Kirillow-Mord: Die Ukraine hat Putins Regime im Visier
Analyse
Tötung hochrangiger Militärs:Wie Kiew Moskau seine Macht demonstriert
von Christian Mölling und András Rácz
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Der Krieg rückt für die Russen näher: Mit Igor Kirillow hat Kiews Geheimdienst den bisher höchsten feindlichen Offizier getötet - mitten in Moskau. Eine Demonstration von Macht.
In Moskau ist ein russischer Top-General bei einem Bombenanschlag getötet worden. Kiew soll den Anschlag für sich reklamieren. ZDFheute live mit Geheimdienstexperte Hänni.17.12.2024 | 27:06 min
Es gibt auf beiden Seiten eine lange Tradition von Attentaten auf gegnerische politische und militärische Führer. Russland hatte zu Anfang des Krieges schon versucht, Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyi zu töten. Die Ukraine ihrerseits hat bereits vor der Ermordung von Generalleutnant Igor Kirillow mehrere gezielte Tötungen durchgeführt.
Man werde Putin nur durch Druck an den Verhandlungstisch bekommen, sagt Militärexperte Nico Lange.19.12.2024 | 19:04 min
Zwei Tötungen in kurzer Zeit
Kürzlich wurden zwei prominente russische Beamte getötet, die eine wichtige Rolle bei den Kriegsanstrengungen spielen. Der Raketenwissenschaftler Michail Shatskij wurde in einem Vorort von Moskau erschossen.
Generalleutnant Igor Kirillow, Leiter der russischen Einheit zum Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Waffen, wurde zusammen mit seinem Adjutanten vor seinem Haus im Süden Moskaus durch eine Bombe getötet.
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Vielleicht überraschend - aber eine lange Tradition Russlands
Auch wenn diese Tötungen ungewöhnlich und möglicherweise schockierend erscheinen mögen, so sind Anschläge auf prominente politische und militärische Führer des Gegners in Kriegszeiten doch seit langem ein fester Bestandteil der sowjetischen und russischen Militärkultur. Und nicht nur dieser. Auch Israels Geheimdienst Mossad soll seit Jahrzehnten extralegale Tötungen von Staatsfeinden durchführen.
Es sei daran erinnert, dass gleich zu Beginn der sowjetischen Invasion in Afghanistan am 27. Dezember 1979 sowjetische Spezialeinheiten, die als afghanische Truppen getarnt waren, den Tajbeg-Palast stürmten und den afghanischen Führer Hafizullah Amin ermordeten.
Quelle: DGAP
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre und leitet das Programm "Europas Zukunft" für die Bertelsmann Stiftung in Berlin. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
Quelle: DGAP
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Während des ersten Tschetschenienkriegs dauerte es mehrere Anläufe, bis die russische Armee am 21. April 1996 den tschetschenischen Führer Dzokhar Dudajev töten konnte. Russland gelang es schließlich, das von Dudajew benutzte Satellitentelefon zu identifizieren und zwei Lenkraketen auf den Standort des Telefons abzuschießen.
Wagner-Söldner sollten Selenskyj ermorden
Während des Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 wurden russische Spezialkräfte und Kämpfer der Gruppe Wagner nach Kiew geschickt, um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu ermorden.
Zwar sind die Einzelheiten der Operation noch nicht vollständig bekannt, doch steht bereits fest, dass Selenskyi in den ersten Tagen des Krieges in ernster Gefahr war, ebenso wie Mitglieder seiner Regierung.
Die Wagner-Gruppe ist weltweit im Einsatz und kämpft im Auftrag der russischen Regierung. Sie foltert und ermordet Zivilisten. Offiziell wird ihre Existenz bestritten.02.06.2022 | 58:22 min
Auch die Ukraine verübt Anschläge
Nicht nur Russland, sondern auch die Ukraine hat während des Krieges mehrere gezielte Tötungen durchgeführt. Ukrainische Partisanen, die in den besetzten Gebieten operieren, verüben regelmäßig Anschläge auf pro-russische Beamte, die öffentliche Verwaltung und verschiedene Führungskräfte von Polizei und Streitkräften.
Sie sind so effizient, dass Russland unter ständigen Personalproblemen in den besetzten Gebieten leidet, da es einfach nicht genügend russische Fachkräfte gibt, die es riskieren würden, in die besetzten ukrainischen Gebiete zu ziehen, um dort zu arbeiten.
Putin habe versucht für die Trump-Präsidentschaft vorzubauen, sagt ZDF-Korrespondent Armin Coerper. Er wolle bei einem möglichen Kriegsende nicht als "Umfaller" dastehen.19.12.2024 | 8:06 min
Auch aktive militärische Befehlshaber wurden weit weg von der Front getötet. Ein ehemaliger russischer U-Boot-Kommandant, Stanislav Rzhitzky, stellvertretender Leiter des Mobilisierungsbüros von Krasnodar, wurde im Juli 2023 beim morgendlichen Joggen erschossen. Die Ukraine machte sein U-Boot für einen tödlichen Raketenangriff auf Winnyzja ein Jahr zuvor verantwortlich. Es gibt viele weitere ähnliche Beispiele.
Auch Zivilisten können Opfer werden
Außerdem hat die Ukraine solche Operationen auch auf russischem Boden durchführen können. Viele erinnern sich an die Ermordung von Darya Dugina, der Tochter des prominenten russischen Nationalisten Alexander Dugin, doch in diesem Fall hat sich die Ukraine nicht zu ihrer Verantwortung bekannt.
In vielen anderen Fällen ist der Zusammenhang jedoch ziemlich klar. So wurde beispielsweise Ilja Kywa, ein ehemaliges Mitglied der ukrainischen Werchowna Rada, der nach Russland geflohen war und zu einem lautstarken Befürworter von Putins Krieg wurde, im Dezember 2023 mit einem Kopfschuss tot aufgefunden - nur einen Monat nachdem ihn ein ukrainisches Gericht in Abwesenheit wegen Hochverrats verurteilt hatte.
Der ukrainische Militärgeheimdienst kommentierte seinen Tod mit den Worten:
Ein ähnliches Schicksal wird alle anderen Verräter erwarten.
„
Ukrainischer Militärgeheimdienst
Er übernahm de facto die Verantwortung für die Operation.
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Gezielte Tötungen auf russischem Boden nicht neu
Alles in allem ist die Tatsache, dass die Ukraine tief im russischen Hoheitsgebiet gezielte Tötungen durchführt, nicht wirklich neu. Mit unterschiedlicher Häufigkeit und Intensität wurden solche Operationen fast seit Beginn des Krieges durchgeführt.
Das einzig Neue an der Ermordung Kirillows war sein Rang, denn er war ein aktiver General und Kommandeur einer wichtigen Militäreinheit. Ansonsten passt die Operation in ein seit langem bestehendes Muster. Daher sollte man dies nicht als eine signifikante Eskalation betrachten.
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Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew hat eine Gegenoffensive gestartet, die Kämpfe dauern an. News und Hintergründe im Ticker.
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