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Zucker im Alltag reduzieren

Zu viel Zucker macht krank. Deshalb hat das Bundesernährungsministerium letzten September beschlossen, dass ab Anfang 2019 in Deutschland Zucker eingespart werden soll. Ökotrophologin Brigitte Bäuerlein zeigt, wie das im Alltag gelingen kann.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.01.2020

Zucker, Fett und Salz erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. In Deutschland gelten 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Übergewicht ist ein entscheidender Faktor für die Entstehung von gesundheitlichen Problemen, hoher Zuckerkonsum eine der Ursachen. Kaum jemand hat ein Gefühl dafür hat, wie viel Zucker zu viel ist, denn viele Lebensmittel enthalten versteckte Zucker – und somit mehr, als man denken könnte.

Reduktion auf freiwilliger Basis

Ab sofort will das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter der Leitung von Julia Klöckner die Wahl von gesunden Lebensmitteln laut eigener Aussage vereinfachen. Konkret soll bei Produkten wie Müsli, Joghurt oder Limonaden eine Reduktion des Zuckergehalts im zweistelligen Prozentbereich erreicht werden. Allerdings soll dies per freiwilliger Selbstkontrolle stattfinden und nicht wie etwa in Großbritannien über eine Zuckersteuer oder Ähnliches. Durch eine Zuckersteuer wurde dort der Zuckergehalt etwa in einer Dose Orangensprudel von 6,9 auf 4,6 Gramm pro 100 Milliliter reduziert. In Deutschland sind in einer Dose 9,1 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten.

„Ich sehe die Strategie von Frau Klöckner kritisch“, sagt Ökotrophologin Dr. Brigitte Bäuerlein. „Es gibt zahlreiche Studien, dass eine Selbstverpflichtung der Unternehmen nicht funktioniert. Es müssten weitere Maßnahmen ergriffen werden wie zusätzliche Besteuerungen von sehr süßen Lebensmitteln oder Steuerentlastungen von guten Lebensmitteln. Eine bessere Kennzeichnung und mehr Aufklärung tut ebenfalls Not. Kleinere Verpackungsgrößen könnten auch helfen.

Empfohlene Tagesmengen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung­­­ und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen maximal zehn Prozent des gesamten Tagesenergiebedarfs über zugesetzte oder so genannte freie Zuckerarten aufzunehmen. Beispiel: Bei 2000 Kilokalorien für eine 60 bis 70 Kilogramm schwere Person sind das 200 Kilokalorien, die über Zucker zugeführt werden. Ein Gramm Zucker hat vier Kilokalorien, insgesamt beträgt die empfohlene Menge also 50 Gramm. Eine Reduktion auf nur 25 Gramm Zucker pro Tag hält die WHO sogar für noch besser.

„Freie Zucker“ sind Einfachzucker wie Glukose und Fruktose sowie Doppelzucker wie Saccharose, dazu gehören auch Honig, Sirup, Fruchtkonzentrate und Fruchtsäfte. Diese sollten fünf bis zehn Prozent der Gesamtenergie nicht überschreiten. „Gebundene Zucker“ kommen natürlicherweise in Obst, Gemüse und Milchprodukten vor. Sie werden nicht zu den erwähnten fünf bis zehn Prozent der Gesamtenergie hinzugezählt.

Keine gesunde Zucker-Alternative

Brigitte Bäuerlein mahnt: „Auf den Nährwertverzeichnissen unserer fertigen Lebensmittel finden wir eine Angabe in Prozent auf den Tagesbedarf bezogen. Dieser orientiert sich jedoch an der Menge von 90 Gramm Zucker pro Tag. Damit ist der gesamte Zucker, sowohl  freier als auch gebundener, gemeint. An dieser Maximalempfehlung gibt es viel Kritik – somit lassen sich ungesunde, stark gezuckerte Lebensmittel schönrechnen.“

Egal ob Stevia, Süßstoff, Honig, Vollrohrzucker, Kokosblütenzucker oder Agavendicksaft – eine wirklich gesunde Alternative zu herkömmlichem Zucker gebe es nicht, sagt Brigitte Bäuerlein. „Alternativen kann ich nicht empfehlen. Mein Motto: Abgewöhnen, den Geschmack umprogrammieren, neu konditionieren und Zucker ausschleichen.“

Empfehlungen der Ernährungsexpertin

Als Alternative zu Zucker in einem frischen Minztee mit Orangen biete sich zum Beispiel ein Blatt frische Stevia oder etwas Süßholzwurzel an, empfiehlt Brigitte Bäuerlein. Aber Achtung: „Wer Süßholzwurzel zu lange oder zu hoch dosiert einnimmt, könnte Nebenwirkungen riskieren. Die Inhaltsstoffe wirken sich unter anderem auf körpereigene Hormone wie Kortisol und Aldosteron aus. Dadurch kann der Blutdruck ansteigen und der Blutzuckerspiegel ungünstig beeinflusst werden. Deshalb sollten Diabetiker, Hypertoniker, Nierenkranke und Schwangere vorsichtig in der Anwendung und Dosierung sein“, so die Ökotrophologin.

Zum Aromatisieren von Getränken könne man auch Tonkabohnen, Zimt oder Vanille nehmen. Fruchtsäfte sollte man grundsätzlich nur als Schorle zu sich nehmen. Fruchtjoghurts könne man mit purem Naturjoghurt verdünnen, Schokomüsli mit Nüssen und neutralen Flocken, etwa Haferflocken, ergänzen, um den Zuckergehalt pro Portion zu reduzieren. Rotkohl komme vorzugsweise aus der Tiefkühltruhe statt aus dem Glas. „Einsparen können wir bei allem, was wir zu Hause frisch zubereiten. Auch kommt nahezu jedes Backrezept mit der Hälfte an Zucker aus, ersetzbar durch etwas mehr Mehl, Ei, Nüsse oder Milch, je nachdem, wie das Rezept aufgebaut ist“, rät Brigitte Bäuerlein.

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