Freude und Sorge nach Ankündigung einer Waffenruhe in Gaza
Bangen um Geiseln in Nahost:Jubel, Freude - aber auch gemischte Gefühle
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Nach dem Abkommen zwischen Israel und der Hamas bleibt die Sorge, ob auch alle Geiseln zurückkehren. Im Gazastreifen vermischen sich Freude, Erleichterung und Trauer.
Die Einigung auf eine Waffenruhe im Gaza-Krieg hat weltweit für Erleichterung gesorgt.16.01.2025 | 0:27 min
Die Einigung zwischen Israel und der Hamas auf eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln hat in Israel gemischte Gefühle hervorgerufen. In die Freude über die mögliche Rückkehr der Geiseln mischten sich am Mittwochabend auch besorgte Reaktionen.
Die 59-jährige Ornit Barak, die bei einer Kundgebung in Tel Aviv für ein Ende des Krieges und die Rückkehr der Geiseln demonstrierte, sagte der Nachrichtenagentur AFP:
Auf der einen Seite bin ich natürlich sehr glücklich, aber ich bin auch besorgt.
„
Ornit Barak
Weil sie möchte, "dass das Abkommen so lange hält, bis auch die letzte Geisel wieder zu Hause ist".
Angehörige und Freunde von Menschen, die von der Hamas getötet oder entführt und in den Gazastreifen verschleppt wurden, demonstrieren in Tel Aviv.
Quelle: epa
Das sieht das Abkommen laut US-Präsident Joe Biden vor:
Die erste Phase soll sechs Wochen (42 Tage) dauern. Sie startete am 19. Januar um 10:15 Uhr.
Sie sieht vor: eine vollständige Waffenruhe und einen Rückzug der israelischen Streitkräfte aus allen dicht besiedelten Gebieten des Gazastreifens.
Palästinenser sollen demnach in alle Teile des Gazastreifens zurückkehren können.
Es soll außerdem zunächst eine bestimmte Gruppe von 33 Geiseln freigelassen werden - darunter Frauen, Ältere und Verletzte. Insgesamt sollen noch 98 Geiseln in der Gewalt der Hamas sein.
Im Gegenzug sollen etwa 1.900 Palästinenser freikommen, die in Israel inhaftiert sind.
Ziel sei auch, sofort in großem Stil humanitäre Hilfe in das Küstengebiet zu bringen.
Während der ersten Phase sollen die notwendigen Vereinbarungen ausgehandelt werden, um zur zweiten Phase zu gelangen: einem dauerhaften Ende der Kämpfe.
Die Waffenruhe solle andauern, solange diese Verhandlungen laufen - auch falls sich dies länger als sechs Wochen hinzieht.
In der zweiten Phase sollten dann alle restlichen lebenden Geiseln freigelassen werden, darunter auch männliche Soldaten. Da fraglich ist, ob tatsächlich eine Einigung gelingt, gibt es jedoch bereits Vorwürfe an Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, man habe mit dem jetzigen Abkommen die restlichen Geiseln im Stich gelassen.
Das israelische Militär soll sich komplett aus dem Gazastreifen zurückziehen.
In der dritten Phase sollen die Überreste getöteter israelischer Geiseln an ihre Familien zurückgegeben werden.
Außerdem soll dann der Wiederaufbau im Gazastreifen beginnen. US-Präsident Joe Biden hatte dafür Ende Mai eine Dauer von drei bis fünf Jahren genannt.
Quelle: dpa, Reuters, AFP
Israel und die radikal-islamische Hamas haben sich auf eine Waffenruhe im Gazastreifen und die Freilassung von Geiseln im Gegenzug für palästinensische Häftlinge geeinigt.16.01.2025 | 2:10 min
Hoffen auf Rückkehr aller Geiseln
"Für uns ist das erst der Anfang, wir wollen sie alle hier haben", sagte Arnon Cohen, der im Kibbuz Nahal Oz in der Nähe des Gazastreifens lebt. "Es ist nicht vorbei, es ist nicht genug, wenn nur einige von ihnen zurückkommen." Zwei Bewohner des Kibbuz werden noch im Gazastreifen von der Hamas als Geiseln festgehalten.
Angriff auf Israel (Karte Israel, Gazastreifen etc.)
ZDFheute Infografik
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Ifat Kalderon, die Cousine des in den Gazastreifen verschleppten Franko-Israeli Ofer Kalderon, blickt nach eigener Aussage mit "gemischten Gefühlen" auf das Abkommen. Sie empfinde auf der einen Seite Freude, aber auch einen "schrecklichen Stress", sagte Ifat Kalderon.
Ich glaube, dass Ofer noch am Leben ist, und ich hoffe, dass er zurückkommt.
„
Ifat Kalderon
Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Israel und Hamas auf eine Feuerpause und die Freilassung von 33 israelischen Geiseln geeinigt. ZDFheute live ordnet den Deal ein. 15.01.2025 | 31:43 min
Spontaner Jubel im Kriegsgebiet
Im Gazastreifen strömten nach der Ankündigung der Waffenruhe an vielen Orten Menschen zusammen und zeigten ihre Erleichterung nach den bereits 15 zermürbenden Kriegsmonaten mit spontanen Siegesfeiern. Randa Samih sagte der Nachrichtenagentur AFP:
Ich kann nicht glauben, dass dieser Alptraum von mehr als einem Jahr endlich zu Ende geht.
„
Randa Samih
"Wir haben so viele Menschen verloren, wir haben alles verloren," so die 45-Jährige, die von der Stadt Gaza in die Flüchtlingssiedlung Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens geflohen ist. Die Menschen in dem Palästinensergebiet bräuchten "viel Ruhe", schilderte Samih.
Am 7. Oktober 2023 überfiel die Hamas Israel und nahm über 250 Geiseln. Israel reagierte mit einem Bombardement des Gazastreifens. Eine Chronologie der Ereignisse.15.01.2025 | 1:48 min
Sobald der Waffenstillstand beginnt, werde ich zum Friedhof gehen, um meinen Bruder und Familienmitglieder zu besuchen.
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Randa Samih
Karte Israel Gazastreifen
ZDFheute Infografik
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Vor dem Al-Aksa-Märtyrer-Krankenhaus in Deir al-Balah, in das in den vergangenen Monaten zahlreiche Kriegsopfer eingeliefert wurden, versammelten sich Hunderte Palästinenser in fröhlicher Stimmung.
Trommelschläge, Jubel - aber auch gemischte Gefühle
Jemand aus der Menge und ein Journalist werden auf die Schultern der Menschen gehoben, damit sie ein Interview über die bevorstehende Waffenruhe führen können. Auch in Chan Junis im Süden des Gazastreifens versammelten sich große Menschenmengen. Junge Männer hoben sich gegenseitig auf ihre Schultern. Trommelschläge und Jubelrufe hallten durch die Nacht.
Menschen im zentralen Gazastreifen reagieren auf das Abkommen über eine Waffenruhe zwischen Israel und Hamas.
Quelle: imago images
In der Stadt Gaza sagt der Krankenhausarzt Fadel Naim noch in seinem OP-Kittel, er habe gemischte Gefühle - sowohl "Trauer um diejenigen, die wir verloren haben", als auch "unbeschreibliche Freude über das Ende dieses Massakers".
"Ich kann nicht glauben, dass ich endlich meine Frau und meine zwei Kinder wiedersehen werde", sagte der 27-jährige Abdul Karim, er fühle "Freude trotz allem, was wir verloren haben". Sie seien vor fast einem Jahr in den Süden des Gazastreifens gezogen und er hoffe, "dass man den Vertriebenen erlaubt, schnell zurückzukehren".
Mit dem Hamas-Angriff auf Israel eskalierte der Nahost-Konflikt. Anfang des Jahres konnte eine Waffenruhe vereinbart werden. Nun fliegt Israel wieder Angriffe in Gaza.