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Schwanger mit Querschnittlähmung

Entgegen mancher Vorurteile sind die meisten querschnittgelähmten Frauen in der Lage, schwanger zu werden. Dennoch gilt es vieles zu beachten.

Datum:
19.01.2017
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Schwangerschaften bei querschnittgelähmten Frauen sind selten, es gibt wenig Erfahrung damit und kaum Fachliteratur dazu. Schwangere Frauen im Rollstuhl stoßen im sozialen Umfeld deshalb häufig auf Unverständnis oder sogar Kritik.

Risiken während der Schwangerschaft

Frauen mit einer Verletzung im unteren Bereich der Wirbelsäule können eine ganz normale Schwangerschaft erleben. Betroffene, die ab dem Brustwirbel abwärts gelähmt sind, gelten wegen der Empfindungslosigkeit im Bauchbereich als Risikoschwangere. Generell sollten alle Betroffenen mit Kinderwunsch zur Sicherheit vor der Schwangerschaft ihre individuellen Risiken mit der Gynäkologin, der Hebamme sowie einem Facharzt für Paraplegiologie (Querschnittslähmung) abklären.

Schwangere im Rollstuhl haben generell ein erhöhtes Risiko für Ödeme. Dies kann mit Stützstrümpfen und Physiotherapie behandelt werden. Im letzten Drittel der Schwangerschaft kann der wachsende Bauchumfang zum Problem werden. Der Blutdruck steigt, das Atmen wird schwerer. Hier wird zur Entlastung regelmäßiges Liegen empfohlen. Außerdem können manche Rollstühle mechanisch verbreitert und das Sitzkissen angepasst werden.

Problemfeld Blase

Ein weiteres Problem ist die Veränderung der Blasenkapazität im fortschreitenden Verlauf der Schwangerschaft. Da Frauen mit Querschnittlähmung in der Regel einen Katheter zum Abfluss des Urins tragen, steigt die Gefahr einer Blaseninfektion.

Frauen, bei denen die Verletzung im oberen Bereich sitzt, fühlen unterhalb der Brustwirbel meist gar nichts mehr. Sie müssen intensiv beobachtet werden, um eine sogenannte autonome Hyperreflexie auszuschließen. Diese wird ausgelöst durch einen Reiz, zum Beispiel wenn das Kind auf den vollen Darm oder die volle Blase drückt. In den allermeisten Fällen handelt es sich um eine übervolle Harnblase. Der Körper reagiert mit einer Engstellung der Gefäße. Der Blutdruck steigt, die Herzfrequenz sinkt und es kann zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen, wenn die Ursache nicht behoben wird.

Die Geburt

Die Entbindung kann grundsätzlich auch ohne die Möglichkeit der Mutter, aktiv mitzupressen, spontan und unkompliziert verlaufen. Am besten eignet sich eine Klinik, die bereits Erfahrung mit querschnittgelähmten Frauen hat. Im Vorfeld sollte auch sichergestellt sein, dass im Bereich der Entbindungsstation absolute Barrierefreiheit gegeben ist, also rollstuhlgerechte Räume und Toiletten.

Wegen des Risikos vorzeitiger Wehen werden ab der 32. Schwangerschaftswoche wöchentliche Vorsorgeuntersuchungen empfohlen. Aufgrund der fehlenden Sensibilität bemerkt die werdende Mutter manchmal die ersten Geburtswehen nicht. Leichte Blutungen oder der Abgang des Fruchtwassers sind ebenfalls Anzeichen für eine Geburtseinleitung.

Kein Kaiserschnitt notwendig

Grundsätzlich ist eine vaginale Geburt auch dann möglich, wenn die Mutter nicht aktiv pressen kann, da im Uterus ein autonomes Reizleitungssystem aktiv wird, das die Geburt entscheidend beeinflusst. Durch die meist vollständige Entspannung der Bauch- und Beckenbodenmuskulatur bei einer schlaffen Lähmung wird der Geburtsvorgang erleichtert.

Bei einer spastischen Lähmung hingegen kann der Durchgang durch den Beckenboden für das Kind erschwert sein. Sollte es zu Verzögerungen bei der sogenannten Austreibungsphase kommen, kann der Einsatz einer Saugglocke sinnvoll sein. Wie bei nicht-behinderten Frauen auch, kann in Notfallsituationen als letzte Option ein Kaiserschnitt gemacht werden.

Hilfsmittel für Mütter im Rollstuhl

Höhenverstellbare Kinderbetten und Wickelkommoden erleichtern Müttern im Rollstuhl die Versorgung und den Transport des Babys. Ein spezieller Kinderwagen ermöglicht sogar Spazierfahrten. Dazu wird eine Babyschale vor dem Rollstuhl auf einer Universalhalterung mit Rad fixiert. Solange sie nicht am Rollstuhl angebracht ist, ist die Babyschale dank zweier kleinerer Hinterräder freistehend damit das Baby ohne Hilfe an- und abgeschnallt werden kann. Manche Hersteller bieten auch spezielle Tragetücher oder Fahrgegestelle für Rollstuhlfahrerinnen an, mit denen Babys vor dem Oberkörper der Eltern getragen werden können.

Empfehlungen zur Schwangerschaft und Entbindung querschnittgelähmter Frauen der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie e.V.: Link

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