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Patientensicherheit

Ärtze am Krankenbett einer Patientin

Wie sicher ist man als Patient in Deutschland? Welche Fehler passieren zu häufig und wo liegen vermeidbare Risiken? Dr. Ruth Hecker, Fachärztin für Anästhesie und stellvertretende Vorsitzende „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ klärt auf.

Datum:
17.08.2018
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Voraussetzung für die Patientensicherheit ist, dass alle Beteiligten im Gesundheitswesen gut geschult sind, Fehler nur selten auftreten und Risiken beherrscht werden. Für alle Beteiligten muss die maximale Sicherheit das Ziel sein. Wie die Umsetzung in der Realität funktioniert, zeigt das sogenannte Weißbuch Patientensicherheit auf. Das Buch ist die Grundlage für Forderungen zur Verbesserung der Sicherheit. „Dabei ist es wichtig über Fehler zu reden. Die Kultur über Fehler zu sprechen, ist in Deutschland nicht so vorhanden, wie wir uns das wünschen. Fehler erkennen, über Fehler reden, um sie in Zukunft zu vermeiden – das ist das A und O der Patientensicherheit“, so Dr. Ruth Hecker vom Aktionsbündnis Patientensicherheit.

Dennoch, so erklärt Dr. Hecker, wurde in den letzten Jahren in Deutschland schon viel erreicht: „Es gibt OP-Checklisten, Vorkehrungen zur Vermeidung von Patientenverwechselungen oder auch die Aktion ‚Saubere Hände‘ zur Verbesserung des Bewusstseins für Hygiene in vielen Einrichtungen. Wir haben mittlerweile auch interne Fehlermeldesysteme und ein verpflichtendes einrichtungsinternes Qualitätsmanagement im Gesetz verankert. Aber das reicht noch nicht.“

Patientensicherheit verbessern

Es gibt konkrete Empfehlungen, um die Patientensicherheit zu erhöhen. „Zuerst einmal ist es wichtig, dass Patientensicherheit schon in der Ausbildung in allen Gesundheitsberufen einen höheren Stellenwert bekommt. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass man von Anfang an dazu ermutigt wird, auf Fehler hinzuweisen, wenn sie einem auffallen. Gefundene Fehler müssen darüber hinaus benannt und in ein Register eingetragen werden. Wir fordern eine verpflichtende Teilnahme an einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystemen – interne Fehlermeldesysteme sind bereits heute für alle Kliniken verpflichtend“, so Hecker vom Aktionsbündnis Patientensicherheit.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Aufklärung von Patienten und Angehörigen. „Wir müssen uns die Zeit nehmen, um mit Patienten zu sprechen, sie aufzuklären und sie zur Mitarbeit zu motivieren. In Essen haben wir dazu beispielsweise einen Flyer entwickelt, in dem wir die Patienten auffordern, darauf zu achten, ob sich das Personal im Krankenhaus auch regelmäßig die Hände desinfiziert oder auch Protest einzulegen, wenn sie sich als Patient unwohl fühlen“, empfiehlt Hecker.

Selbst aktiv werden

Wenn möglich, sollte man sich schon im Vorfeld Gedanken machen, in welches Krankenhaus man gehen möchte. Informieren Sie sich, welche Expertise das Krankenhaus hat, ob es zum Beispiel die Aktion „Saubere Hände“ gibt, was ein gutes Indiz für die Hygiene vor Ort sein kann oder auch wie viele Eingriffe dort pro Jahr vorgenommen werden. Auch Angehörige und der Hausarzt können helfen. „Wir empfehlen zum Beispiel, immer einen Angehörigen zu Arztgesprächen mitzunehmen. Gerade wenn man etwas Neues erfährt oder Therapieoptionen besprochen werden, kann man so sichergehen, dass keine Informationen auf der Strecke bleiben. Außerdem ermutigen wir die Patienten, für sich selbst einzutreten und Pflegekräfte und Ärzte aktiv anzusprechen, wenn etwas nicht verstanden wird, man noch mehr wissen möchte oder mit etwas nicht zufrieden ist. Es ist zum Beispiel nicht akzeptabel, stundenlang im Krankenhaus auf einen Arzt zu warten, wenn es einem nicht gut geht. Wichtig ist es, in solchen Situationen das Pflegepersonal anzusprechen, wenn nötig auch zum wiederholten Mal“, rät Dr. Ruth Hecker.

Wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht gut gelaufen, sollte man sich vom Krankenhaus Kopien seiner Behandlungsunterlagen geben lassen. Jeder Patient hat laut Gesetz das Recht, seine Behandlungsunterlagen komplett zur Verfügung gestellt zu bekommen. Mit den Unterlagen kann man sich zum Beispiel an die Krankenkasse, die unabhängige Patientenberatung in Berlin oder Schlichtungsstellen der Ärztekammern wenden. Bei gravierenden Fehlern kann man auch einen Anwalt für Medizinrecht konsultieren und gegebenenfalls klagen.

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