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Wer wird die "First Family"?:US-Wahl: Dynastie versus Patchworkfamilie
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Am Dienstag wird nicht nur der US-Präsident gewählt, sondern auch die künftige "First Family". Partner und Kinder der Bewerber spielen stets eine große Rolle im US-Wahlkampf.
Die Familien von Donald Trump und Kamala Harris sind ebenso gegensätzlich wie die Kandidaten selbst. Harris' Ehemann Doug Emhoff hat schon Erfahrung als erster "Second Gentleman" der US-Geschichte, seit seine Frau 2021 Vizepräsidentin wurde. In der Kampagne der Demokratin gilt der 60-Jährige als eine Art Geheimwaffe, es gibt Merchandise-Artikel mit seinem Konterfei, vom T-Shirt bis zur Kaffeetasse.
"Kamala Harris war genau die richtige Person für mich zu einem wichtigen Zeitpunkt in meinem Leben", sagte Emhoff beim Parteitag der Demokraten im August über seine Frau.
In diesem Moment in der Geschichte dieser Nation ist sie genau die richtige Präsidentin.
Doug Emhoff, Ehemann von Kamala Harris
Die Delegierten jubelten ihm mit "Doug"-Schildern zu.
Patchworkfamilie mit "Momala"
2014 heiratete der in der Unterhaltungsbranche tätige Anwalt Harris. Mit den beiden Kindern aus Emhoffs erster Ehe, Cole und Ella, wurden sie zu einer modernen Patchworkfamilie. Emhoff ist Jude und engagierte sich als Second Gentleman gegen Antisemitismus. Seine beiden Kinder, die ihre Stiefmutter "Momala" nennen, sind ebenfalls im Wahlkampf aktiv.
Doug Emhoff umarmt seine Frau Kamala Harris bei einer Wahlkampfveranstaltung im Ellipse-Palast in der Nähe des Weißen Hauses.
Quelle: AP
Cole, der für eine von Schauspieler Brad Pitt mitgegründete Produktionsfirma arbeitet, erzählte, wie sich seine Familie veränderte, als Harris Vizepräsidentin wurde. "Es fühlte sich an, als wäre Doug auf dem Capitol Hill ein bisschen fehl am Platz. Ich dachte: 'Was macht mein alberner Dad hier?' Aber er hat sich darauf eingelassen", sagte der 30-Jährige beim Parteitag.
Seine Schwester Ella lobte Harris in ihrer Rede und erinnerte sich daran, wie in ihren Teenager-Jahren ihre Stiefmutter "egal um was es ging, immer für mich da war".
Die 25-Jährige ist Modedesignerin und nutzt ihre Reichweite in den Onlinenetzwerken - fast 500.000 Nutzer folgen ihr auf Instagram - für den Wahlkampf ihrer Stiefmutter. Zum Beispiel stickte und häkelte sie Botschaften wie "Ich habe gewählt" und stellte sie ins Netz.
Trumps Familie kennt das Weiße Haus schon
Trumps Großfamilie zählt fünf Kinder aus drei Ehen sowie zehn Enkel und kennt das Weiße Haus ebenfalls bereits von innen. Während seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 standen Tochter Ivanka in der vagen Rolle der "Beraterin des Präsidenten", Ivankas ebenfalls als Präsidentenberater tätiger Ehemann Jared Kushner und First Lady Melania im Vordergrund.
Donald Trump und seine Familie nach der Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf dem Parteitag.
Quelle: dpa
Das öffentliche Bild der Familie hat sich seither deutlich gewandelt. Ivanka Trump und ihr Ehemann treten im Wahlkampf nicht öffentlich in Erscheinung, Melania tritt nur sehr selten auf. Dafür mischen Trumps älteste Söhne Donald Junior und Eric, die auch im Konzern ihres Vaters hohe Posten besetzen, sehr aktiv im Wahlkampf mit.
Donald Junior setzte sich für Trumps Vizekandidaten ein
Donald Junior wirbt im Onlinedienst X, wo ihm zwölf Millionen Nutzer folgen, sowie in einem Podcast für Trumps rechtspopulistische Agenda. Der 46-Jährige soll Berichten zufolge maßgeblich dazu beigetragen haben, dass der mit ihm befreundete Senator J.D. Vance zum Vizekandidaten Trumps aufstieg. Der 40-jährige Eric ist ähnlich loyal und unterstützt seinen Vater oft mit Auftritten in den Medien und bei Wahlkampfveranstaltungen.
Erics Frau Lara spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle als Co-Vorsitzende der republikanischen Parteizentrale. Sie half dabei, die Partei im Sinne Trumps umzugestalten. Der 17-jährigen Enkelin Kai wiederum fiel die Aufgabe zu, das Image des Kandidaten abzumildern. Beim Republikaner-Parteitag im Juli beschrieb sie den Ex-Präsidenten als "einen normalen Großvater, der uns Süßigkeiten und Limonade gibt, wenn unsere Eltern nicht hinschauen".
Einige Trumps halten sich im Wahlkampf zurück
Anders als 2016 und 2020 hält sich Trumps 30-jährige Tochter Tiffany aus zweiter Ehe diesmal aus dem Wahlkampf heraus. Auch Sohn Barron, der seine frühen Teenagerjahre im Weißen Haus verbrachte, hält sich ebenso wie seine Mutter Melania im Hintergrund.
Melania Trump veröffentlichte jedoch Anfang Oktober ihre Memoiren. Darin präsentiert sie sich als Konservative, spricht sich aber für das Recht auf Abtreibung aus. Dies erregte viel Aufsehen, weil Trump mit der Nominierung dreier erzkonservativer Richter an das Oberste Gericht der späteren Abschaffung des landesweiten Rechts auf den Schwangerschaftsabbruch den Weg gebahnt hatte.
- Recht auf Abtreibung: Warum positioniert sich Melania gegen Trump?
Einige sehen nun in Melania Trumps Plädoyer für das Abtreibungsrecht ein Zeichen ihrer Unabhängigkeit. Andere vermuten hingegen einen geschickten Schachzug, um auch die Stimmen von Befürworterinnen und Befürwortern des Abtreibungsrechts für ihren Ehemann zu gewinnen.
Quelle: AFP
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