Gefürchtete Grippe

Was schützt vor einer Influenza-Infektion?

Verbraucher | Volle Kanne - Gefürchtete Grippe

Die ersten Grippeviren sind schon unterwegs. Kann man mit der Grippeschutzimpfung jetzt sinnvoll vorbeugen oder sich anders schützen? Dr. Christoph Specht klärt auf.

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6 min
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Video verfügbar bis 28.09.2019, 09:05

Im Herbst stellt sich wieder die Frage nach der Grippeschutzimpfung. Erstmals erstatten die gesetzlichen Krankenkassen einen Vierfach-Schutz. Im vergangenen Winter hatten die meisten nur einen Dreifach-Impfstoff erhalten, der nicht vor Influenza B-Viren schützt - die Grippewelle war kaum zu stoppen. "Diese Saison gibt es den teureren, aber auch besseren Vierfach-Impfstoff", so Dr. Christoph Specht. Durch die Impfung sollen sich etwa 90 Prozent der Grippeerkrankungen vermeiden lassen beziehungweise ein milderer Verlauf erreicht werden.

"Dennoch ist es möglich, dass man trotz Immunisierung an Grippe erkrankt. Die Reaktionen auf die Impfung sind individuell unterschiedlich, dementsprechend sind auch die Abwehrkräfte stärker oder schwächer", erklärt Dr. Specht. Zudem gibt es verschiedene Virenstämme - die Impfung wirkt nicht gegen alle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt jedes Jahr neu ein, welche Virusvarianten am wahrscheinlichsten auftreten und gibt Empfehlungen ab. Da die Erstellung des Impfstoffs zwischen sechs und acht Monaten dauert, muss die Zusammensetzung lange im Voraus festgelegt werden - die Viren haben Zeit sich zu verändern. Vor Erkältungen schützt die Grippeschutzimpfung grundsätzlich nicht. Diese können ähnliche Symptome zeigen, werden aber von anderen Viren hervorgerufen gegen die nicht geimpft wird.

Die Influenza

Bei der Grippe, medizinisch Influenza, handelt es sich um eine akute, schwere und hoch ansteckende Infektionserkrankung. Sie tritt meist in Epidemien, also gehäuft, aber örtlich und zeitlich begrenzt auf. Die Erkrankung wird durch Influenza-Viren hervorgerufen. Die Übertragung erfolgt per Tröpfcheninfektion, das heißt durch Husten, Niesen oder beim Sprechen. Die Viren befallen die Schleimhautzellen der oberen Atemwege. Dort vermehren sie sich dann explosionsartig. Mit Freisetzen dieser Virenflut werden ständig neue Körperzellen infiziert und zerstört. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome beträgt nur wenige Stunden bis drei Tage. Im Gegensatz zu einer Erkältung beginnt die Grippe meist plötzlich mit stark ansteigendem Fieber von mehr als 38,5 Grad. Weitere typische Symptome sind Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen und ein trockener Husten. Die Patienten fühlen sich sehr krank, müde und abgeschlagen.

Durch die Virenflut wird das Immunsystem stark belastet und anfälliger für weitere Krankheitserreger. Eine Lungen- oder Herzmuskelentzündung kann die Folge sein. Durch solche Komplikationen kann die Grippe dann plötzlich einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Die Behandlung der Grippe erfolgt symptomatisch mit Bettruhe sowie fiebersenkenden und schmerzlindernden Präparaten. Zur ursächlichen Behandlung der Grippe stehen sogenannte Neuraminidase-Hemmer zur Verfügung. Sie blockieren ein Enzym, das bei der Vermehrung des Virus eine wichtige Rolle spielt. Dadurch verläuft die Infektion milder und klingt schneller ab. Die Therapie muss allerdings so früh wie möglich nach Auftreten der ersten Symptome beginnen, spätestens jedoch nach 48 Stunden.

Impfung für Risikogruppen empfohlen

Laut Ständiger Impfkommission (StiKo) sollten sich insbesondere Menschen über 60 Jahre, Kinder und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen und Immungeschwächte impfen lassen, ebenso Personen, die häufig mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Hier übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die jährliche Grippeschutzimpfung. Viele Betriebe führen jährlich kostenlose Grippeschutzimpfungen durch. Zudem zahlen viele Krankenkassen ihren Mitgliedern die Impfung als Vorsorgemaßnahme. Generell gibt es unterschiedliche Auffassungen, wer sich impfen lassen sollte. Stiftung Warentest hat über Jahre die Impfempfehlungen der StiKo überprüfen lassen und und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Grippeschutzimpfung grundsätzlich sinnvoll sei für Kinder zwischen zwei und 17 Jahren. Die StiKo dagegen spricht für Kinder keine generelle Impfempfehlung aus.

Eine Grippeschutzimpfung erhalten Sie in der Regel in allgemeinmedizinischen, internistischen oder frauenärztlichen Praxen. Oftmals bieten aber auch Gesundheitsämter und Arbeitgeber die Impfung an. Bei letzterer Möglichkeit sollte man seine Versicherten-Karte und seinen Impfpass dabei haben. Privatversicherte müssen die Kosten (von etwa zehn Euro) oft direkt vor Ort bezahlen, können diese dann später aber mit ihrer Versicherung abrechnen.

Grippe durch Impfung?

Eine Impfung kann in der Regel keine Grippeerkrankung auslösen. Denn die übliche jährliche Grippeimpfung mit inaktiviertem Impfstoff (dem sogenannten Totimpfstoff) enthält keine vermehrungsfähigen Erreger. Die fälschliche Annahme, die Impfung könne auch die Erkrankung auslösen, beruht auf zwei Umständen: Zum einen wird in der Erkältungssaison geimpft, so kann es passieren, dass Geimpfte zufällig zeitgleich eine Erkältung bekommen und die Impfung dafür verantwortlich machen. Zum anderen können nach der Impfung Allgemeinsymptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Übelkeit oder Muskelschmerzen auftreten. Solche Impfreaktionen klingen in der Regel nach ein bis drei Tagen wieder ab.

Grundsätzlich kann sich jeder impfen lassen. Auch bei Kindern ab dem 6. Lebensmonat und bei Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel ist eine Impfung möglich; ausgenommen sind Menschen mit einer Hühnereiweiß-Allergie. Nach der Impfung bildet der Körper Antikörper gegen das Virus. Der volle Impfschutz hat sich nach etwa zwei Wochen aufgebaut.

Andere schützen

Entgegen der Annahme, man solle beim Husten oder Niesen die Hand vor Mund und Nase halten, sollte man stattdessen vielmehr in ein Papiertaschentuch oder den Ärmel beziehungsweise die Armbeuge husten oder niesen. Benutzte Taschentücher sollte man umgehend entsorgen, damit diese nicht mit anderen Menschen in Berührung kommen.

Waschen Sie sich regelmäßig die Hände und vermeiden Sie engen Kontakt zu anderen Menschen, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Bleiben Sie in der akuten Krankheitsphase zu Hause, sonst schaden Sie nicht nur sich (und verzögern den Genesungsprozess), sondern beispielsweise auch Ihren Arbeitskollegen. Lüften Sie regelmäßig Ihre Wohnung, um die Konzentration der virusbelasteten Tröpfchen in der Luft möglichst gering zu halten.

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