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Ehrgeizige Ziele für die kommenden Jahre

ZDF-Fernsehrat verabschiedet Selbstverpflichtungserklärung

Fernsehratssitzung in der Mainzer Rheingoldhalle am 18.09.2020
Archiv: Fernsehratssitzung in der Mainzer Rheingoldhalle.
Quelle: ZDF/R. Orlowski

Nur wenige Tage vor der Sitzung des Fernsehrates am vergangenen Freitag sorgte Dr. Thomas Bellut für Schlagzeilen: Der ZDF-Intendant kündigte an, ab 2022 nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Die ZDF-Fernsehratsvorsitzende Marlehn Thieme dankte Thomas Bellut für die „frühzeitige Entscheidung“. Bei seinem Online-Treffen beriet der ZDF-Fernsehrat nun über das weitere Verfahren und beauftragte das Erweiterte Präsidium, die Wahl als Personalausschuss vorzubereiten. Das Erweiterte Präsidium entscheidet auch über den Wahltermin.

Im Mittelpunkt der ZDF-Fernsehratssitzung stand indes nach einigen Ausführungen zu der schwierigen Finanzsituation nach der vorläufig ausgebliebenen Beitragserhöhung und zur gewachsenen Nutzung der ZDF-Angebote eine Vorlage zu programmlichen Perspektiven: Seit 2004 gibt das ZDF jeweils für zwei Jahre eine Selbstverpflichtungserklärung ab. Darin werden die Ziele für die Programmarbeit der gesamten Sender-Familie formuliert. Am Freitag (19.03.2021) hat der ZDF-Fernsehrat nun die Selbstverpflichtungserklärung des ZDF für die Jahre 2021 und 2022 verabschiedet.

Konkrete Messgrößen

Mehr digitale Kontaktpunkte, mehr Inhalte für Jüngere, mehr Vielfalt im Programm – das sind die drei übergeordneten Ziele, die der Selbstverpflichtungserklärung vorangestellt sind. ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut erklärte vor dem Fernsehrat: „Die Interessen der Zuschauerinnen und Zuschauer differenzieren sich weiter, die Gesellschaft wird zunehmend diverser. Um alle Menschen in Deutschland anzusprechen und zu erreichen, müssen wir uns fortlaufend erneuern, das gilt für unsere Programminhalte ebenso wie für unsere Ausspielwege.“

In der Online-Sitzung des Gremiums wurde deutlich: Die Fernsehräte haben sich bereits im Vorfeld intensiv mit der Erklärung befasst und zahlreiche Änderungen und Konkretisierungen in die Vorlage eingebracht.  So hob Dr. Hans Langendörfer als Vorsitzender des Programmausschusses Programmdirektion insbesondere die konkreten Messgrößen hervor, die das Erreichen der Ziele für die Öffentlichkeit nachprüfbar machten. Mit Blick auf fiktionale Programme mahnte der Vertreter der Katholischen Kirche in Deutschland besondere Sensibilität bei der Darstellung von Gewalt an. Die Vorsitzende des Programmausschusses Partnerprogramme und Vertreterin der Freien Wohlfahrtsverbände, Gerda Hasselfeldt, stufte die gesteckten Ziele als ehrgeizig ein, insbesondere die Vorgaben zum Erreichen jüngerer Zielgruppen. Der ver.di-Vorsitzende und Vorsitzende des Programmausschusses Chefredaktion Frank Werneke würdigte das Bemühen gerade um jene Gruppen der Bevölkerung, zu denen das ZDF derzeit einen schweren Zugang hat. Michael Jörg, Vertreter aus dem Bereich „Inklusive Gesellschaft“ des Landes Rheinland-Pfalz, sieht das ZDF beim Ausbau der barrierefreien Angebote auf dem richtigen Weg.

In der Diskussion legte Dr. Hans Ulrich Anke besonderes Augenmerk auf die Verjüngung des ZDF-Publikums. Der Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland nannte beispielhaft ZDFneo, das einst als kreative Spielwiese gestartet, nun vermehrt zum Ausspielweg für Serien-Wiederholungen geworden sei. ZDF-Intendant Bellut verwies in seiner Antwort darauf, dass gerade die fiktionalen europäischen Erstausstrahlungen ein Alleinstellungsmerkmal von ZDFneo seien. Dr. Gabriele Köster, Vertreterin aus dem Bereich „Heimat und Brauchtum" aus dem Land Sachsen-Anhalt, lobte in der Debatte die Angebote von „Terra X plus Schule“. Der Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Vertreter des Freistaates im ZDF-Fernsehrat, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, bat den Intendanten in diesem Zusammenhang um einen Austausch darüber, wie die Bildungsangebote in der Pandemie noch enger auf die Bedürfnisse von Lehrern, Eltern und Schülern abgestimmt werden könnten. Katrin Kroemer, die Vertreterin des Deutschen Journalistenverbandes, hob hervor, dass die Selbstverpflichtung als Zieldefinition unter kurz.zdf.de/sve2122 für das Publikum jederzeit einsehbar und nachprüfbar veröffentlicht sei.

Weiterentwicklung der ZDFmediathek

In einem weiteren Tagesordnungspunkt besprach der ZDF-Fernsehrat den Ausbau der Empfehlungssysteme der ZDFmediathek. Mit diesen soll das verfügbare ZDF-Programmvermögen (aktuell mehr als 70.000 Videos) für die unterschiedlichsten Zielgruppen optimal nutzbar gemacht werden. „Den Nutzerinnen und Nutzern sollen jederzeit einfach und unkompliziert für sie relevante Inhalte zugänglich gemacht werden – und zwar aus der ganzen Breite und Vielfalt unseres Angebots", so ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut.

Dr. Claudia Conen, Vertreterin der Europa-Union Deutschland im ZDF-Fernsehrat, unterstrich die Bedeutung der Mediathek für alle, „die ihren Tagesablauf nicht nach dem ZDF-Programm ausrichten können“. Damit würden ganz neue Zielgruppen erreicht werden. Auch Cornelia Tausch, Vertreterin aus dem Bereich „Verbraucherschutz" des Landes Baden-Württemberg dankte dem ZDF, „dass es sich auf den Weg gemacht hat, den Ansprüchen eines öffentlich-rechtlichen Senders an eine Mediathek gerecht zu werden, und nicht einfach den Markt kopiert.“

 Filterblasen durch Personalisierung vermeiden

Die Mitglieder des Fernsehrates diskutierten engagiert über das Thema des Datenschutzes und erörterten die Frage, wie es sich vermeiden lässt, dass sich Nutzer*innen der ZDFmediathek durch die Personalisierung möglicherweise in Blasen bewegen. Dr. Eckart Gaddum, Leiter der Hauptredaktion Neue Medien im ZDF, erklärte dazu, man habe hier bei der Entwicklung darauf geachtet, kein automatisches Kuratieren bei der Personalisierung vorzunehmen. Die Diversität von Empfehlungen bleibe sichergestellt, beispielsweise durch passende Nischeninhalte, die sonst wenig beachtet würden. Prof. Dr. Leonhard Dobusch, Vertreter aus dem Bereich „Internet” im ZDF-Fernsehrat, ergänzt, dass gerade Personalisierung Pluralität und Vielfalt fördern könne.

Wie in der Debatte deutlich wurde, folgt die Personalisierung von Inhalten der Mediathek hinsichtlich ihrer Vielfalt sowie des Datenschutzes klaren Kriterien. Der Algorithmus bietet neben „Mainstream“ auch Nischeninhalte an und erweitert so die redaktionelle Programmierung auch inhaltlich. Verwendete Daten und Algorithmen werden präzise und verständlich transparent gemacht. Aktuell haben sich 2,1 Millionen Nutzerinnen und Nutzer der ZDFmediathek registrieren lassen. Die personalisierten Bereiche auf der Startseite sind dort bereits heute zeitweise die am besten genutzten. In der Spitze generieren sie bis zu 35.000 Empfehlungen pro Minute. Alle Inhalte bleiben aber weiter auch „algorithmenfrei", ohne Tracking und ohne Login, zugänglich.

Daneben besprach der ZDF-Fernsehrat u.a. Stand und Entwicklung von ZDFinfo sowie von 3sat und den Bericht des Rundfunkdatenschutzbeauftragten. Die zur Entscheidung vorgesehenen Programmbeschwerden wurden diskutiert, letztlich aber alle sieben als unbegründet zurückgewiesen, da kein Verstoß gegen die für das ZDF geltenden Rechtsvorschriften festgestellt werden konnte.

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