Weihnachts- und Neujahrsansprache: Rückblick zu 75 Jahren
Weihnachts- und Neujahrsansprache:Demokratie zwischen Sissi und Dinner for One
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Neben kirchlichen Predigten gehören zu den Festtagen auch die Weihnachts- und Neujahrsansprachen von Kanzler und Bundespräsident. In 75 Jahren lief allerdings nicht alles glatt.
Wird auch dieses Jahr eine Weihnachtsansprache halten: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Quelle: Reuters
Zum Zusammenhalt mahnen, Wir-Gefühl vermitteln, Spaltung beklagen und um Vertrauen und Mitmenschlichkeit werben. Alle Jahre wieder predigen nicht nur Bischöfe und Pfarrer zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel.
Auch Kanzler und Bundespräsidenten suchen den Weg in die Wohnzimmer der "lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger" oder der "lieben Landsleute". Vor 75 Jahren erstmals Konrad Adenauer und Theodor Heuss.
Ansprachen von Bundespräsident und Kanzler: Fünf bis elf Millionen Zuschauer
Die vorab aufgezeichneten Ansprachen - fünf bis zehn Minuten zwischen Sissi-Filmen, Dinner for one und Festtagsschmaus - sind meist seriös, getragen, nachdenklich. Die Kanzler und Bundespräsidenten geben sich empathisch, verständnisvoll, ausgleichend. Zwischen fünf und elf Millionen Bundesbürger schalten ein - seit 1952 auch im TV.
Humor ist eher selten: In Erinnerung bleiben Angela Merkel und ihre erste Neujahrsansprache 2005 mit ihrem Hinweis auf die kommende Fußball-WM in Deutschland: "Natürlich drücken wir unserer Mannschaft die Daumen, und ich glaube, die Chancen sind gar nicht schlecht", sagte sie spöttisch.
Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen.
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Altkanzlerin Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache 2005
Das ZDF überträgt die Weihnachtsansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus dem Schloss Bellevue am Mittwoch, 25. Dezember 2024 um 19:08 Uhr (im Fernsehen und im Livestream in der ZDF-Mediathek).
Nicht nur Wohlfühl-Themen
Die Inhalte der Ansprachen sind aber nicht nur Wohlfühlprogramm: Rückblicke streifen Kriege, Regierungswechsel, Flutkatastrophe und Corona-Pandemie. Ausblicke kündigen Wahlen an oder rufen zur Überwindung von Krisen auf. "Heute Nacht geht ein schweres Jahr zu Ende", begann etwa Olaf Scholz seine Rede zum Jahr 2023 mit Blick auf den Ukraine-Krieg.
Streitbare politische Botschaften sind selten. 1950 kündigte Kanzler Adenauer an, dass die Entnazifizierung abgeschlossen werde. Schon 1970 mahnte Bundespräsident Gustav Heinemann eine andere Debattenkultur an:
Verteufelung des Gegners, Beschuldigung Andersdenkender als Verräter bis hin zu Morddrohungen sind grobe Entartungen.
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Gustav Heinemann, ehemaliger Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache 1970
ARD sendete falsche Ansprache von Kohl
Anfangs stand die Bewältigung des Krieges im Vordergrund: Adenauers erste Weihnachtsansprache 1949 erinnerte an Ausgebombte, Kriegsgefangene und Verschleppte und versuchte Hoffnung zu wecken. Auch Bundespräsident Heuss erinnerte zum Jahreswechsel 1949/50 an den unabsehbaren "Katalog der deutschen Not und Nöte".
Vieles in den Ansprachen bleibt aber austauschbar. So austauschbar, dass die ARD an Silvester 1986 die Rede von Kanzler Helmut Kohl aus dem Vorjahr sendete. Eine der größten TV-Pannen, die angeblich auf eine versehentliche Vertauschung der Videobänder zurückzuführen war.
Wechselnde Rollenverteilung
Nicht immer ist die Rollenverteilung - der Präsident für die Seelsorge, der Kanzler für die Politik - eindeutig: Bis 1969 war die Weihnachtsansprache das Vorrecht des Kanzlers, während der Bundespräsident zum neuen Jahr das Wort an die Bevölkerung richtete.
Wenige Tage nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz versprach Kanzlerin Merkel in ihrer Neujahrsansprache 2016, der Staat tue alles, um seinen Bürgern Sicherheit zu gewährleisten. 31.12.2016 | 7:17 min
Bundeskanzler Willy Brandt und Bundespräsident Heinemann (beide SPD) brachen dann mit dieser Tradition. 1970 hielt zum ersten Mal ein Bundespräsident die Weihnachts- und ein Bundeskanzler die Neujahrsansprache.
Der Grund ist nicht bekannt: Fest steht, dass Brandt 1969 in seiner einzigen Weihnachtsansprache klargemacht hat, dass er kein Mann für diesen Anlass sei.
Gefühlvolle Deklamationen sind nicht meine Sache. (...) Verantwortliches politisches Handeln zwingt zum nüchternen Denken.
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Willy Brandt, ehemaliger Bundeskanzler in seiner einzigen Weihnachtsansprache 1969
Quelle: dpa
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