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Utopia

Irre Visionen in Silicon Valley

von Claus Kleber und Angela Andersen

Erfinder und Ingenieure, Genies und Risiko-Investoren aus dem Silicon Valley verändern unsere Welt grundsätzlich in atemberaubendem Tempo und Umfang.

Videolänge:
44 min
Datum:
21.07.2022
:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.07.2027

Gehirnforschung, Genetic Engineering, politische Entscheidungsprozesse, menschliche Beziehungen, Architektur und Materialforschung, Transportwesen, Tourismus – nichts bleibt unberührt.

2016 führte die Dokumentation "Schöne Neue Welt" von Angela Andersen und Claus Kleber Millionen Zuschauern vor Augen wie der Tsunami von Innovationen weit mehr erfasst als die Welt des Internets.
In weniger als zwanzig Jahren wurden fünf Milliarden Menschen mit tragbaren Supercomputern ausgestattet, vernetzt mit dem gesamten Wissen und Unsinn der Menschheit. Unheimlich. Und unheimlich, wie fast geräuschlos das ging - bis 2016 mit dem Doppelschlag Brexit und Trump unkalkulierbare Folgen sichtbar wurden.

"Utopia" ist ein aktueller, kritischer Blick auf diese Entwicklungen.
Die Schockwellen von Brexit, Trump, dem Sturm aufs Kapitol et cetera, haben kaum Einsicht ins Silicon Valley getragen. Noch immer sträuben sich die mächtigsten Player dagegen, sich der Verantwortung zu stellen und gesellschaftliche Kontrolle zuzulassen.

"Utopia" zeigt, wie die Treiber des Geschehens mit wachsender Beschleunigung vorangehen, immer umfassender. Ihre Vektoren weisen ins Metaverse, ein digitales, alle Plattformen einschließendes Über-Universum, eine erschreckend realistische Allmachtsfantasie - oberhalb der vertrauten Universen von Politik, Wirtschaft, Finanzen, Privatleben, Intimem und Öffentlichem, Individuum und Gesellschaft, Spiel und realer Macht. Virtuelles und reales Leben sollen zu Einem verschmelzen.
Themen, die wir bisher meist isoliert voneinander sehen – künstliche Intelligenz, verdrahtete menschliche Gehirne aus reiner Mathematik geborene Krypto-Währungen, Aussiedlung von Menschen auf andere Planeten - sind Hebel im Ringen um die Herrschaft in dieser zukünftigen Ordnung. Die Vernetzung von Algorithmen, Gen- und Gehirnforschung und milliardenfacher digitaler Kommunikation wird noch viel mächtigere Wirkung haben.

Die mächtigsten Akteure – Männer wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg - es sind tatsächlich fast ausschließlich Männer – waren auch nach einem Jahr intensiver Bemühungen nicht für Interviews zu gewinnen. Sie schaffen ihre Publika längst selbst – mit Reichweiten, die kein Verlag oder Sender bieten kann. Und in denen sie allein den Kontext bestimmen.

"Utopia" greift auf öffentliche Auftritte solcher Personen zurück und vermittelt Zusammenhänge und Hintergründe über die Perspektive von Insidern und Kundigen, auch kritischen Beobachtern.

Der junge Kanadier Han Zhang, Kind chinesischer Einwanderer, ist ein Ingenieur durch und durch: Maschinenbau, Software, Biotech, Elektronik. Er war einer der ersten Mitarbeiter von Elon Musks umstrittenem Neuralink-Projekt. Das Endziel des Unternehmens ist es, Elektroden in menschliche Gehirne zu bringen und sie dann mit Datenbanken, künstlicher Intelligenz und Schwärmen anderer menschlicher Gehirne zu vernetzen.
Zhang hat dieses Projekt tief durchdacht, er sieht seine Schattenseiten und Gefahren: "We may lose individuality." Aber er glaubt – wie Musk – dass dies der richtige Weg ist, um die Weltherrschaft künstlicher Intelligenz menschlich einzuhegen.

Für den Historiker und Kulturwissenschaftler Fred Turner, der an der Stanford University, der Tech-Kaderschmiede des Silicon Valley, Humanities lehrt und in Vergabe- und Ethik-Ausschüssen Ideale der Menschlichkeit verteidigt, sind die neuen Auswüchse des Götzenkults um die Technik eine rasant wachsende Gefahr. Er ist einer der schärfsten Kritiker der Meta-Vision des Mark Zuckerberg, den er für entweder einen überforderten Zauberlehrling oder einen gewissenlosen Machtmenschen hält. Mit einem von ihm beherrschten Metaverse als letzter Dystopie.

Jaron Lanier, einer der Gurus des Silicon Valley, ist auch in Deutschland bekannt als Bestseller-Autor und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (2014). Er arbeitet seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts an der vordersten Front der Virtual Reality, hat diesen Ausdruck erfunden. Er warnt davor, die Zuckerbergs unserer Zeit gewähren zu lassen: "Wenn sich das, was sie mit Social Media getan haben, im Metaversum wiederholt, dann wird die Menschheit das so nicht überleben. Wir werden zurückgeworfen in eine dunkle Zeit - wie das Mittelalter. Eine sehr unangenehme Vorstellung."

Ingenieur, ehemals Chefredakteur des Silicon Valley-Szene-Magazins "WIRED" Chris Anderson, jetzt COO von Larry Pages Unternehmen "Kitty Hawk", das in einigen Jahren Tausende autonome Lufttaxis über die Bay-Area fliegen lassen will – und dann in aller Welt. Er will die Sci-Fi-Visionen seiner Kindheit umsetzen. Koste es, was es wolle. Wenn das bedeutet, dass einer der beiden Google-Gründer Fantastillionen in ein Projekt investiert, das bisher nirgendwo auf der Welt fliegen darf, weil kein Land bereit ist, eine solche Kamikaze-Mission in seinem Luftraum zu tolerieren, sei's drum. Dann wird ein abgelegenes Tal von der Größe eines deutschen Landkreises gekauft und der Luftraum darüber privat genutzt. Lebensmotto: "Wir bitten nicht um Erlaubnis. Notfalls bitten wir um Vergebung." Man kann das skrupellos nennen. In Andersons Vorstellung ist es Voraussetzung jedes ernst zu nehmenden Fortschritts.


Der VFX-Grafiker Tav Shande ist einer der Baumeister künstlicher Universen. Er wurde als Kind nigerianischer Einwanderer in Atlanta/Georgia geboren, hat an diversen Universitäten Kunst, Grafik und Computer-Engineering studiert. Im Hauptberuf schafft er künstliche Stadtwelten, in denen Amazon seine zukünftigen selbstfahrenden Lieferwagen virtuell trainiert. In den letzten zweieinhalb Jahren hat er einen Quadratkilometer Downtown San Francisco so perfekt nachgebaut, dass virtuelle Drohnenflüge durch die virtuelle Architektur echt aussehen. Seine Geschichten und Bilder führen uns an die schwindende Trennlinie zwischen Virtualität und (noch)-Realem.

Frances Haugen, eine hochbegabte, an Elite-Universitäten umfassend ausgebildete Software-Ingenieurin, war eine begeisterte Mitarbeiterin von Facebook, des größten Kommunikationsunternehmens der Geschichte. Bis sie ausgerechnet als Teamleiterin einer Ethik-Abteilung feststellte, dass Facebook – bis hinauf zu Zuckerberg - die eigenen finanziellen Interessen höher bewertete als die Verantwortung. Facebook selbst hatte Beweise dafür, dass sein auf maximale Reaktionen ausgerichteter Algorithmus Hass und Gewalt anfachte und den vernunftgesteuerten politischen Diskurs torpedierte. Haugen legte Beweise dafür vor, dass diese Erkenntnisse bewusst ignoriert wurden. So wurde sie als Facebook-Whistleblowerin zu einer internationalen Berühmtheit – und zur Bedrohung der Konzerninteressen. "Utopia" zeigt Frances Haugen bei ihrer Kampagne in der US-Hauptstadt - eine kluge, überzeugende Mahnerin, die es Facebook schwer macht, weiter im Geheimen zu agieren.

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission und Ressortchefin für Digitale Zukunft Margrethe Vestager hat sich mit Zähigkeit und mit Milliarden-Strafen auch in Washington und Silicon Valley Respekt verschafft. Inzwischen hat sie im US-Kongress Verbündete in ihrem Kampf für Transparenz und Verantwortungsbewusstsein in den Mega-Konzernen. Die Dinge beginnen sich zu ändern. Europäische Vorstellungen von Fairness und gesellschaftlicher Kontrolle in Internet und Metaverse sind auch global nicht mehr chancenlos.

Der Dokumentarfilm "Utopia" sieht die Chancen und die Gefahren aktueller Weichenstellungen. Er will beitragen zu öffentlichem Bewusstsein für das Gewicht und den Umfang einer Entwicklung, die unsere Welt verändert und die nicht ohne demokratische, gesellschaftliche Leitplanken weiter in die Zukunft rasen darf.

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