Coronavirus-Ursprung: Lösten Marderhunde die Pandemie aus?

    FAQ

    Ursprung des Coronavirus:Marderhunde für die Pandemie verantwortlich?

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    Waren Marderhunde die Wirte des Coronavirus? Eine neue Untersuchung chinesischer Erbgut-Daten deutet darauf hin. Virologe Christian Drosten sieht seine Theorie bestätigt.

    Marderhund (Archivbild)
    Können Marderhunde Zwischenwirt für das Coronavirus gewesen sein? Neue Untersuchungen gaben Hinweise. (Archivbild)
    Quelle: dpa

    Wie hat die Corona-Pandemie ihren Anfang genommen? Bis heute gibt es dazu fast ausschließlich offene Fragen. Die Suche nach einem tierischen Zwischenwirt, von dem aus das Virus auf den Menschen übergesprungen sein könnte, blieb bislang ergebnislos. Doch jetzt deutet sich ein möglicher Durchbruch an.
    Erneut dreht es sich dabei um einen Wildtiermarkt in der chinesischen Stadt Wuhan, dem ersten bekannten Ausbruchsort von Covid-19. In genetischem Material, das chinesische Forscher auf dem Markt Anfang 2020 gesammelt hatten, wurde die DNA von Marderhunden häufig in Verbindung mit dem Virus nachgewiesen. Damit rücken Marderhunde ins Zentrum der Suche nach einem möglichen Zwischenwirt. Die Funde könnten helfen, einen zoonotischen Ursprung der Pandemie nachzuweisen, wofür jedoch noch deutlich mehr Belege nötig sind.

    Woher kommen diese neuen Daten?

    Die neuen Proben sind der Zufallsfund der Evolutionsbiologin Florence Débarre vom französischen nationalen Forschungsinstitut CNRS. Gemeinsam mit Kollegen forscht sie schon länger zum Ursprung der Corona-Pandmie. In Gisaid, einer großen Genom-Datenbanken für Viren, entdeckte sie nach eigenen Angaben zufällig zuvor unbekannte Eintragungen eines chinesischen Forscherteams. Zwischen Januar und März 2020 habe das Team, zu dem auch der frühere Leiter der staatlichen chinesischen Gesundheitsbehörde, George Gao, gehörte, Proben von Oberflächen auf dem Markt in Wuhan genommen, berichtet das Fachmagazin "Science".
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    In der Folge hätten sich Débarre und andere Forscher direkt an Gao gewandt, um weitere Details über die Proben zu erfahren. Stattdessen seien die Einträge in der Gisaid-Datenbank kurz darauf auf Wunsch der chinesischen Autoren gelöscht worden. Der ebenfalls an der Auswertung beteiligte Evolutionsbioloe Kristian Andersen rief die chinesischen Behörden dazu auf, die "Daten schnellstmöglich freizugeben".
    Die neuen Erkenntnisse wurden am Dienstag im Rahmen einer WHO-Expertenrunde vorgestellt, eine wissenschaftlich begutachtete und publizierte Studie liegt bislang aber noch nicht vor, sie werde gerade erstellt, betonen beteiligte Forscher. Débarre selbst war für ein Interview nicht zu erreichen und verwies auf Twitter auf den "Science"-Artikel zu ihren Funden.
    Forscherin Florence Débarre auf Twitter
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    Warum hat China diese Informationen nicht früher geteilt?

    Chinas Rolle bei der Aufklärung der Corona-Anfänge steht schon lange in der Kritik. Immer wieder wurden Untersuchungen erschwert, internationalen Forschern der Zugang zu Daten und Einrichtungen verweigert. Auch das trug dazu bei, dass das Virologie-Institut von Wuhan, in dem auch an Coronaviren geforscht wurde, vermehrt ins Zentrum rückte. Obwohl eine Mehrheit an Forschenden weiterhin eine Zoonose für die wahrscheinlichste Option hält, gehen inzwischen mehrere US-Sicherheitsbehörden von einem möglichen Laborunfall aus.
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    Warum also sollte China ein Interesse haben, diese Daten zu einem natürlichen Ursprung zu verheimlichen? Darüber gibt es aktuell nur Mutmaßungen. Zuletzt hatte sich das chinesische Regierungsnarrativ darauf festgelegt, dass Wuhan oder gar China nicht der Anfangsort der Pandemie waren - eine Reihe chinesischer Forscher legten Studien vor, die diese These untermauern sollten. Das wirkt durch die neu gefundenen Daten weniger glaubwürdig.
    Gelingt ein Nachweis von Marderhunden als Zwischenwirt, würde auch das China unter Druck setzen. Denn offiziell hätten solche Wildtiermärkte längst geschlossen sein sollen, um das Überspringen von Erregern zu erschweren. Tatsächlich werden aber weiterhin Marderhunde und andere Tiere etwa zur Pelzzucht unter schlechten Bedingungen gehalten, was das Entstehen neuer Krankheiten begünstigt.
    Arbeiter in Schutzkleidung laufen durch Wuhan. Archivbild
    Ein abgesperrter Eingang zum Markt von Wuhan, der im Zentrum der Covid-19-Untersuchungen steht. (Archivbild)
    Quelle: -/CHINATOPIX/AP/dpa/Archivbild

    Was sagen Experten zu den neuen Hinweisen?

    Marderhunde als mögliche Zwischenwirte sind keine neue Theorie. Auch der Virologe Christian Drosten hatte schon im Herbst 2020 in Interviews auf diese Tiere verwiesen. Dem "Tagesspiegel" sagte Drosten nun:

    Diese vorläufige Analyse chinesischer Daten bestätigt meine stets favorisierte Hypothese.

    Christian Drosten, Virologe

    Natürlich müsse man alle denkbaren Theorien ernst nehmen, "aber eine Herkunft aus Carnivoren, insbesondere Marderhunden oder Schleichkatzen, ist bei weitem die wahrscheinlichste Herkunft", so Drosten im "Tagesspiegel".
    WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz:

    Diese Daten liefern keine definitive Antwort darauf, wie die Pandemie begann, aber jedes einzelne Datenelement ist wichtig, um dieser Antwort näher zu kommen.

    Tedros Adhanom Ghebreyesus, Weltgesundheitsorganisation

    Tedros kritisierte China dafür, die neuen Daten nicht früher öffentlich gemacht zu haben. Dies hätte bereits vor drei Jahren geschehen können, befand er.
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    Wie geht es jetzt weiter?

    Weder Labortheorie noch Zoonose sind durch diesen Fund endgültig bestätigt oder augeräumt. Zunächst müssen die Daten durch offizielle Peer-Review-Prozesse anderer Forscher bestätigt werden. Dann ist auch klar, in welche Richtung die weitere Spurensuche gehen sollte. Wichtige Zeit ist auf jeden Fall verloren geganen - für das Verständnis wichtige Populationen an gezüchteten Marderhunden könnte es inzwischen nicht mehr geben. Und ob sich China überhaupt auf weitere Untersuchungen einlässt, ist fraglich.

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