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Teslas Gigafabrik in Brandenburg

Hintergründe zur heute-show vom 07.05.2021

Hintergründe zur heute-show vom 07.05.2021
Quelle: ZDF/PA

Der US-Elektroautohersteller Tesla will in Grünheide nahe Berlin bald rund 500.000 Autos im Jahr produzieren und dafür eine große Fabrik bauen. Die so genannte Gigafactory ist das derzeit größte industriepolitische Projekt Europas. Der Bau verzögert sich allerdings immer wieder. Ein Beleg für deutsche Behäbigkeit sei das aber nicht, schreibt Zeit Online. So durfte Tesla etwa die Fabrik schon zu großen Teilen bauen, ohne dass sie überhaupt formal genehmigt worden wäre. Mit einem rechtlichen Kniff hätten die Behörden dem US-Unternehmen erlaubt, einfach auf eigenes Risiko loszulegen.

Tesla-Chef Elon Musk will in Grünheide nicht nur seine erste Elektroautofabrik in Europa bauen, sondern auch eine Batteriefabrik. Diese soll nun nachträglich in den Antrag zur Genehmigung aufgenommen werden – und auch deshalb droht der bisherige Zeitplan ausgebremst zu werden: Der Serienstart in der künftigen Autofabrik soll sich wohl bis Ende Januar 2022 verzögern. Tesla-Chef Elon Musk habe dem Team offiziell ein halbes Jahr mehr Zeit gegeben, schrieb die Automobilwoche unter Berufung auf Firmenkreise.

Das Politmagazin Frontal21 hat den Bau der Fabrik über Monate mit Kameras begleitet und dokumentiert, wie Politik und Behörden an ihre Grenzen kommen. Alles, was sonst Jahre dauert, muss nun in wenigen Monaten genehmigt werden. Gegnerinnen und Gegner des Projekts warnen derweil vor Wasserknappheit in der Region. Demnach werde Tesla ab Sommer 2021 zunächst rund 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr verbrauchen. In der Dokumentation kommen viele der Beteiligten zu Wort, wie etwa Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke aber auch Tesla Chef Musk selbst. Er nimmt dort Stellung zum Vorwurf möglichen Wassermangels – für ihn kein nennenswertes Problem.

Die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fragte diese Woche, ob der Hype um Tesla gerechtfertigt ist: Das Unternehmen ist an der Börse derzeit etwa 550 Milliarden Euro wert, Daimler dagegen nur 80 Milliarden Euro – obwohl die Stuttgarter mehr Autos verkaufen und mehr Gewinne machten. Die FAS schreibt: „Als Anleger stellt sich die Frage, ob die Märkte einfach zu blöd sind, die Daimler-Perspektiven richtig einzuschätzen, oder ob sie sich bei Tesla total verschätzen.“ Tesla hat im Jahr 2020 nach eigenen Angaben 499.550 Fahrzeuge verkauft, Daimler 2,2 Millionen Autos.

Ein kurioser Fakt: 30 Jahre nach Produktionsende sind immer noch mehr als 38.000 Trabis auf Deutschlands Straßen unterwegs – und damit mehr als Elektroautos von Tesla. Zu diesem Ergebnis kommt das CAR-Institut (Center Automotive Research) von Ferdinand Dudenhöffer nach einer Auswertung der aktuellen Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts. Die Zahl der zugelassenen Elektroautos von Tesla belief sich auf 34.000.

Elon Musk gilt nicht gerade als Befürworter von Gewerkschaften und betrieblicher Mitbestimmung. So lehnt er momentan angeblich auch kostspielige Tarifverträge ab. Die will der Tesla-Chef für die Arbeitnehmer, die bald in seiner Gigafactory im brandenburgischen Grünheide anfangen, nicht unterzeichnen, so zumindest aktuelle Medienberichte.

Es wurden außerdem Vorwürfe laut, dass Arbeiternehmende bei der Tesla-Gigafabrik überlang arbeiten mussten und unter dem Mindestlohn bezahlt würden. Auch die Unterbringung der Bauarbeiter sei schlecht, berichtet Business Insider. Die Herberge teilen sie sich mit rund 350 anderen Bauarbeitern, sagen die Polen. „Wir schlafen da teilweise mit bis zu drei Männern im Zimmer“ – und das inmitten der Corona-Pandemie. Den Behörden liegen allerdings nach bisherigen Überprüfungen keine Hinweise zu überlangen Arbeitszeiten und unwürdigen Unterkünften vor, erklärten das für Arbeitsschutz zuständige Gesundheitsministerium (MSGIV) und das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit im Tagesspiegel.

In den USA liegt der Tesla-Gründer schon länger mit den Gewerkschaften im Dauerclinch. Sie werfen dem Milliardär Habgier, schlechte Bezahlung und mangelnden Arbeitsschutz in seinem kalifornischen Werk vor, schreibt die Tagesschau. Rome Aloise von der Transportgewerkschaft Teamster: „Aus Gewerkschaftssicht hat er etwas teuflisch Geniales. Wir respektieren ihn für das, was er erreicht hat. Das Diabolische an ihm ist aber, wie er es verhindert hat, dass sich die Arbeiter hier gewerkschaftlich organisieren.“

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