Schimmel in der Mietwohnung

Welche Rechte habe ich?

Verbraucher | Volle Kanne - Schimmel in der Mietwohnung

Es gibt viele Dinge, die das Leben in einer Mietwohnung beeinträchtigen können. Schimmel ist eins davon. Mieter müssen derlei Mängel aber nicht stillschweigend akzeptieren. Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht Sibylle Voßbeck klärt auf.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.01.2019, 09:05

In einem Fall von Mietmängeln ist es durchaus legitim, eine Mietminderung vorzunehmen. Ein Mangel liegt dann vor, wenn der Mieter die Wohnung nicht wie vertraglich vereinbart nutzen kann, sie also vom Sollzustand abweicht. Bei Feuchtigkeit oder Schimmel ist das definitiv der Fall, bestätigt Sibylle Voßbeck . Dabei sei es unerheblich, ob der Vermieter selbst oder ein Dritter für den Mangel verantwortlich ist.

Eine Mietminderung als Konsequenz zu Mietmängeln ist nach dem Gesetz immer ab dem Zeitpunkt zulässig, ab dem der Mangel auftritt. Dabei muss es sich um einen erheblichen Mangel und nicht um eine Kleinigkeit handeln. Liegt ein solcher Fall vor, sollte man als ersten Schritt sofort den Vermieter informieren. Dies sollte am besten telefonisch geschehen – im Idealfall sogar im Beisein von Zeugen.

Den Vermieter informieren

„Eine Mängelanzeige ist grundsätzlich formlos möglich, sie kann dem Vermieter also mündlich mitgeteilt werden“, sagt Sibylle Voßbeck, Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. Um im Falle einer Unstimmigkeit Beweise vorlegen zu können, sollte der Mangel in jedem Fall aber noch einmal schriftlich, per Einwurfeinschreiben, reklamiert werden.

Hierbei ist es wichtig, vom Vermieter nicht nur eine Beseitigung der Mängel zu fordern, sondern auch eine angemessene Frist zu setzen, in der die Instandsetzung stattzufinden hat. Wie lange diese Frist sein sollte, hängt vom Einzelfall ab. Der Vermieter sollte in jedem Fall darauf hingewiesen werden, dass die Miete bis zur Beseitigung des Mangels nur unter Vorbehalt bezahlt wird. Falls er den Mangel nicht innerhalb der veranschlagten Frist beseitigt, kann man die Miete mindern – auch rückwirkend. Hierfür muss der Vorbehalt im Vorfeld mit dem Vermieter ausgesprochen sein.

Individuelle Mietminderung

Ein Gesetz zur zulässigen Höhe der Mietminderung gibt es nicht. Sie richte sich nach dem Ausmaß der Beeinträchtigung. Je nach Schaden kann der Mieter zwischen einem und hundert Prozent bei vollständiger Unbewohnbarkeit der Wohnung von der Bruttomiete kürzen. Die Mietervereine berufen sich daher auf Gerichtsurteile, die jedoch in der Vergangenheit recht unterschiedlich ausgefallen sind. Bei feuchten Wänden und Schimmel sei eine Minderung bis zu 60 Prozent möglich.

Kommt der Vermieter seiner Pflicht trotz Aufforderung und Mietminderung nicht nach, kann der Mieter zusätzlich noch von seinem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch machen und einen Teil der Miete als Druckmittel einbehalten. Hierdurch soll der Vermieter zum Handeln motiviert werden, denn ihm entgeht nicht nur der geminderte Teil der Miete, sondern obendrein noch der zurückbehaltene Anteil. Wichtig: Sobald der Mangel behoben ist, muss der Einbehalt zurückbezahlt werden, nicht jedoch der geminderte Betrag der Miete.

Der Mieter muss nicht befürchten, durch dieses Prozedere die Wohnung zu verlieren. „Eine Räumungsklage, die auf geminderte Mieten gestützt wird, wird bei vorhandenen und nachweisbaren Mängeln keinen Erfolg haben, weil der Mieter dann zu Recht die Miete gemindert hat“, erklärt Sibylle Voßbeck.

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