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Leben mit Prosopagnosie

Menschen in Einkaufsstraße

Man ist in der Stadt unterwegs und jemand grüßt freundlich - man kann jedoch das Gesicht nicht zuordnen und erkennt die eigentlich vertraute Person nicht. In solchen Fällen spricht man von Prosopagnosie, auch Gesichtsblindheit genannt.

Datum:
03.01.2020
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Der Begriff „Prosopagnosie“ stammt aus dem Griechischen und beschreibt die Unfähigkeit, Gesichter zu erkennen beziehungsweise Gesichter einer bestimmten Identität zuzuordnen. Daher sprechen Experten auch von einer Gesichtserkennungsschwäche. Laut Schätzungen sollen in Deutschland rund zwei Millionen Menschen betroffen sein. Die Prosopagnosie ist noch lange nicht komplett erforscht. So richtig intensiv befassen sich Forscher erst seit dem Jahr 2001 mit dieser Thematik. Weltweit sind erst wenige hundert Schriften verfasst und es wurden erst wenige Studien durchgeführt.

Was sehen Prosopagnostiker?

Prosopagnostiker sehen keine weißen Flächen oder leeren Gesichter, daher verwenden Experten den Begriff der Gesichtsblindheit nicht gerne. Betroffene sehen ein Gesicht, können es aber keiner bestimmten Person zuordnen. Man unterscheidet zwischen der angeborenen und der erworbenen Prosopagnosie, denn auch Unfälle oder Erkrankungen, wie beispielsweise ein Schlaganfall, können zu einer Gesichtserkennungsschwäche führen.

Dabei kann das Ausmaß der Unfähigkeit, Gesichter zu erkennen, stark variieren. Während Betroffene in ganz ausgeprägten Fällen Probleme haben, Mitglieder ihrer Familie, den Partner oder sogar das eigene Spiegelbild zu erkennen, fällt anderen eine Zuordnung lediglich schwer, wenn sie unerwartet Bekannte oder Freunde in einem nicht typischen Umfeld treffen. Die Bandbreite der unterschiedlichen Fälle ist extrem groß, die Übergänge sind fließend.

Was steckt dahinter?

Forscher gehen davon aus, dass der Vorgang der Gesichtserkennung und -identifikation in drei miteinander verbundenen Hirnarealen stattfindet. Bei Prosopagnostikern scheint es so zu sein, dass die Hirnareale an sich funktionieren, aber nicht so gut miteinander verschaltet sind, wie bei nicht Betroffenen. Das heißt, die Kommunikation zwischen den Hirnarealen funktioniert nur eingeschränkt. Das Verarbeiten von Gesichtern funktioniert in vielerlei Hinsicht durchaus, aber das Identifizieren, der Zugriff beziehungsweise die Zuordnung auf gespeicherte Informationen hingegen nicht wirklich gut.

Es gibt keine Therapie, die Prosopagnosie heilen kann, allerdings können Betroffene sich mit einer ganzen Reihe Tricks behelfen. Anstatt Gesichter prägen sie sich eher andere Auffälligkeiten ein: eine große Nase, abstehende Ohren, die Frisur oder die Figur oder auch einen bestimmten Kleidungsstil. Auch kann es Prosopagnostikern helfen, sich zu ungewöhnlichen Zeiten zu verabreden, um ihr Gegenüber leichter identifizieren zu können. Wichtig ist, seinem Umfeld offen über die eigene Gesichtserkennungsschwäche zu berichten. Dann können Freunde und Bekannte entsprechend reagieren. Ein offener Umgang kann auch dabei helfen, das oft gehörte Missverständnis aus dem Weg zu räumen, man sei arrogant und grüße eben einfach nicht. Wer offen mit der Prosopagnosie umgeht und sich diverse Tricks angeeignet, kann im Alltag dennoch uneingeschränkt zurechtkommen.

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