Nachhaltiger Tourismus

Urlaub im Einklang mit Land und Leuten

Verbraucher | Volle Kanne - Nachhaltiger Tourismus

Mit dem Flieger oder dem Kreuzfahrtschiff in die Sonne: Das ist verlockend, aber alles andere als umweltfreundlich. Doch wie kann man ökologisch verträglich reisen?

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.06.2017, 14:00

Im Urlaub wollen die meisten vor allem Sonne. Mit dem Flieger sind Schönwetterziele problemlos zu erreichen. So wächst die Zahl der Fernreisen von Jahr zu Jahr, obwohl klar ist, dass der Tourismus zum Klimawandel beiträgt. Wie man möglichst ökologisch und sozial verträglich reisen kann, erklärt Prof. Dr. Dirk Reiser, Experte für nachhaltigen Tourismus.

Umwelt und Klima schützen, soziale Gerechtigkeit – wollen wir das nicht alle? Vielen ist zwar bewusst, dass Tourismus in seiner aggressiven Form die Umwelt schädigt und zur sozialen Ausbeutung beiträgt, doch bei der konkreten Urlaubsplanung spielt das bei den wenigsten eine Rolle. Kaum jemand ist bereit aus ökologischen Gründen auf Flugreisen zu verzichten. „Das Passagieraufkommen ist von 2004 bis 2014 um 85 Prozent gestiegen. Auf diesem Niveau werden wir langfristig nicht agieren können – auch wenn der Spritverbrauch gesunken ist“, warnt Dirk Reiser, Professor für nachhaltigen Tourismus.

Ein erster Schritt wäre, nicht so häufig zu fliegen und wenn, dann „effektiv“ – das heißt: weite Strecken mit einem längeren Aufenthalt verknüpfen und Wochenendtrips mit dem Flieger vermeiden. „Am effektivsten ist die Mittelstrecke. Die Kurzstrecke ist am wenigsten effizient, Start und Landung fallen zu sehr ins Gewicht“, so Reiser. Er empfiehlt dosiert zu fliegen, sich in einem Jahr eine Fernreise zu gönnen, im nächsten Jahr im eigenen Land zu urlauben, auch mal Balkonien zu genießen, um sich dann wieder auf weiter entfernte Reiseziele zu freuen.

Das Kreuz mit den Kreuzfahrten

Kreuzfahrten boomen seit Jahren – viele Ziele in wenigen Tagen und das mit viel Komfort.
Prof. Dr. Reiser ordnet sie jedoch kritisch ein: „Die lokale Bevölkerung der besuchten Destination verdient oft recht wenig an den Touristen. Zudem fahren die Schiffe bisher mit belastendem Schweröl, es gibt aber auch die Möglichkeit von umweltfreundlicheren Gas-Turbinen-Schiffen.“ Zerbrechliche Ökosysteme wie die Antarktis – auch im Repertoire der Kreuzfahrten – sollten wir aus Respekt vor der Natur nicht bereisen.

Entscheidend für eine Veränderung ist vor allem der Massentourismus. „Erst wenn die Kunden vom Reiseveranstalter nachhaltiges Verhalten einfordern, werden sich Unternehmensphilosophien ändern“, so Reiser.

All inclusive

Strandkörbe
Nord- und Ostsee locken mit Strandkörben.

Keinen Stress mit der fremden Sprache, keine Auseinandersetzung mit der Kultur vor Ort, einfach nur entspannen am Strand – All-inclusive-Angebote sind für viele Urlauber verlockend. Doch die lokale Bevölkerung profitiert von dieser Form des Tourismus am wenigsten: Gewinne kommen nicht bei ihnen an. Die Jobs sind vielfach im Niedriglohnsektor angesiedelt, Aufstiegschancen gibt es kaum. Zudem bleibt ihre Kultur ausgeschlossen, denn der Kontakt mit Einheimischen ist auf das Dienstleistungsverhältnis beschränkt.

Reiser empfiehlt sich kleinere, unabhängige Hotels von lokalen Anbietern zu suchen, am besten mit Siegel (Europa: „green Key“, CSR für Hotels, Green-Globe21, USA: „green seal“). „Leider gibt es zu viele Labels und keine einheitlichen Standards. Trotzdem ist in vielen Fällen ein Hotel mit Label besser als eins ohne.“ Es lohnt sich genau hinzuschauen: Reiseveranstalter, die sich ökologisch oder sozial engagieren, machen das im Katalog kenntlich. Sie achten auf Wasser- und Energieverbrauch, arbeiten mit lokalem Personal und unterstützen lokale (Umwelt-) Projekte.

Bedenkliche Touristenattraktionen

Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit sollte man auch bei Ausflügen und Unternehmungen vor Ort einheimische Unternehmen bevorzugen. Manche Tourismusattraktionen sind grundsätzlich nicht mit der Umwelt in Einklang zu bringen. Prof. Dr. Reiser bemängelt beispielsweise den Golfplatz-Tourismus (Pestizide, Herbizide, hoher Wasserverbrauch), die Skihalle in der Wüste Dubais und Jetskis (Verletzungsgefahr für Tiere, Luft- und Lärmbelästigungen). Auch das Tauchen an Riffen ist bedenklich – bitte nur unter Aufsicht und mit Schwimmwesten. In Tropfsteinhöhlen sollte man nichts anfassen – Stalagmiten wachsen nach Berührung nicht weiter.

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