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Lebensretter Blut

Patient bei der Blutspende

Fremdblut kann Leben retten, doch es birgt auch Risiken – vor allem langfristig. Ein Blutmanagement-System sorgt dafür, dass weniger Transfusionen nötig sind.

Datum:
14.06.2018
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Zwei Drittel aller Menschen benötigen irgendwann in ihrem Leben Blut, Blutplasma oder daraus gewonnene Arzneimittel. Demgegenüber stehen allerdings nur etwa drei bis vier Prozent der Bundesbürger, die Blut spenden. Denn immer noch gibt es viele Menschen, die aus Angst vor Schmerzen, einem Kreislaufzusammenbruch oder einer Infektion nicht zur Blutspende gehen. Zusätzlich geht besonders im Sommer und in der Ferienzeit die Zahl der Spenden zurück. Doch gerade in dieser Zeit ist der Bedarf an Spenderblut wegen vermehrter Unfälle im Ferienverkehr erhöht.

Wer kann Blut spenden?

Frauen dürfen viermal im Jahr Blut spenden, Männer sechsmal. Der Abstand zwischen zwei Blutspenden sollte mindestens zwei Monate betragen. Ein Blutspender muss zwischen 18 und 68 Jahre alt sein und mindestens 50 Kilogramm wiegen. Er darf in den letzten vier Wochen keine ansteckenden Krankheiten durchgemacht und keine chronischen Infektionskrankheiten haben, wie beispielsweise Hepatitis oder AIDS. Ansonsten muss er so gesund sein, dass die Blutspende ihm selbst nicht schadet.

Vor jeder Blutspende wird daher eine Voruntersuchung gemacht. Dabei werden Puls und Blutdruck gemessen. Um Kreislaufbeschwerden auszuschließen, wird vor jeder Spende der Hämoglobinwert getestet. Der Wert gibt Auskunft darüber, wie viel Sauerstoff das Blut transportiert. Ist der Wert zu gering, wird der Spender zu seiner eigenen Sicherheit von der Blutspende ausgeschlossen. Um Infektionen, zum Beispiel mit HIV oder Hepatitis, auszuschließen, wird zur Blutentnahme ein Einwegbesteck verwendet.

Nach der Entnahme ausruhen

Zunächst wird eine Blutprobe für Laboruntersuchungen separat abgefüllt. Danach laufen etwa 500 Milliliter Blut in den Entnahmebeutel. Eine Vollblutspende dauert in der Regel zwischen fünf und zehn Minuten. Nach der Blutspende muss sich der Körper zunächst auf den Blutverlust einstellen. Eine kurze Ruhephase ist deshalb wichtig. Der Kreislauf reguliert sich innerhalb von 20 Minuten, der Flüssigkeitshaushalt ist nach etwa zwei Stunden wieder ausgeglichen. Das verlorene Blut wird innerhalb weniger Tage nachgebildet.

Blutkomponenten statt Vollblut

Nach der Spende wird das Blut auf mögliche Infektionserkrankungen wie zum Beispiel Hepatitis, HIV und Syphilis untersucht. Dank moderner Untersuchungsmethoden liegt das Risiko einer HIV-Übertragung heute nur bei eins zu mehreren Millionen, für Hepatitis C ist es noch geringer.

Das gespendete Vollblut wird nur noch selten im Ganzen übertragen. Vielmehr wird das Blut heute in seine Komponenten aufgetrennt. Das hat den Vorteil, dass die Blutkomponenten, die unterschiedliche Lagerungsbedingungen benötigen, in einwandfreier Qualität zur Verfügung stehen. Jeder Patient erhält nur genau die Bestandteile des Blutes, die er auch wirklich braucht, was das Risiko von Abstoßungsreaktionen minimiert.

Universal-Spende

In der Regel erhält der Empfänger nur Blut der eigenen Blutgruppe. Im Notfall kann aber jedem Patienten auch Blut der Gruppe Null negativ verabreicht werden. Bei schweren Blutverlusten zum Beispiel werden die roten Blutkörperchen transfundiert (Erythrozytenkonzentrat), bei Gerinnungsstörungen Blutplasma und bei einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) ein Konzentrat aus Thrombozyten.

Die verschiedenen Bestandteile werden nach der Gewinnung in sogenannten Blutbanken gelagert. Von dort werden Krankenhäuser täglich mit Blut beliefert. Für Notfälle steht die Blutbank rund um die Uhr zur Verfügung. Die Blutgruppenverträglichkeit von Spender und Empfänger wird immer mehrfach überprüft: bei der Spende, in der Blutbank und zur letzten Sicherheit direkt vor der Transfusion am Krankenbett ("bedside test").

Fremdblut mit Risiken

Auch wenn das Blut im Akutfall Leben retten kann, letztendlich bleibt es fremdes Material und sollte nicht leichtfertig gegeben werden. Jede Blutkonserve, die nicht verabreicht wird, ist eine gute, so die Meinung vieler Experten. Denn jeder Eingriff – ob OP (durch die Gewebeverletzung), Narkose und auch Fremdblut – hat Risiken. Und damit ist beim Blut nicht nur die Übertragung von Viren oder Bakterien gemeint, sondern es können, so neuere Studien, zum Beispiel Lungenkomplikationen, Wundentzündungen und Thrombosen auftreten – es wird sogar vermutet, Krebs.

Patient Blood Management

Seit einigen Jahren gibt es ein Programm, das sich „Blut-Sparen“ zur Aufgabe gemacht hat. Konserven werden nur dann verabreicht, wenn es wirklich nötig ist, ansonsten werden Patienten schon vor der OP so vorbereitet, dass sie möglichst erst gar kein fremdes Blut benötigen. "Patient Blood Management" heißt das Programm und wird unter anderem von vier Universitätskliniken, Frankfurt, Bonn, Kiel und Münster eingesetzt.

Dazu gehören nicht nur Maßnahmen vor der OP, wie zum Beispiel die Eisen- und Hämoglobin-Werte zu verbessern, sondern auch schonendere Narkosen werden gewählt und die Blutgerinnung wird verbessert. Zudem kommt eine Maschine zum Einsatz, die während der OP das eigene Blut des Patienten wäscht und aufbereitet. Der Grund ist simpel. Vor der OP kann man das eigene Blut nicht abzapfen, da es nur begrenzt haltbar ist. Eine Studie der vier Universitätskliniken zeigt: Seit Einführung des "Patient Blood Managements" konnten 17 Prozent an Blutkonserven eingespart werden. Trotzdem werden Blutspenden immer noch dringend benötigt.

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