Imperium (1/3): Das Weltreich der Kalifen

Märchenhafter Ruf

Dokumentation | Terra X - Imperium (1/3): Das Weltreich der Kalifen

Was New York heute für den westlichen Kulturkreis darstellt, muss Bagdad vor rund 1000 Jahren für die Welt des Orients gewesen sein: eine sagenhafte Metropole, eine Art Hauptstadt der Globalisierung.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.04.2020, 23:55

Was New York heute für den westlichen Kulturkreis darstellt, muss Bagdad vor rund 1000 Jahren für die Welt Orients gewesen sein: eine sagenhafte Metropole, eine Art Hauptstadt der Globalisierung, damals bereits mit hunderttausenden Einwohnern - womöglich einer Million.

Animation des einstigen Bagdad
Animation des einstigen Bagdad Quelle: ZDF

Chronisten berichten von einem Zivilisationsniveau, wie es in anderen Erdteilen selbst 500 Jahre später noch nicht erreicht war: Dutzende Krankenhäuser, Badeanstalten, Bibliotheken und Akademien soll diese Stadt beherbergt haben - ein "Geschenk Gottes", so lautet die Übersetzung des persischen Wortes "Bagdad". Vor allem aber das Ergebnis einer kulturellen Verschmelzung von besonderem Erfolg.

Die Stadt aus 1001 Nacht

Kaum eine Stadt der Weltgeschichte verfügt heute noch über einen derart märchenhaften Ruf, was vor allem damit zu tun hat, dass die international berühmteste Märchensammlung, die Geschichten aus 1001 Nacht, sich unter anderem in den Tavernen und Palästen Bagdads zutragen: Die Kalifen Harun al-Rashid und al-Mamun, die für die Blüte der islamischen Zivilisation stehen, werden darin namentlich erwähnt.

Dokument mit dem Märchen 1001 Nacht Quelle: ZDF

Viele Figuren der fantastischen Erzählungen - Dichter, Diebe, intrigante Wesire, schöne Kurtisanen - fanden ihre historischen Vorbilder wohl im Alltagsleben der Metropole.

Aber wie kam es zu diesem gewaltigen Kultursprung? Wie kommt es, dass die islamische Welt, die heute oft mit Fortschrittsfeindlichkeit und rigiden Glaubensvorstellungen in Verbindung gebracht wird, damals die Reisenden und Gelehrten anzog. Was machte den "Islamic Way of Live", den besonders anziehenden, orientalischen Lebensstil aus? Wie brachte es das Imperium der Kalifen zu solcher Größe? Und warum musste es untergehen?

Tod Mohammeds

Die Dokumentation "Das Weltreich der Kalifen" aus der ZDF-Reihe Terra X-Imperium geht diesen Fragen nach. Gastgeber Maximilian Schell im Kloster Erberbach, wo die Moderationen zur Reihe gedreht wurden, erzählt vom Aufstieg dieses Reiches, das mit einer dramatischen Krise begann: dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 und der Frage, was aus der Gemeinschaft seiner Anhänger werden soll.

Spielszene: Tod Mohammeds Quelle: ZDF

Schells Moderationen knüpfen an orientalische Legenden, Klischees und Märchenstoffe an. Er entschlüsselt ihre Ursprünge und ihren Wahrheitsgehalt anhand neuer Forschungen zur islamischen Geschichte: Warum erinnert das Staatssymbol früher Kalifen an ein Christenkreuz? Und wie kam es, dass uns die Araber die Verwendung der Ziffer Null lehrten?

Erbitterter Kampf um den Nachfolger

Im Verlauf dieser Spurensuche wird deutlich, dass das erste arabische Kalifenreich, das sich später in ein islamisches Imperium verwandelte, auf geschickte Weise an die Kulturen von Byzanz und Persien anknüpfte und sich die Instrumente seiner einstigen Feinde schnell zu eigen machte. Diese Errungenschaften fügten sich vor allem in Bagdad zu einem Ideen-Biotop zusammen, von dem auch Europa profitieren sollte.

Maximilian Schell - Moderator der Imperium-Trilogie Quelle: ZDF

"Das Weltreich der Kalifen" beleuchtet aber auch den erbitterten Kampf, den die Nachfolger des Propheten um Macht und Legitimation führten - religiöse und politische Spaltungen, die die islamische Welt schwächten, aber langfristig zu einer vielfältigen und bunten Zivilisation machten. Einer Weltkultur, die mit dem grausamen Sturm der Mongolen auf Bagdad im Jahr 1258 einen traumatischen Einbruch erlebte, aber schließlich ihre eigenen Bezwinger überwand. Weltweite renommierte Experten wie der Islam-Historiker Hugh Kennedy von der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London bewerten die Geschichte des Kalifenreiches in einem neuen Licht.

Aufwändige Dreharbeiten

Maximilian Schell führt durch eine Zeitreise von der arabischen Halbinsel des 7. Jahrhunderts durch Schlachten, orientalische Jagdschlösser und Moscheen, die bis heute zu den prächtigsten Zeugnisse islamischer Kultur zählen, durch alte Bibliotheken und Philosophenstuben, aber auch in die dunkle Inquistionskammer eines Kalifen und in ein Bagdader Bordell.

Siedlungsspuren der Kalifen in Syrien Quelle: ZDF

Die Dreharbeiten zur Sendung fanden in mehreren Staaten des Nahen Ostens, vor allem in Syrien, statt. Die aufwändigen Spielszenen - darunter Verfolgungsjagden in Bagdad, die Belagerung der Stadt Mekka mit einem Katapult, der Hofstaat des Kalifen und die berüchtigte Revolution der Abbasiden - inszenierte Regisseur und Autor Daniel Gerlach mit über hundert Mitwirkenden in den Studios der marokkanischen Hollywood-Filmstadt Ouarzazate.

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