Sparen bei den Nebenkosten

Tipps für Heizung, Strom und mehr

Verbraucher | Volle Kanne - Sparen bei den Nebenkosten

Die Mietnebenkosten belasten die privaten Haushalte nicht unerheblich. Doch bei den Nebenkosten schlummern auch Sparpotentiale: WISO sagt Ihnen, wo und wie Sie clever sparen können.

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Video verfügbar bis 21.10.2017, 14:00

Einmal im Jahr erhalten Millionen Mieter die Betriebskostenabrechnung – umgangssprachlich auch Nebenkostenabrechnung genannt. Die Nebenkosten belasten die privaten Haushalte nicht unerheblich. Gründe dafür sind etwa gestiegene Energiepreise und Grundsteuern. Doch bei den Nebenkosten schlummern auch Sparpotentiale.

Laut Deutschem Mieterbund zahlen Mieter in Deutschland durchschnittlich 2,17 Euro pro Quadratmeter für Nebenkosten im Monat. Werden alle denkbaren Betriebskostenarten – von der Warmwasserversorgungsanlage bis zum Hausmeister – mit den jeweiligen Einzelbeträgen zusammen gerechnet, sind das bis zu 3,18 Euro pro Quadratmeter monatlich. Nimmt man diesen Höchstsatz, macht das im Jahr 3052,80 Euro in einer 80qm-Wohnung. Nicht umsonst werden die Nebenkosten im Volksmund auch „zweite Miete“ genannt.

Warme und kalte Betriebskosten

Zu den „warmen“ Betriebskosten gehören Heizkosten, zentrale Warmwasserbereitung sowie die verbundene Heizungs- und Warmwasserversorgungsanlage. Sie sind verbrauchsabhängig zu berechnen. Pauschalen oder Berechnungsschlüssel finden hier keine Anwendung. Heißt: Der Vermieter muss dafür sorgen, dass der tatsächliche Verbrauch genau erfasst wird und die dazu nötigen Systeme einmal jährlich abgelesen werden. Der Termin, wann die Daten abgelesen werden, muss mindestens eine Woche vorher angekündigt werden.

Zu den „kalten“ Betriebskosten zählen Posten wie zum Beispiel die Grundsteuer, Wasser, Abwasser, Gebühren für Müllentsorgung und Straßenreinigung, private Dienstleistungen wie Hausmeister, Treppenhausreinigung, Aufzug oder Gartenpflege. Hinweis: Üblich ist, dass sie nach Wohnfläche oder Personenzahl umgelegt werden.

Heizkosten senken – so sparen Sie selbst Energiekosten

Wollen Sie selbst aktiv werden, dann wenden Sie die goldene Regel beim Heizen an:
Es muss nicht überall gleich warm sein! Generell gilt: „Heizen Sie daher besser kontrolliert: In der Küche empfehlen sich 18 bis 20 Grad, im Bad bis zu 23 Grad. Im Wohnzimmer reichen 20 bis 22 Grad und im Schlafzimmer sind 16 bis 18 Grad in Ordnung“, so Jürgen Sabeder. Er arbeitet als Energieberater bei der Klimaschutzagentur in Wiesbaden. Seine Erfahrung: „So können Sie fünf bis zehn Prozent Heizenergie und damit Geld sparen!“ Jürgen Sabeder hat noch einen anderen Tipp: „Stellen Sie Heizkörper nicht zu oder decken sie diese ab – sonst kann sich die Wärme nicht im Raum verteilen. Oder anders ausgedrückt: Bis zu 15 Prozent der Wärmeleistung gehen sonst verloren.“


Tipp: Programmierbare Thermostate steuern die Heizungen aufs Grad genau und reduzieren die Heizzeit. Beispiel: Morgens und abends darf es im Bad 23 Grad warm sein. Den Rest des Tages genügen 18 Grad. Kosten je Thermostat: 15 Euro. Ersparnis: durchschnittlich 50 Euro pro Jahr.

Vor allem während der Heizperiode gilt: Stoßlüften! Drehen Sie die Heizung runter und öffnen Sie die Fenster für wenige Minuten. Das ist ausreichend, um die gesamte Raumluft auszutauschen. Klingt banal, kann aber eine Energieersparnis von durchschnittlich "150 Euro pro Jahr bringen – im Vergleich zu ständig gekippten Fenstern bei kalten Außentemperaturen“, weiß Sabeder von der Klimaschutzagentur.

Wasserkosten senken

Beim Duschen, Baden und der Körperpflege wird der größte Teil des warmen Wassers im Haushalt verbraucht – nämlich rund ein Drittel des Gesamtwasserverbrauchs. Wollen Sie Wasser sparen, dann fangen Sie dort an, wo das Wasser raus kommt: am Wasserhahn und Duschkopf. Gerade das Duschen verbraucht in der Regel sehr viel warmes Wasser.

Auch hier hat Jürgen Sabeder einen Tipp: „Um warmes Wasser – und damit Geld – zu sparen, helfen Durchlaufbegrenzer oder sog. Luftsprudler-Aufsätze oder Perlatoren. Diese Aufsätze mischen dem Wasserstrahl Luft bei. Der Effekt: Die Menge des durchfließenden Wassers wird auf etwa die Hälfte reduziert. Kosten im Baumarkt: 10 bis 15 Euro pro Stück. Ersparnis pro Jahr: bis zu 130 Euro im Jahr.

Gute Aufsätze für Duschköpfe kosten ab 50 Euro. Die mischen Wasser mit Luft. Pro Minute fließen dann nur noch sechs statt durchschnittlich 16 Liter Wasser durch den Schlauch. Eine Drei-Minuten-Dusche verbraucht also rund 20 Liter Wasser und nur noch halb so viel Energie. Ersparnis pro Jahr: bis zu 150 Euro.

Außerdem: Viele Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen bieten ihn an: den Eco- oder Sparmodus. In erster Linie wird damit die Wassermenge reduziert. Dadurch braucht man weniger Energie, um das Wasser zu erhitzen. Waschen Sie am besten nur dann, wenn die Maschine voll ist. Waschen Sie bei 40 statt bei 60 Grad und verzichten Sie auf den Trockner. Bei 160 Waschgängen pro Jahr mit 40 Grad plus Verzicht auf Vorwäsche können Sie so bis zu 110 Euro Wasser- und Energiekosten im Jahr sparen.

Strom sparen

„Stromkosten sind zwar kein Bestandteil der Mietnebenkosten – aber ein großer, finanzieller Abrechnungsposten. Mit ein Grund: Wir nutzen immer mehr technische Geräte im Alltag – und zwar gleichzeitig“, sagt Sabeder. Zwar ersetzen mobile Geräte wie Laptop oder Tablet-PC zum Teil stromhungrige und große Computer. Dafür gibt es aber heute immer mehr Haushalte mit zwei, drei, vier oder noch mehr Geräten.

Selbst energieeffiziente, moderne Fernseher werden zu Stromfressern. Der Grund: der Standby-Modus! Schalten Sie Elektrogeräte wie Fernseher, Computer und HiFi-Anlage nach der Benutzung ganz aus. Gehen Sie auf "Nummer Sicher" und ziehen am besten den Stecker. So bekommt das Gerät gar keinen Strom. Dadurch können Sie im Schnitt 100 Euro im Jahr einsparen. Kaufen Sie Steckerleisten mit Ein- und Aus-Schalter. Das ist bequem: Ein Klick – und alle Geräte, die an der Leiste hängen, sind komplett ausgeschaltet.

Auf Energie-Effizienzklassen achten

Achten Sie auch beim Kauf von Kühlschränken, Waschmaschinen und anderen Haushaltsgeräten auf die Energie-Effizienzklassen. Verzichten Sie am besten auf Geräte der Klassen G bis A – und kaufen lieber Geräte mit den Effizienzklassen A+++. Beispiel: Wenn Sie Ihren alten Kühlschrank der Energieeffizienzklasse B durch ein Gerät der Klasse A+++ austauschen, sparen Sie pro Jahr rund 70 Euro ein. Damit finanziert sich der neue Kühlschrank quasi von selbst in sechs bis acht Jahren.

Nebenkosten von der Steuer absetzen

Und: Laut Mieterbund können Mieter die Nebenkosten als sogenannte „haushaltsnahe Dienstleistungen“ steuerlich geltend machen (§35, Absatz 2, Einkommensteuergesetz). Dazu zählen zum Beispiel die Aufwendungen für Hausmeister, die Gartenpflege und die Hausreinigung. Ebenso Wartungsarbeiten – etwa am Aufzug, an der Heizungsanlage und an Warmwassergeräten.

Sie können nicht nur die Arbeitskosten in den Rechnungen der von Ihnen beauftragten Handwerker in ihrer Steuererklärung angeben, sondern zusätzlich auch die Arbeitskosten, die Sie über die Nebenkostenabrechnung bezahlt haben. 20 Prozent der anfallenden Arbeitskosten können direkt von der Steuerschuld abgezogen werden.

Es gibt Obergrenzen

Das Finanzamt akzeptiert nur die reinen Personal-, nicht aber die Materialkosten. Heißt: Die Kosten zum Beispiel für Putzmittel sind extra aufzuführen. Der Steuerabzug ist nur bis zu einer gewissen Höchstsumme der Aufwendungen pro Jahr möglich:
- Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse (Haushaltshilfe, Pflege): Hier können Sie bei Aufwendungen bis zu 20.000 Euro 20 Prozent absetzen, höchstens 4000 Euro.

- Geringfügig beschäftigte Haushaltshilfen: Hier können Sie bei Aufwendungen bis 2550 Euro 20 Prozent absetzen, also höchstens 510 Euro.

- Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen: Hier können Sie höchstens 20 Prozent des Arbeitslohns bis zu einer Höchstgrenze der Aufwendungen von 6000 Euro geltend machen. Dies ergibt eine Steuervergünstigung von bis zu 1200 Euro im Jahr. Und: Sie müssen dem Finanzamt die Originalrechnung des Handwerksbetriebs mit aufgeschlüsselten Arbeitskosten sowie den Bankauszug mit der entsprechenden Abbuchung vorlegen.

Heißt: Wer bis zum 31. Mai die Steuererklärung für 2017 abgeben muss, hat die aktuelle Nebenkostenabrechnung wahrscheinlich noch gar nicht vorliegen. Entscheidend ist nicht das Jahr, in dem die Kosten entstanden sind, sondern das der Abrechnung. Beispiel: Erhalten Sie im September 2017 die Nebenkostenabrechnung für 2016, zählen die Ausgaben für 2017. Eine weitere Möglichkeit: Man gibt die Steuererklärung erst mal ohne die haushaltsnahen Dienstleistungen ab und legt Einspruch ein, wenn der Steuerbescheid da ist. Liegt die Abrechnung dann vor, wird die Steuer neu berechnet.

Genereller Check vom Experten

Wollen Sie Ihre Energiekosten senken, können Sie sich zum Beispiel Hilfe von Experten holen. Die Verbraucherzentralen bieten einen sogenannten Basischeck an. Zehn Euro kostet der. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800 – 809 802 400 können Sie sich für einen Energiecheck anmelden.

Und der geht so: Ein Energieberater der Verbraucherzentrale kommt zu Ihnen nach Hause und prüft den Strom- und Heizenergieverbrauch. Er berät zum richtigen Heizen und Lüften sowie zum Stromsparen. Innerhalb eines Monats erhalten Sie einen Bericht mit konkreten Tipps, um Energiekosten zu sparen. Das Angebot richtet sich an Mieter, Eigentümer und Vermieter mit bis zu sechs Wohneinheiten.

Der Deutscher Mieterbund hat weitere Tipps, um Betriebs- bzw. Nebenkosten zu reduzieren. Auch die Verbraucherzentrale bieten eine unabhängige Energieberatung an, um u. a. Energie- und Nebenkosten zu sparen. Weiterführende Infos bei Fragen rund um die Umsetzung von energiesparenden Maßnahmen: zukunft-haus.info. Und: Stromsparcheck der Caritasfür Leistungsempfänger.

Was tun bei einer falschen Nebenkostenabrechnung?

Der Deutsche Mieterbund schätzt übrigens, dass fast jede zweite der rund 21 Millionen Nebenkostenabrechnungen in Deutschland fehlerhaft oder zumindest unvollständig ist. Haben Sie den Verdacht, dass Ihre Nebenkostenabrechnung fehlerhaft ist? Dann heißt es zunächst einmal: Kosten selbst prüfen! Und das geht so: Verschaffen Sie sich zum Beispiel anhand eines aktuellen Betriebskostenspiegels im Internet einen Überblick über die Höhe der Nebenkosten in Deutschland und speziell für Ihre Region, zum Beispiel beim Mieterbund. Angegeben sind dort die durchschnittlichen Betriebskosten pro Quadratmeter. Zum Beispiel zahlen Mieter in Deutschland für den Hauswart im Schnitt 21 Cent im Monat. Bezogen auf Ihre Wohnung, teilen Sie die einzelnen Betriebskosten durch Ihre konkrete Quadratmeterzahl.

Zum Beispiel sollen Sie 400 Euro für den Hausmeister im Jahr bezahlen, geteilt durch 70 Quadratmeter, sind das 5,71 Euro jährlich oder 48 Cent im Monat. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt. Dafür sollte Ihnen der Vermieter eine Begründung geben. Denn er ist zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Am Betriebskostenspiegel können Sie erkennen, ob Ihre konkreten Nebenkosten über oder unter dem Durchschnitt (2,17 Euro pro Quadratmeter) liegen. Wichtig ist in einem weiteren Schritt festzustellen, wie hoch der Unterschiedsbetrag genau ist: Vergleichen Sie die aktuelle Nebenkostenabrechnung mit der Vorjahresabrechnung und legen Sie den regionalen Betriebskostenspiegel zur Orientierung daneben.

Nebenkostenabrechnungen bis ins Detail selbst aufdröseln und abgleichen – das bleibt kein leichtes Unterfangen. Sinnvoll ist – bei hinreichendem Verdacht falsch abgerechneter Posten – sich Hilfe von Experten zu holen, zum Beispiel bei der örtlichen Verbraucherzentrale oder dem Deutschen Mieterbund.

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