Selbstheilungskräfte. Doch gerade bei Intensivpatienten ist der Tag-Wach-Rhythmus meist gestört. Aus der Chronobiologie weiß man: Menschen, die tagsüber eine vernünftige Beleuchtung haben, schlafen nachts messbar tiefer und länger. Der Lichthimmel im Intensivzimmer vermittelt nicht nur ein Gefühl der Geborgenheit, er reguliert auch die innere Uhr der schwer kranken Patienten, indem spezielle Lichtprogramme den natürlichen Wechsel von Tag und Nacht simulieren.

Krankenhausgeräusche reduzieren

Herzfrequenzmessgerät
Ursachen für die Geräuschkulisse Quelle: Imago / Rupert Oberhäuser

Das neue Intensivzimmer hat nicht nur optische Vorteile: auch die typischen Klinikgeräusche wie piepsende Monitore, brummende Sauerstoffgeräte und geräuschvolle Schubladen sollen reduziert werden. Technik, die nicht ständig im Blick sein soll, wird hinter Holzblenden versteckt, die störenden Geräusche somit abgedämmt. Alarmsignale sind nicht mehr direkt im Zimmer zu hören, wo sie Angehörige und Patienten gleichermaßen beunruhigen. Sie werden nun in einen eigens konzipierten Observationsraum übertragen, der die beiden Intensivzimmer als Mittelstück miteinander verbindet. Hier kann das Personal die Patienten durch Glasfenster von außen beobachten.

Die Schubladenschränke mit medizinischem Material sind so konzipiert, dass man sie im Observationsraum auffüllen kann und auf der anderen Seite, im Patientenzimmer, das Material wiederum entnehmen kann. So wird eine weitere Lärmquelle vermieden. Messungen zeigen: Im neuen Intensivzimmer kann der Geräuschpegel auf unter 40 Dezibel gesenkt werden. Auf herkömmlichen Stationen steigt er auf bis zu 80 Dezibel - eine Geräuschkulisse wie im Großraumbüro.

Ziel erreicht: Delire verhindern

In einer Ministudie hat Claudia Spies die Daten von 37 Patienten im Projekt-Zimmer mit 37 weiteren Patienten auf einer normalen Station verglichen. Im neuen Intensivzimmer konnten Delire um knapp die Hälfte gesenkt werden und die Patienten brauchten weniger Medikamente. Dieses Ergebnis soll in den nächsten Jahren in größeren, randomisierten Studien an mehreren Intensivzentren verifiziert werden. Der Prototyp des neuen Intensivzimmers soll bald in Serie gehen. In der Anschaffung soll er dann nicht viel teurer werden als die Einrichtung eines herkömmlichen Intensivzimmers.

Weitere Gesundheitsthemen

Stottern online therapieren

Verbraucher | Volle Kanne - Stottern online therapieren?

Ein Pilotprojekt macht's möglich - doch kann das übers Internet so einfach funktionieren?

Datum:
3-D-Grafik von Frau, die sich das schmerzende Knie hält

Verbraucher | Volle Kanne - Osteoporose-Risiko senken

Womit lässt sich der Knochenkrankheit vorbeugen?

Videolänge:
3 min
Datum:
Junges Paar mit Pille

Verbraucher | Volle Kanne - Böse Pille?

Dickmacher, Depressiva oder Krebserreger? Was ist wirklich dran?

Videolänge:
5 min
Datum:
Kind  verwuschelt sich die Haare

Verbraucher | Volle Kanne - Was hilft wirklich gegen Kopfläuse?

Viele Mythen ranken sich um die kleinen Krabbler, aber nur manche stimmen. Wir räumen mit Vorurteilen auf.

Videolänge:
5 min
Datum:
Messung Blutdruck

Verbraucher | Volle Kanne - Wenn Medikamente nicht anschlagen

Bluthochdruck kann auf eine Nebennierenerkrankung wie das Conn-Syndrom hindeuten.

Videolänge:
5 min
Datum:
Mit Seife eingeriebene Hände

Verbraucher | Volle Kanne - Handhygiene-Check

Wie und wann sollte man sich die Hände waschen?

Videolänge:
5 min
Datum:

Auch interessant

Stottern online therapieren

Verbraucher | Volle Kanne - Stottern online therapieren?

Ein Pilotprojekt macht's möglich - doch kann das übers Internet so einfach funktionieren?

Datum:
Richter im Gerichtssaal

Verbraucher | Volle Kanne - EuGH-Urteil zu Filesharing

Inhaber eines Internetanschlusses haften auch für Aktivitäten anderer im Netz.

Videolänge:
6 min
Datum:
3-D-Grafik von Frau, die sich das schmerzende Knie hält

Verbraucher | Volle Kanne - Osteoporose-Risiko senken

Womit lässt sich der Knochenkrankheit vorbeugen?

Videolänge:
3 min
Datum:
Schauspielerin Ulrike Folkerts bei den Dreharbeiten zu "Rosamunde Pilcher" in Cornwall

Verbraucher | Volle Kanne - Ulrike Folkerts in Cornwall

Die Schauspielerin dreht in Cornwall für "Rosamunde Pilcher".

Videolänge:
6 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.