Cochlea-Implantat - endlich wieder hören

Sogar Musik kann wieder wahrgenommen werden

Verbraucher | Volle Kanne - Cochlea-Implantat - endlich wieder hören

Gehörlos Geborene oder Menschen mit erworbener Taubheit, auch hochgradig Schwerhörige, können von dieser Hörprothese profitieren. Voraussetzung ist jedoch ein intakter Hörnerv.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.09.2018, 09:05

Weltweit gibt es rund 300.000 Cochlea-Implantat-Träger. Etwa 30.000 leben in Deutschland. Je früher Betroffene mit einem Cochlea-Implantat versorgt werden, desto besser verläuft in der Regel die Entwicklung. Optimal versorgt, erreichen Kinder heutzutage in der Regel eine nahezu normale Hör- und Sprachentwicklung. So gehen zwei von drei Kindern, die in den ersten zwei Lebensjahren eine Hörprothese implantiert bekommen, später auf eine Regelschule. Erhalten die Heranwachsenden allerdings erst zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr ein Cochlea-Implantat, gelingt das nur noch jedem dritten Kind.

Funktionsweise

Bei einem Cochlea-Implantat handelt es sich um eine Art Hörprothese, genauer um eine elektronische Innenohr-Prothese, an die ein Sprachprozessor außen am Ohr angeschlossen wird. Dieser Prozessor nimmt akustische Signale über ein Mikrofon auf und wandelt sie in elektrische Impulse um. Dadurch wird der Hörnerv im Innenohr, also in der Cochlea, stimuliert. Das Cochlea-Implantat übernimmt damit die Funktion des Innenohrs. Auf diese Weise können Sprache, Geräusche und auch Musik wieder wahrgenommen werden.

Implantation und Risiken

Die Innenohr-Prothese wird mittels eines chirurgischen Eingriffs unter die Kopfhaut eingesetzt. Heutzutage erfolgt der etwa zweistündige Eingriff mit einer minimalinvasiven Technik über einen kurzen Hautschnitt. Eine Rasur der Haare ist im Gegensatz zu früher nicht notwendig. Das Hauptrisiko beim chirurgischen Eingriff ist die Verletzung des Gesichtsnervs – um das so gering wie möglich zu halten, findet bei der Implantation zusätzlich ein sogenanntes „Sicherheitsmonitoring“ des Gesichtsnervs statt. Weitere Risiken sind eine Infektion der Hautwunde, Schwindelanfälle und Tinnitus.

Die Cochlea-Implantation erfordert einen stationären Aufenthalt von bis zu einer Woche.

Hörtraining

Ein Cochlea-Implantat kann die Funktionsweise eines gesunden Ohrs nicht vollständig ersetzen. Während beim gesunden Ohr 15.000 verschiedene Haarsinneszellen die Arbeit übernehmen, muss ein Cochlea-Implantat-Träger mit zwölf beziehungsweise mittlerweile 22 Elektroden klarkommen.

Im Gegensatz zum gesunden Ohr kann das Cochlea-Implantat nur schlecht filtern, welche Geräusche es hören will und welche nicht. Gerade in schwierigen Hörsituationen, in denen viele laute Geräusche oder Gespräche gleichzeitig zu hören sind, stößt der Cochlea-Implantat-Träger an seine Grenzen. Er hat Schwierigkeiten die Töne zu filtern und zu selektieren. Die elektrischen Reize in der Cochlea erzeugen beim Cochlea-Implantat-Nutzer individuelle Hörempfindungen, die sich von Normalhörenden unterscheiden. Ein intensives langes Hörtraining ist erforderlich, um die neuen Signale im Gehirn richtig zu verarbeiten. Viele vergleichen die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat daher mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Je früher die Hörprothese implantiert wurde, desto besser kann das Gehirn lernen, mit den elektrischen Impulsen richtig umzugehen. Das Gehirn muss sich an den elektrischen Impuls erst gewöhnen. In diesem Zusammenhang ist die richtige Einstellung des Geräts sehr wichtig.

Betroffenen wird empfohlen, mindestens einmal jährlich die Einstellung beim Hörgeräteakustiker zu überprüfen und gegebenenfalls neu einstellen zu lassen. Bei dieser sogenannten Anpassung wird für jede Elektrode festgelegt, wie laut der Nutzer in den einzelnen Frequenzbereichen hört. Je mehr Leistung gegeben wird, desto lauter, aber auch anstrengender wird es für den Cochlea-Implantat-Nutzer. Diese Feinjustierung ist für die Betroffenen ein ganz wichtiger Vorgang, der viel Zeit in Anspruch nimmt.

Technische Entwicklung

Die ersten Cochlea-Implantate wurden Ende der 70er-Jahre erfunden. Sie hatten damals acht Elektroden. Seitdem ist die Technik immer besser geworden. So hat ein Cochlea-Implantat mittlerweile 22 Elektroden, was das Hörvermögen enorm verbessert. Zudem lassen sich immer kleiner gewordene Hörprothesen auch immer schonender implantieren.

Vor etwa 20 Jahren erhielt erstmals ein Kind ein Cochlea-Implantat. Seitdem ist in den meisten entwickelten Industrienationen die Versorgung für gehörlose oder hörgeschädigten Kindern mittlerweile Standard.

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