Landgericht

Landgericht


Der Zweiteiler "Landgericht" erzählt die Geschichte der Familie Kornitzer während des Deutschen Reichs und schildert zugleich die Gründungsjahre einer Republik, in denen sich Opfer, Täter und Mitläufer auf der schmerzhaften Suche nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung auseinandersetzen müssen. Vorlage für den Film ist der gleichnamige Roman von Ursula Krechel, der auf einer realen Vorlage basiert.


Die Geschichte beginnt 1938 in Berlin. Eine Familie befindet sich auf dem Weg zum Bahnhof. Es ist keine gewöhnliche Reise, die sie antreten. Claire und Richard Kornitzer bringen ihre beiden Kinder Georg (8) und Selma (5) zu einem Kindertransport. Eine Hilfsorganisation der Quäker bringt sie zusammen mit vielen anderen jüdischen Kindern nach England, um dem Holocaust zu entkommen. Das Trauma dieser schmerzlichen Trennung schleicht sich leise und mit beklemmender Selbstverständlichkeit in das Leben der Familie ein.

Die Familie Kornitzer steht dabei für sehr viele Familien, denen es ebenso erging. Vorlage für den Film ist das Leben von Robert Michaelis, eines jüdischen Richters, und seiner Familie. Robert Michaelis' Geschichte wird durch die Figur des Richard Kornitzer nacherzählt. Seine Frau, die nicht jüdisch ist, heißt im Film Claire. Michaelis' Tochter, die heute den Namen Ruth Barnett trägt, lebt in England und ist die Vorlage für Selma, die Tochter der Kornitzers.

Die Hauptfiguren

  • Ronald Zehrfeld in "Das Landgericht"

    jüdischer Richter, gespielt von Ronald Zehrfeld

  • Johanna Wokalek in "Landgericht"

    Richards Frau, gespielt von Johanna Wokalek

  • Selma Kornitzer

    Tochter der Kornitzers, gespielt von Julia Kranz

  • Georg, gespielt von Linus Düwer

    Sohn der Kornitzers, gespielt von Linus Düwer

  • Mrs. Hales, gespielt von Saskia Reeves

    Pflegemutter in England, gespielt von Saskia Reeves



In dem Film hat Richard Kornitzer seinen Posten am Landgericht verloren. Er erhält ein Visum für Kuba. Die Gestapo nimmt Claire ihre letzten Wertgegenstände und damit die Chance, ein Visum für sich zu bezahlen. Sie muss sich alleine durchbeißen, lässt sich aber auch nicht von ihrem jüdischen Mann scheiden. Dies wird ihr zum gesellschaftlichen Verhängnis. Sie findet auf einem schwäbischen Bauernhof Zuflucht, während sich Richard in Kuba eine neue Existenz aufbaut.

Die Kinder durchleben in England schwere Zeiten. Nachdem sie von der herrschsüchtigen Pflegemutter Mary weglaufen, müssen sie in erbärmlichen Zuständen in einem notdürftig eingerichteten Kinderheim leben. Sie verlieren den Kontakt zu den Eltern. Wie ein Licht am Ende des Tunnels erscheint die warmherzige Mrs. Hales, die beide Kinder zu sich nimmt.

Weitere Hauptfiguren

  • Jonathan Roth, gespielt von Christian Berkel

    Jüdischer Freund der Familie Kornitzer, gespielt von Christian Berkel

  • Hans Buch, gespielt von Felix Klare

    Alter Studienfreund von Richard, gespielt von Felix Klare

  • Mary, gespielt von Kate Dickie

    Erste Pflegemutter der Kornitzer-Kinder, gespielt von Kate Dickie

  • Reverend William, gespielt von Ian McElhinney

    Marys Mann, gespielt von Ian McElhinney

  • Charidad, gespielt von Edenys Sanchez

    Lehrerin in Kuba, gespielt von Edenys Sanchez



Kuba, 1947: Viele Jahre sind vergangen, der Briefverkehr zwischen Kuba und Deutschland ist längst abgerissen. Die Familie lebt dauerhaft in Trennung, neue Menschen sind in das Leben der Eltern und Kinder getreten. Claire setzt jedoch nach Kriegsende alles in ihrer Macht stehende daran, eine Zusammenführung zu bewirken. Und endlich: Sie findet Richard. Der erste Brief von Claire seit 10 Jahren erreicht ihn. Jetzt muss er sich entscheiden. Sein neues Leben gegen das alte wieder eintauschen? Claire findet auch ihre Kinder endlich wieder - muss aber feststellen, dass die sich ihren leiblichen Eltern entfremdet haben und ihr Leben in England nicht aufgeben wollen.

Weitere Figuren

  • Esther Coen, gespielt von Barbara Auer

    Sekretärin im Landgericht, gespielt von Barbara Auer

  • Philipp Singer, gespielt von Michael Rotschopf

    Angeklagter vor dem Landgericht, gespielt von Michael Rotschopf

  • Martha Pfempfle, gespielt von Eva Löbau

    Bäuerin, gespielt von Eva Löbau

  • Johannes Lenau, gespielt von Alexander Beyer

    Freund von Richard, gespielt von Alexander Beyer

  • Barbara Dreis, gespielt von Katharina Wackernagel

    Richards Vermieterin in Mainz, gespielt von Katharina Wackernagel



Nachdem Richard zu Claire zurück gekehrt ist, will er ein neues Deutschland aufbauen, Recht und Gerechtigkeit wiederherstellen. Doch er muss sich an zahlreichen bürokratischen Hürden abarbeiten, bevor ihm schließlich eine Stelle als Richter in Mainz angeboten wird. Auch hier verstört ihn, wieviele Juristen nahtlos vom NS-Regime auf hohe Posten in der Nachkriegs-Justiz gewechselt sind.

Endlich zahlt sich Richards Beharrlichkeit aus: Er übernimmt in Mainz einen spektakulären Prozess und ist voller Zuversicht, im Sinne der NS-Opfer urteilen zu können. Doch endet er schließlich zwischen den Fronten der Opfer und der ehemaligen Täter des NS-Regimes. Er scheitert daran, seine moralisch hohen Ansprüche mit der Realität der Rechtsprechung in Einklang zu bringen. Er verbeißt sich in den kommenden Jahren in einen kleinteiligen Kampf um seine Rehabilitation und macht sich viele Feinde.

Ähnlich erging es Robert Michaelis, der die reale Vorlage für die fiktive Figur Richard ist - und vielen weiteren Menschen, die auch nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr ihren Frieden finden konnten.

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