Nicht zu hoch, nicht zu weit

Rechtliches rund um den Gebrauch von Multicoptern

Verbraucher | Volle Kanne - Nicht zu hoch, nicht zu weit

Für viele sind sie mittlerweile ein Freizeitvergnügen: Multicopter. Doch ganz ungefährlich sind die Fluggeräte nicht - zum Beispiel können sie Flugzeugen in die Quere kommen.

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8 min
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Video verfügbar bis 10.05.2017, 14:00

Es ist ein Hobby, das viele begeistert: Multicopter erfreuen sich großer Beliebtheit. Geschätzte 300.000 Stück hat der Einzelhandel im letzten Jahr verkauft. Doch die Spielzeuge werden zusehends zu einer Gefahr, etwa wenn sie dem Flugverkehr zu nahe kommen. Was mit Multicoptern erlaubt ist und was nicht, erklärt Hans-Jürgen Engler vom Deutschen Modellflieger Verband (DMFV).

In Deutschland gibt es im Umfeld von Flughäfen ein Aufstiegsverbot für Multicopter. Doch um spektakuläre Bilder zu machen, sind die Hobbypiloten gerade bei Starts und Landungen von Flugzeugen oft nicht weit. Die Kollision eines Flugzeugs mit einem Multicopter kann im schlimmsten Fall zu einer Katastrophe führen.

Tatsächlich treffen Piloten beim Landeanflug immer wieder auf Multicopter – bislang zum Glück ohne schwere Unfälle. Der Deutschen Flugsicherung zufolge gab es allein im Jahr 2015 zehn Vorfälle – zum Teil nur Sichtungen, teilweise aber auch Begegnungen.

Fliegen ohne Führerschein

Zwar gibt es in Deutschland noch keinen speziellen Führerschein für Multicopter-Piloten, doch wer aus der Luft filmen oder fotografieren möchte, muss sich an bestimmte Regeln halten – nicht nur im Umfeld von Flughäfen. „Beim Betrieb eines Multicopters im öffentlichen Luftraum, also unter freiem Himmel, gelten im privaten Bereich die gleichen gesetzlichen Grundlagen wie für ein Flugmodell“, erklärt Hans-Jürgen Engler vom Deutschen Modellflieger Verband (DMFV). Luftrechtlich genehmigungsfrei sei demnach der Betrieb von Multicoptern mit Elektromotoren bei einem Abfluggewicht von unter fünf Kilogramm. Liegt es darüber, sei eine Aufstiegserlaubnis der Luftfahrtbehörde nötig, so der Experte.

Bei der gewerblichen Nutzung gilt: „Unabhängig von Größe und Gewicht ist hier immer eine entsprechende Aufstiegserlaubnis erforderlich. Sie wird von den örtlich zuständigen Behörden des Landes erteilt“, erklärt Engler. Der Hintergrund sei, dass die Multicopter beim gewerblichen Einsatz nicht mehr als Flugmodelle gelten, sondern als unbemannte Luftfahrtsysteme.

Bußgelder drohen

Sinngemäß gelte auch für Multicopterflüge der Paragraph 1 der Luftverkehrsordnung, so Hans-Jürgen Engler: Dieser besage, dass niemand gefährdet oder belästigt werden dürfe. „Das schließt zum Beispiel auch schon ganz automatisch das Fliegen über Menschenansammlungen aus. Vor einem Flug über ein Wohngebiet sollte man sich eine Erlaubnis holen“, sagt der Experte. Generell verboten und nur mit einer speziellen Genehmigung zulässig sei auch das Überfliegen von Sicherheitsbereichen wie Unglücksorten, Einsatzstellen der Polizei und Feuerwehr, Militäranlagen, Haftanstalten und Kraftwerken.

In besonderem Maße gelte das Verbot für Flughäfen im Umkreis von anderthalb Kilometern um deren Außenbegrenzungen. „In Kontrollzonen von Flughäfen ist eine maximale Höhe von 30 Metern einzuhalten, bei gewerblichen Flügen 50 Meter. Es drohen schwere Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000 Euro“, warnt Engler und ergänzt, dass der Aufstieg eines Multicopters als Straftat gewertet werden könne, wenn dadurch der Flugbetrieb gestört werde. „Liegt zum Beispiel ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr nach Paragraph 315 des Strafgesetzbuches vor, kann eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahre verhängt werden.“ In Natur- oder Vogelschutzgebieten müsse der Aufstieg von Multicoptern von den Naturschutzbehörden genehmigt werden, so der Experte weiter.

Extra versichert

Bei Unfällen hafte die normale Haftpflichtversicherung in der Regel nicht, sagt Hans-Jürgen Engler. Vielmehr sei eine gesonderte Versicherung notwendig. „Seit 2005 gibt es eine Versicherungspflicht auch für Luftfahrzeuge unter fünf Kilogramm. Wer ohne sie fliegt, verstößt gegen die Luftverkehrsordnung.“ Dies sei vergleichbar mit einer KfZ-Versicherung: Ist das Auto nicht versichert, darf man damit auch nicht fahren. Doch während man das eigene Auto ohne Versicherung zumindest auf dem eigenen Grundstück fahren dürfe, gelte dies für den Multicopter nicht: „Auch auf dem eigenen Grundstück darf ich den Multicopter nicht ohne Versicherung fliegen, denn sobald er abhebt, ist er nicht mehr auf meinem Grundstück, sondern im öffentlichen Luftverkehrsraum“, ergänzt der Experte.

Je nach Tarif liegen die Kosten für eine sogenannte „Halterhaftpflichtversicherung für Flugmodelle“ zwischen 40 und 150 Euro im Jahr. „Es kann durchaus Sinn machen, in einen Modellflugverband einzutreten. Im Jahresbeitrag, der bei Jugendlichen circa 12 Euro und bei Erwachsenen etwa 42 Euro beträgt, ist eine Versicherung inbegriffen“, sagt Engler.

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