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Auf Frühchen vorbereitet sein

Wie Pfleger mit Frühchen-Simulator "Paul" trainieren

Verbraucher | Volle Kanne - Auf Frühchen vorbereitet sein

In der Tübinger Uni-Klinik üben Ärzte und Pflegepersonal jetzt an einem einzigartigen Frühchen-Simulator namens "Paul". Denn wenn ein Frühchen auf die Welt kommt, muss die Versorgung in Sekundenschnelle koordiniert werden.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.11.2019, 09:05

Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Als Frühchen zählen Kinder, die vor der 37. Woche zur Welt kommen. Pro Jahr betrifft das in Deutschland von knapp 740.000 Geburten insgesamt etwa 63.000 Kinder. Die Grenze der Überlebensfähigkeit stellen die 23.-25. Schwangerschaftswoche dar.

Große Bedeutung hat auch das Gewicht. Als Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBW = „very low birth weight infants") gelten Kinder unter 1500 Gramm. Das Risiko zu sterben, liegt bei ihnen etwa 200fach höher als bei Babys mit einem Geburtsgewicht über 2500 Gramm. Überleben sie, drohen ihnen vermehrt Komplikationen wie neurologische Ausfälle, Seh- oder Hörschäden, Krampfanfälle oder chronische Lungenprobleme.

Lunge, Kreislauf und Stoffwechsel in Gefahr

Frühgeborenen drohen durch die Unreife ihrer Organe ganz unterschiedliche Probleme. Direkt nach der Geburt steht die Funktion der Lungen im Vordergrund. Bei sehr frühen Frühchen ist eine sofortige künstliche Beatmung unumgänglich. Die unreifen Kinder haben auch Schwierigkeiten, ihren Blutdruck und Blutzucker selbst zu regulieren und brauchen dabei schnelle Unterstützung.

Kinderärzte nennen als Regel, dass die gesamte Erstversorgung innerhalb von drei Minuten abgeschlossen sein muss, damit die Überlebenschancen der Babys steigen. Das setzt das medizinische Personal, auch wenn es viel Erfahrung hat, jedes Mal unter erheblichen Druck. Gerade für jüngere Ärzte oder Schwestern bleibt keine Zeit, die Handgriffe an den Winzlingen zu üben.

Erstversorgung am Simulator trainieren

Bislang erfolgten Trainings meist an Puppen von circa fünf Kilogramm Gewicht, also praktisch an voll entwickelten Kindern. Um aber den Umgang mit den Frühchen richtig trainieren zu können, wurde nun ein Simulator namens Paul entwickelt. Paul ist 35 Zentimeter lang und wiegt 1000 Gramm. Damit entspricht er einem Frühgeborenen der 27. Schwangerschaftswoche. Sowohl die innere als auch die äußere Anatomie wurden genau nachkonstruiert.

So hat Paul zum Beispiel lebensecht scheinende Atemwege, sein Puls lässt sich an Armen und Beinen sowie der Nabelschnur messen und man hört an ihm Atem-, Darm- und Herzgeräusche. Über einen Laptop gesteuert, können an Paul und seinem angeschlossenen Monitor eine ganze Reihe krankhafter Veränderungen nachgestellt werden wie zum Beispiel Atemnot oder Blutdruckabfall. Das Team kann Paul beatmen, ihm Infusionen anlegen, Blut abnehmen und vieles mehr. Je nach Erfolg der Maßnahmen passt der Betreuende der Steuerungseinheit das Bild am Monitor entsprechend an.

Training stellt kompletten Ablauf nach

Das Training der Erstversorgung von Paul findet unter möglichst realistischen Bedingungen statt. Das heißt, eine Hebamme bringt die Puppe direkt aus dem Kreißsaal zu den zuständigen Ärzten und Pflegern und dann wird in Echtzeit gearbeitet. Dazu kommen auch mögliche „Störfaktoren“ wie hereinplatzende Kollegen, die sich nach dem Zustand des Kindes erkundigen oder Fragen besorgter Eltern. Tatsächlich steigt der Stresslevel bei allen Beteiligten, obwohl sie wissen, dass es sich um eine Simulation handelt.

Ist Paul versorgt, dürfen Vater oder Mutter – falls sie schon wieder aus dem Kreißsaal heraus ist – dann wirklich einen Blick auf Paul werfen und werden über schon durchgeführte und kommende Maßnahmen aufgeklärt.

Ärzte lernen wie Piloten

Das Training an Paul lässt sich mit den Simulationstrainings vergleichen, die Piloten absolvieren müssen, ehe sie ins echte Cockpit dürfen. Den hochmodernen Frühchen-Simulator gibt es in Deutschland bisher an den Universitätskliniken Lübeck und Tübingen. Die Anschaffung und Wartung von Paul kostet etwa 60.000 Euro, bisher beteiligen sich weder die Gemeinden noch die Kassen an den Kosten.

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