Rechtsschutzversicherungen im Test

Verbraucher | Volle Kanne - Rechtsschutzversicherungen im Test

Finanztest hat 54 Rechtsschutzpakete von 31 Versicherern getestet. Welche Familien-Police bietet das beste Preis-Leistungsverhältnis?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.07.2018, 09:05

Streit um ein Verkehrsdelikt, Ärger mit dem Arbeitgeber oder eine Auseinandersetzung mit der Berufsunfähigkeitsversicherung: In vielen Fällen ist eine Rechtsschutzversicherung hilfreich, um nicht auf den Kosten sitzenzubleiben, wenn anwaltliche Hilfe nötig ist. Doch die Konditionen unterscheiden sich je nach Anbieter erheblich – und vor allem haben sie sich im Laufe der Jahre verschlechtert.

Für ihren Test verglichen die Experten von Finanztest am Beispiel einer Familie mit zwei Kindern die Preise und Leistungen von 54 Rechtsschutzpaketen, die die Bereiche Privat, Beruf und Verkehr bei Nichtselbstständigen abdecken. Besonders wichtig waren dabei die Versicherungsbedingungen, die zu 90 Prozent in die Endnote einflossen. Positiv wurde dabei zum Beispiel gewertet, wenn ein Versicherungsnehmer bereits im vorgerichtlichen Widerspruchsverfahren den Rechtsschutz beanspruchen kann. Der Umfang des Rechtsschutzes spielte ebenso eine Rolle wie Deckungssummen und der Kreis der mitversicherten Personen. 

Schlechtere Konditionen

Den Testern fiel besonders auf, dass sich die Konditionen bei etlichen Anbietern im Vergleich zum Test aus dem Jahr 2014 verschlechtert haben. Dies betrifft zum Beispiel den Ausschluss von Rechtsschutz in Widerrufsfällen – ein Punkt, der in der Vergangenheit etwa für Besitzer eines vom Abgasskandal betroffenen Autos oder für Inhaber eines Immobilienkredits mit falscher Widerrufsbelehrung relevant war. Einige Anbieter haben laut Finanztest gar den Versicherungsfall in ihren neuen Bedingungen neu definiert.

Die Experten führen diese Verschlechterung auf eine Reihe von verbraucherfreundlichen Urteilen des Bundesgerichtshofs zurück, die etwa im Zuge des VW-Abgasskandals groß angelegte Widerrufsaktionen zur Folge hatten. Um ihre Rechte mithilfe eines Anwalts geltend zu machen, bemühten viele betroffene Verbraucher offenbar ihre Rechtsschutzversicherung. Mit den neuen Konditionen soll dieses Vorgehen künftig unterbunden werden. Die Experten von Finanztest raten daher all jenen, die bereits vor 2009 einen guten Vertrag mit ihrer Versicherung abgeschlossen haben, diesen nicht zu kündigen, denn für sie gelten noch die alten Regelungen. Mit einem neuen Vertrag fahre man in den meisten Fällen schlechter.

Die Ergebnisse

Wer sich für eine Rechtsschutzversicherung interessiert, kann dem Urteil von Finanztest zufolge aus 14 mit der Note „gut“ bewerteten Rechtsschutzpaketen wählen.  Das günstigste „gute“ Versicherungspaket (Note 1,6) stammt demzufolge von der WGV. Der Tarif „PBV Optimal“ kostet für eine Familie mit zwei Kindern 244 Euro im Jahr. Allerdings geben die Tester zu bedenken, dass die WGV neben der ARAG in der aktuellen Beschwerdestatistik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) mit proportional vielen Kundenbeschwerden auffällt. Zwei weitere Tarife wurden mit der Gesamtnote 1,6 bewertet: „PBV Best“ von der Allianz für 539 bis 613 Euro im Jahr sowie „Premium“ von DAS/Ergo für 404 Euro im Jahr. Mit dem Gesamturteil „mangelhaft“ bilden die beiden Tarife „PBV“ von VGH (Note 4,6) sowie „Top“ von NRV (Note 4,9) das Schlusslicht der Tabelle von Finanztest.

Darauf kommt es an

Die Experten von Finanztest raten all jenen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben, auch zum Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. Offenbar kommt es gerade in diesem Bereich häufig zu Situationen, in denen Streitigkeiten wegen verweigerter Zahlungen vor Gericht landen. Während der Mindestschutz bei allen Anbietern in vielen Bereichen identisch ist, unterscheidet einen guten Tarif zum Beispiel, ob der Rechtsschutz bereits bei einem vorgerichtlichen Schlichtungsverfahren greift, oder ob sowohl die Anwaltskosten als auch die Gerichtskosten übernommen werden.

Ein anderer entscheidender Faktor kann zum Beispiel die Wartezeit sein, die vom Abschluss bis zur Inanspruchnahme einer Leistung eingehalten werden muss – je kürzer, desto besser. Auch die sogenannte Einjahresklausel ist ein wichtiges Kriterium: Sie schützt den Kunden, wenn er Rechts­schutz in einem Rechts­streit benötigt, der sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut hat, dessen erste Ursache aber mehr als ein Jahr vor Vertragsabschluss liegt. Außerdem raten die Experten von Finanztest, einen Tarif mit einer Selbstbeteiligung von  150 Euro abzuschließen, um die Kosten für den Jahresbeitrag zu senken.

Mit Material von Finanztest

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